«Tempo 30 ist eine Erfolgsgeschichte», zieht Stadtrat Walter Jucker Bilanz. Mit dem Kommunalen Gesamtplan Verkehr beschloss die Stadt Rheinfelden 2012, Tempo 30 flächendeckend in allen Quartieren einzuführen.

Die Umsetzung läuft seit 2013. Schritt für Schritt, Quartier um Quartier stellte die Stadt seither auf das Langsamregime um. Nicht immer ging die Einführung geräuschlos über die Bühne. «Die Bevölkerung hat sich dabei aber nicht gegen die Einführung von Tempo 30 gewehrt», sagt Jucker. Kam es zu Gegenwehr, betraf dies meist gleichzeitig eingeführte oder aufgehobene (Fahr-)Verbote.

Seit letztem Jahr ist Tempo 30 auf dem ganzen Stadtgebiet Realität. Erstmals liegen nun Zahlen vor, was das neue Verkehrsregime sicherheitsmässig bringt. Und diese sind beeindruckend: Die Zahl der Unfälle, die der Polizei gemeldet wurden, sank zwischen 2012, wo es noch kein Tempo30-Regime gab, und 2016 um satte 40 Prozent. «Tempo 30 hat damit das gebracht, was wir uns erhofft haben», sagt Jucker.

Tempo 30 sieht Jucker aber nicht nur als «gute Unfallprophylaxe» an, sondern auch als guten Weg, um den Verkehr zu verflüssigen, um das Stop-and-go-Dilemma verstopfter Strassen zumindest etwas zu reduzieren. «Das ist uns gelungen», ist der künftige Vizeammann überzeugt.

Das wichtigste Argument für Tempo 30 ist und bleibt für Jucker die höhere Sicherheit, die dank dem tieferen Tempo und dem dadurch kürzeren Bremsweg erreicht werden kann. Daneben, so zählte die Stadt in einer Mitteilung weitere positive Faktoren auf, führe Tempo 30 zu einem ruhigeren Fahrverhalten, reduziere Abgas- und Lärmemissionen und vermindere den Durchgangsverkehr.

Dadurch steige auch die Wohnqualität in den Quartieren.
Als Allheilmittel gegen die zunehmende Verkehrsproblematik mag Jucker Tempo 30 trotzdem nicht werten. Seine Empfehlung an andere Gemeinden: «Die Verkehrsberuhigung macht primär bei Quartierstrassen Sinn, die ein relativ hohes Verkehrsaufkommen haben.»

Fahrplan wird angepasst

Eine Konsequenz hat Tempo 30 indes: Langsamer unterwegs sind nun auch die öffentlichen Busse, die durch die Quartiere fahren. «Es ist klar, dass die Busse nun eine bis zwei Minuten länger benötigen», sagt Jucker. Dass dies bei Anschlussverbindungen, die eng getaktet sind, zum Problem wurde, weiss Jucker. Akzentuiert hat die Anschlussproblematik zudem das steigende Verkehrsaufkommen auf den Strassen, besonders im Berufsverkehr.

Die Stadt hat nun zusammen mit den öV-Anbietern reagiert: Die Bus-Fahrzeiten werden auf den kommenden Fahrplan hin angepasst, für die Busse wird eine bis zu zwei Minuten längere Fahrzeit eingerechnet. «Damit sind die Anschlüsse wieder gewährleistet», ist Jucker überzeugt.
Den öffentlichen Verkehr weiter zu fördern, hält Jucker für wichtig. «Wir brauchen einen guten öffentlichen Verkehr sowie eine gut ausgebaute Infrastruktur für den Langsamverkehr», ist der SVP-Stadtrat überzeugt. Denn: «Dies ist die einzige Möglichkeit, die Autos ab den Strassen zu bringen.»

Dazu tragen, so hofft Jucker, auch die beiden Verbesserungen im öV-Angebot bei, die auf den nächsten Fahrplanwechsel hin umgesetzt werden. Zum einen werden die S-Bahnen noch vermehrt mit Dreifach-Kombinationen unterwegs sein. Zum anderen wird ein weiterer Entlastungszug auf der S-Bahn-Linie von Basel ins Fricktal verkehren. Bereits heute fahren in der Feierabendzeit um 16.26, 16.58 und 17.26 Uhr Entlastungszüge nach Stein. Ein vierter wird ab Dezember um 17.58 Uhr in Basel losfahren.

Generell, das weiss Jucker, sei man öV-mässig in Rheinfelden «sehr gut» aufgestellt. «Das Zug- und Busangebot stimmt.» Dazu gehört auch der grenzüberschreitende Stadtbus, der vor bald zwei Jahren gesplittet wurde und nun im Halbstundentakt zwei Routen bedient. «Das Angebot ist gut aufgenommen worden», so Jucker. Man habe trotz der Splittung eine kleine Frequenzsteigerung erzielt.