Bezirksgericht Rheinfelden
Sie sollte einer betagten Frau helfen und stahl ihr stattdessen viel Geld: Nun muss die Angeklagte alles zurückzahlen

Eine Frau hat Unterschriften für Einzelvollmachten gefälscht und damit knapp 30'000 Franken abgehoben. Nun wurde sie nach dem Strafprozess auch beim Zivilverfahren verurteilt und muss die Summe an die Kläger zurückzahlen.

Simon Widmer
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Bezirksgericht Rheinfelden.

Bezirksgericht Rheinfelden.

Hans Christof Wagner/ Aargauer Zeitung

Mit einem Tick luchste sie einer betagten Frau mehrere zehntausend Franken ab. Nun musste sie sich vor dem Bezirksgericht Rheinfelden dafür verantworten. In einem Strafverfahren war die Angeklagte zuvor bereits schuldig gesprochen worden – nun ging es darum, ob sie das Geld zurückzahlen muss.

Vor rund sieben Jahren soll die Angeklagte dreimal die Unterschrift der betagten Frau auf Einzelvollmachten gefälscht und mit diesen dann Geld abgehoben haben. Viel Geld: einmal einen Betrag von 23'000 Franken, einmal 4600 Franken. Aufgeflogen sei das Ganze schliesslich, weil die ältere Frau in ein Heim umziehen sollte und deshalb ein Neffe einen Kontoauszug ihrer Konten besorgte – auf denen plötzlich viel Geld fehlte.

Angeklagte bestritt alles

Die Angeklagte bestritt, jemals eine Unterschrift auf die Vollmachten gesetzt zu haben. Sie habe für die ältere Dame, die inzwischen verstorben ist, lediglich den Zettel ausgefüllt. Die Unterschrift habe diese selbst und nicht in Anwesenheit der Angeklagten gesetzt.

Auf die Frage, weshalb das Geld verschwunden war, gab sie an, dass die alte Frau kein gutes Verhältnis mit ihren Neffen und ihrer Nichte hatte und deshalb ihr Vermögen verschwinden lassen wollte, damit diese nichts erbten.

Um Licht in die Sache zu bringen, wurde im Namen der Klägerseite ein Experte für Handschriften mit einem Gutachten der Unterschriften beauftragt. Er untersuchte die Unterschriften und glich die Formulare mit Vergleichsschriften der Beschuldigten sowie der betagten Frau ab. Mit einem klaren Ergebnis.

Forensiker analysierte die Schriftstücke

Der Forensiker stellte unter anderem fest, dass die alte Dame ein «gestörtes Strichbild bei all ihren Vergleichstexten» hatte, dies vermutlich aufgrund eines Tremors. Dies sei jedoch nicht bei den Unterschriften auf den erwähnten Vollmachten vorhanden gewesen. Nebst anderen Indizien müsse deshalb davon ausgegangen werden, dass es sich bei den Unterschriften um Fälschungen handle, so der Experte.

Hingegen seien gemeinsame Merkmale zwischen den betreffenden Unterschriften und den Vergleichstexten der Angeklagten vorhanden. Allerdings könnten auch dritte Personen diese Unterschriften gefälscht haben. Da aber keine solchen Drittpersonen in Frage kommen würden, schliesse alles auf die Angeklagte.

Die Angeklagte wird schuldig gesprochen

Zum gleichen Schluss kam nach einer kurzen Beratungszeit auch das Gericht. Es verurteilte die Angeklagte, das illegal ergaunerte Geld inklusive fünf Prozent Zinsen an die rechtmässigen Erben der Verstorbenen zurückzuzahlen und die Verfahrenskosten zu übernehmen. Die Angeklagte will das Verfahren weiterziehen.