Zehn Gemeinden im Suhrental haben die Bezirksdiskussion neu entfacht: Sie wollen einen eigenen Bezirk gründen; es wäre der Zwölfte im Kanton Aargau. «Damit es bei elf Bezirken bleibt, könnten sich ja im Gegenzug Laufenburg und Rheinfelden zusammenschliessen», scherzt Hansueli Bühler, Gemeindeammann von Stein.

Doch wäre das wirklich nur ein Scherz? Wäre eine Fusion nicht sinnvoll? Denn Fakt ist: Die Bezirke haben in den letzten Jahrzehnten massiv an Bedeutung verloren. Von Relevanz sind sie heute eigentlich nur noch als Wahlkreise und Gerichtsrayons. Die Gemeinde Stein brachte die Bezirksgrenze sogar des Öfteren «in die Zwickmühle», wie Bühler es formuliert. Denn die Gemeinde liegt zwar im Bezirk Rheinfelden, ist aber auf das obere Fricktal ausgerichtet. «In den Bereichen, in denen wir frei wählen können, arbeiten wir mit dem oberen Fricktal zusammen», sagt Bühler. Nur dort, wo die Gemeinde gesetzlich an die Bezirksgrenze gebunden ist, richtet sich der Blick nach Rheinfelden – unfreiwillig.

Dann also: auf in den Kampf für einen Bezirk Fricktal? Bühler winkt ab. «Der Aufwand lohnt sich nicht», sagt der ehemalige Präsident des Planungsverbandes Fricktal Regio. Man habe die Idee im Planungsverband einst geprüft, dann aber verworfen, «weil die Bezirke kaum mehr von Belang sind». Ersatzlos streichen möchte sie Bühler dann aber doch nicht. «Als Kanton der Regionen braucht es eine gewisse Aufteilung.» Ihm schweben funktionale Räume vor, fünf bis sieben, wie er sagt.

In einer solchen Umstrukturierung könnte er sich einen «Raum Fricktal» durchaus vorstellen. «Viel wichtiger ist aber, dass das Fricktal auf Repla-Stufe heute bereit als Einheit agiert», sagt er. Das war das grosse Verdienst von Peter Bircher, dem Ziehvater der Repla-Fusion.
Dies sieht Bühlers Nachfolger als Repla-Präsident, Christian Fricker, ebenso. «Der Zusammenschluss der beiden Planungsverbände war wegweisend.» Eine Bezirksfusion wäre seiner Ansicht nach zwar «keine dumme Idee», doch auch er findet: «Es ist nicht matchentscheidend, ob wir ein oder zwei Bezirke sind.» Zumal er weiss: «Historisch gewachsene Strukturen zu ändern, ist schwierig, da dies immer auch ein Abschiednehmen von lieb gewonnenen Traditionen mit sich bringt.»

Mehr oder weniger Gewicht?

Gar nichts von einer Fusion wissen will SVP-Grossrat Christoph Riner. Er ist überzeugt: «Das Fricktal hat in Aarau mit zwei Bezirken mehr Gewicht.» Wenn der Kanton etwas gegen die Interessen des Fricktals plane, müsse er heute mit zwei Bezirken rechnen, die auf die Hinterbeine stünden. «Das ist gut so.» Zudem ticken nach Ansicht von Riner die beiden Bezirke auch politisch anders. «Die tendenziell kleineren Gemeinden im oberen Fricktal kämen bei den Grossratswahlen eher unter die Räder», befürchtet er.

Ebenfalls «nicht erpicht» auf eine Zusammenlegung ist CVP-Grossrat Martin Steinacher. Auch er findet, ein Fricktal mit zwei Bezirken habe in Aarau mehr Gewicht als mit nur einem. Zudem zeige sich im Alltag: «Die Bezirksgrenze erschwert die Zusammenarbeit nicht.»
Einen Zusammenschluss durchaus vorstellen können sich dagegen die beiden Rheinfelder Grossräte Roland Agustoni (GLP) und Peter Koller (SP). Anders als Steinacher glaubt Koller, dass ein geeintes Fricktal mehr Einfluss hätte. Zudem gäbe es keine Abgrenzungsprobleme. Der SP-Mann ist überzeugt: «Wenn die Kantonsgrenzen so bleiben, wie sie sind, wird ein gemeinsamer Bezirk dereinst kommen.» Wobei er offen zugibt: Sein grosser Traum ist nach wie vor ein Kanton Nordwestschweiz. Eine Idee notabene, die im oberen Fricktal deutlich schlechter ankommt als im stärker baselorientierten unteren Fricktal.

Dass das einwohnerschwächere obere Fricktal in einem Bezirk Fricktal zu kurz käme, glaubt Agustoni nicht. «Ein Vogel kann nur fliegen, wenn er beide Flügel einsetzt.» Auch im Fricktal sei man aufeinander angewiesen und komme nur weiter, wenn man die Fragen gemeinsam löse. «Eine Demokratie zeichnet sich ja gerade dadurch aus, dass man die Interessen der Minderheiten mitberücksichtigt.» Und für die wohl kniffligste Frage, jene nach dem Hauport, «findet sich sicher eine Lösung».

Dann also los, Herr Agustoni, per Vorstoss im Grossrat zur Bezirksdebatte! Der GLP-Politiker winkt ab. «Die Zeit ist noch nicht reif», sagt er und Peter Koller ergänzt: «Dank seiner Wirtschaftskraft wird das Fricktal heute auch in Aarau ernst genommen. Der Leidensdruck, die Strukturen zu verändern, fehlt.» Beide, Koller wie Agustoni, sind indes überzeugt: Eine Veränderung wird es geben. «Bezirke werden dereinst fusionieren», glaubt Agustoni und wagt schon mal einen Blick in die Zukunft: «Meine Grosskinder werden dereinst über die Zusammenlegung von Kantonen diskutieren.»