Mettauertal
Bewohner des Ortsteils Etzgen kämpfen weiter um ihre Schule

133 Einwohner diskutierten die Vor- und Nachteile von zwei Schulstandorten. Die Meinungen gehen dabei deutlich auseinander. Bis zur nächsten Gemeindeversammlung sollen zwei Vorschläge vorliegen.

Marc Fischer
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Grosser Aufmarsch in der Turnhalle im Ortsteil Mettau
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Rege Diskussionen in Kleingruppen über die Vor- und Nachteile von zwei Schulstandorten
Rege Diskussionen in Kleingruppen über die Vor- und Nachteile von zwei Schulstandorten
Rege Diskussionen in Kleingruppen über die Vor- und Nachteile von zwei Schulstandorten
Etzgen kämpft um die Schule
Rege Diskussionen in Kleingruppen über die Vor- und Nachteile von zwei Schulstandorten
Gruppensprecher präsentierten die Prioritäten der Kleingruppen geordnet nach Fragestellungen
Jeder Teilnehmer konnte mit farbigen Punkten seine Prioritäten markieren

Grosser Aufmarsch in der Turnhalle im Ortsteil Mettau

Marc Fischer

«Werdet Mettauertaler! Und wenn ihr selber nicht wollt, schaut, dass eure Kinder es werden!» Diesen Appell richtete gegen Ende des Infoabends über die Schulstandorte der Gemeinde Mettauertal eine Votantin an die anderen Teilnehmer. Ganz so hitzig, wie dieser Aufruf vermuten lassen konnte, wurden die Diskussion in den vorangegangen drei Stunden nicht geführt. Dennoch wurde deutlich, dass unterschiedliche Interessen vorherrschen.

Über allem steht die Frage, ob die Gemeinde Mettauertal auch künftig zwei Primarschul-Standorte (Etzgen und Wil) hat, oder ob ein Standort wegfällt. Der Gemeinderat hatte vor rund einem Jahr die Absicht kundgetan, den Standort Etzgen zu schliessen (die az berichtete), aufgrund von Widerstand aus der Bevölkerung aber schliesslich eine Arbeitsgruppe eingesetzt um die Standortfrage zu evaluieren.

Schuljahr 2014/15: Einsprachen hängig

«Die Schulpflege arbeitet in einem Spannungsfeld verschiedener Interessen», erklärte Schulpflegepräsident Markus Gunzenhauser am Rande der Infoveranstaltung. Kinder, Eltern und Lehrpersonen seien direkt von den Entscheiden der Schulpflege betroffen. Hinzu kommen Rahmenbedingungen, die nicht oder nur schwer beeinflussbar sind, wie der Fahrplan des öffentlichen Verkehrs und die Vorgaben des Kantons. «Wir müssen dabei das Wohl der Kinder im Blick haben», so Gunzenhauser weiter. Damit stösst die Schulpflege auch immer wieder auf Widerstände.

Es ist laut Gunzenhauser geplant, im kommenden Schuljahr die Kindergärten an beiden Schulstandorten zu führen und auch an beiden Orten eine altersdurchmischte Klasse 1/2 und 3/4. Die Fünftklässler sollen in Etzgen unterrichtet werden und die Sechstklässler in Wil. Ob es wirklich so kommt, ist allerdings noch offen. «Es sind Einsprachen beim Bezirksschulrat hängig», so Gunzenhauser. Eltern aus dem Ortsteil Wil wollen damit verhindern, dass ihr Kind in Etzgen zur Schule gehen muss. (mf)

Flugblatt mobilisierte in Etzgen

«Klar ist, Schule bewegt», bediente sich Schulpflegepräsident Markus Gunzenhauser bei der Begrüssung eines Zitats von Bildungsdirektor Alex Hürzeler. Der grosse Aufmarsch von 133 Personen sei der Beweis dafür. Ziel des Abends sei es, über die Diskussionen in der 15-köpfigen Arbeitsgruppe zu informieren und Rückmeldungen aus der Bevölkerung einzuholen, um anschliessend dem Gemeinderat Vorschläge unterbreiten zu können.

Bis zur Sommergemeindeversammlung sollen zwei Varianten erarbeitet werden, die danach von einem Ingenieurbüro hinsichtlich der Finanzen geprüft werden sollen. Zur Abstimmung dürfte es laut Markus Gunzenhauser entweder an der Wintergmeind 2014 oder an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung im Frühling 2015 kommen.

Vor allem bewegt die Frage nach den Schulstandorten im Ortsteil Etzgen. Die Bewohner setzen sich weiterhin für den Erhalt «ihrer» Schule ein. Deutlich wurde dies nicht nur in Voten an den einzelnen Diskussionstischen, sondern bereits im Vorfeld des Infoabends. In Etzgen war ein Flugblatt im Umlauf, dass die Bevölkerung zur Teilnahme am Infoabend mobilisierte. «Tatsächlich sind gut die Hälfte der Teilnehmer am Infoabend aus Etzgen», bestätigte Kathrin Härdi, die als externe Begleiterin und Mediatorin in der Arbeitsgruppe mitwirkt und durch den Abend führte.

Offene Fragen in der Arbeitsgruppe

Die Sprecher der Arbeitsgruppe, Reto Möhl und Janine Bredanger, betonten, dass man die Finanzen bisher bewusst ausgeklammert habe und dies auch am Infoabend weiterhin so halten wolle. «Es geht in einem ersten Schritt um eine inhaltliche Diskussion.» Als Kriterien für die künftige Schule Mettauertal präsentierte Janine Bredanger unter anderem eine gute Schulqualität, einen sicheren Schulweg und gute Anschlüsse an den öffentlichen Verkehr.

Als Fazit zog die Arbeitsgruppe, dass bei zwei Schulstandorten ein erkennbarer aber leistbarer Mehraufwand für die Schulleitung und die Lehrpersonen ausgewiesen sei und dass derzeit an beiden Standorten eine gute Schulqualität herrsche und genügend Räumlichkeiten vorhanden seien.

Offen blieb dagegen in der Arbeitsgruppe die Frage, ob und wie ein Schulbus geschaffen oder die Stundenpläne besser mit den Bus-Fahrplänen verzahnt werden sollen. Auch kein Übereinkommen konnte in der Frage erzielt werden, ob die geplante Wohnzone W3 in Etzgen mit dem Verlust der Schule im Ortsteil Investoren und vor allem Zuzüger findet oder eher nicht.

Qualität und Fusionsvertrag

In den Diskussionen und den abschliessenden Priorisierungen zeigte sich, dass weiterhin unterschiedliche Gewichtungen vorliegen. Die einen sind der Meinung, mit der Schliessung eines Schulstandortes werde der Ortsteil – und damit auch die Gemeinde – weniger attraktiv für Zuzüger. Andere verwiesen darauf, dass es bereits jetzt in drei von fünf Ortsteilen keine Schule mehr gebe. Hoch gewichtet wurden Schulqualität, Planungssicherheit und Konstanz.

Ob dies jedoch mit einem oder mit zwei Standorten besser zu gewährleisten sei, daran schieden sich die Geister. Viele Votanten forderten auch das Einhalten des Fusionsvertrags, in dem Etzgen und Wil als Schulstandorte festgehalten seien. Tagesstrukturen wurden grossmehrheitlich gewünscht, sollen aber freiwillig bleiben. Auch hier blieb aber offen, was das für die Anzahl der Schulstandorte bedeutet.