«Nach diesem Zeitungsartikel werden sich sicher wieder Leute bei mir melden und mir noch mehr Deckel anbieten», prophezeit Bettina Costa aus Rheinfelden. «Viel Massenware wird darunter sein, viel aus Deutschland wahrscheinlich.» Daran hat die 47-Jährige wenig Interesse. Sie spekuliert darauf, dass darunter die eine oder andere Rarität ist. So wie jüngst ein Deckel aus dem Libanon.

2001 war sie nicht so wählerisch. Damals fing alles an. Die aus Argentinien stammende Frau war gerade ein paar Wochen in der Schweiz. Mit Toni Scherrer, ihrem Ehemann (dieser sammelte Briefmarken), sass sie damals in der Hauptversammlung eines Sportvereins. Weil sie sich langweilte und sie nicht viel Deutsch verstand, begann sie, mit einem Bierdeckel zu spielen. Die Begeisterung war geweckt. In dieser Nacht legte sie mit vier Deckeln den Grundstein für ihre Sammlung.

Seit dieser Zeit dreht sich in ihrem Leben (fast) alles um die runden oder viereckigen Scheiben, die, wie sie inzwischen weiss, nicht nur aus dicker Pappe bestehen, sondern durchaus auch aus Kork, Plastik, Blech, Stein und Glas. Heute kann sie zu jedem ihrer Bierdeckel eine Geschichte erzählen. Wie er in ihren Besitz gelangt ist oder welche Brauerei sich darauf verewigt hat. Sie wurde Zeugin davon, unter welch abenteuerlichen Bedingungen diese mitunter Bier brauen. Sie hat gelernt, dass hinter einem schönen und kunstvollen Deckel nicht automatisch immer ein gutes Bier stehen muss, im Gegenteil.

Rund 30000 Bierdeckel nennt Bettina Costa heute ihr Eigen, aus 173 Ländern und von rund 4000 verschiedenen Brauereien. Die Sammlung ist in Kartons untergebracht, die sich in einem Abstellraum der Wohnung in Rheinfelden, die ganz in der Nähe der ehemaligen Salmen-Brauerei liegt, bis unter die Decke stapeln. Jeder Karton hat einen eigenen Code, damit die Sammlerin stets den Überblick behält. «Eigentlich schaue ich mir die Deckel im Original gar nicht mehr an», gesteht Bettina Costa. Ihre wahre Leidenschaft gilt schon lange der selbst gestalteten Webseite (www.coaster.ch), auf der die komplette Sammlung in digitaler Form vorliegt — jeder Deckel einzeln eingescannt und ins Internet gestellt. Hinter dem Fähnchen des jeweiligen Herkunftslandes steht die Anzahl der Deckel von dort. Aus Deutschland (6889) und der Schweiz (5968) hat sie am meisten. Aus Irak, Gabun und Martinique ist es jeweils gerade mal einer. Die Sammlung ist zwar gross, mengenmässig aber gibt es weitaus grössere. Was die Kollektion von Bettina Costa so einzigartig macht, ist die Zahl der exotischen Exemplare. Klasse statt Masse — das ist ihr Motto.

ein weiteres heisst: Verkauft wird nichts, nur getauscht. Die Exotik ihrer Sammlung lockt auch viele Interessenten an. Per E-Mail steht Bettina Costa mit Sammlern aus aller Welt in Kontakt. Aber diese müssen schon auch etwas springen lassen, damit sie ihre Schätze hergibt. Doch sie trifft Gleichgesinnte nicht nur im Netz, sondern auch von Angesicht zu Angesicht. So ist sie viel in ihrem Heimatland Argentinien unterwegs. Und wenn sie und Ehemann Toni zu Tauschbörsen ins europäische Ausland fahren, treffen sie eigentlich auch immer Bekannte, welche die Leidenschaft für Bierdeckel teilen. Aber so oft will Bettina Costa dort gar nicht hin. Schliesslich gibt es auch noch ein Leben ganz ohne Bierdeckel.