Stein
Berufspendler können nicht mehr in Quartieren parken

Eine Parkkarte für Einwohner und eine Gebührenpflicht auf allen Parkfeldern: Mit diesen Massnahmen will eine Arbeitsgruppe der Gemeinde das Parkplatzproblem in Stein anpacken.

Stefan Gyr
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Gemeindeammann Hansueli Bühler (l.) und Verkehrsplaner Stefan Ballmer stellen das neue Parkierungsreglement vor.

Gemeindeammann Hansueli Bühler (l.) und Verkehrsplaner Stefan Ballmer stellen das neue Parkierungsreglement vor.

stg

Dauerparkierer auf den Quartierstrassen und Autos, die auf der Suche nach einem Parkplatz durch die Quartiere kurven: Der Gemeinderat will mit einem neuen Parkierungsreglement Abhilfe schaffen.

Eine zwölfköpfige Arbeitsgruppe unter der Leitung von Vizeammann Walter Zumstein hat dafür in den vergangenen Wochen mit den Verkehrsplanern Ballmer + Partner einen Entwurf ausgearbeitet. Am Montag wurde er an einem öffentlichen Informationsabend vorgestellt. Rund 120 Steinerinnen und Steiner fanden sich zu dem Anlass im Saalbau ein.

Gang auf Verwaltung nötig

Das Ziel sei es, die Situation in den Quartieren zu beruhigen und den öffentlichen Verkehr und den Langsamverkehr zu fördern, erklärte Gemeindeammann Hansueli Bühler. Wie er betonte, sollen die Parkplätze im öffentlichen Raum in erster Linie dem Kurzzeitparkieren dienen und den Besuchern sowie der Kundschaft der Ladengeschäfte zur Verfügung stehen.

Dauerparkierer sollen künftig eine Parkkarte lösen. Das sind Automobilisten, die mehr als zweimal wöchentlich während mindestens vier Stunden ihren Wagen auf öffentlichen Strassen abstellen, wie Verkehrsplaner Stefan Ballmer erklärte.

Diese Parkkarten werden ausschliesslich an Einwohnerinnen und Einwohner abgegeben. Wer sie beziehen will, muss auf der Gemeindeverwaltung den Fahrzeugausweis vorzeigen und eine Gebühr entrichten. «So können wir sicherstellen, dass nur Steinerinnen und Steiner ihr Auto auf den öffentlichen Strassen parken», so Gemeindeammann Bühler.

Für einen Personenwagen schlägt die Arbeitsgruppe einen Ansatz von 50 Franken pro Monat und 500 Franken pro Jahr vor. Damit liege man deutlich unter den Mietpreisen für Parkplätze, sagte Ballmer. Dem Gemeinderat soll dabei die Kompetenz eingeräumt werden, die Beträge auf 150 beziehungsweise 1500 Franken zu erhöhen. Der Gemeinderat könne damit rasch handeln, wenn der Parkdruck steigen sollte, sagte Ballmer. Wer ohne diese Karte parkt, kann gebüsst werden.

Nach den Vorschlägen der Arbeitsgruppe sollen zudem künftig alle Parkplätze in Stein bewirtschaftet werden. Heute müssen einzig auf dem Saalbau-Parkplatz Gebühren bezahlt werden. Neu sollen auch auf den Parkplätzen Bustelbach, Adler-Kreuzung und Schönaustrasse Parkuhren aufgestellt werden.

Der vorgeschlagene Gebührenrahmen: 50 Rappen bis 2,50 Franken pro Stunde. Bühler: «Die Gebühren sind moderat für Kurzparkierer, steigen aber mit zunehmender Parkdauer progressiv an. So verhindern wir Dauerparkieren aus der Industrie und vom Park-and-Ride.» Der Gemeinderat soll die Möglichkeit haben, unterschiedliche Gebühren für die verschiedenen Parkplätze festzulegen.

5000 Franken Ersatzabgabe

Vorgesehen sind weiter richterliche Verbote auf den Parkplätzen beim Gemeindehaus, bei der Schule und beim Bauamt, eine Parkzeitbeschränkung beim Friedhof und ein Parkverbot beim alten Zoll. Für jeden nicht erstellten Pflichtparkplatz soll ausserdem eine Ersatzabgabe von 5000 Franken erhoben werden.

Die Vorschläge der Arbeitsgruppe werden jetzt in die Vernehmlassung bei den Einwohnern von Stein geschickt. Das Mitwirkungsverfahren dauert bis zum 10. März. «Wir wollen eine gute, ausgewogene Lösung für Stein erreichen, die in der Bevölkerung breit abgestützt ist», erklärte Bühler.

Voraussichtlich im Juni wird das neue Parkierungsreglement der Gemeindeversammlung unterbreitet. Damit könnte es zu Beginn des nächsten Jahres in Kraft treten.

In der Diskussion wurde vor allem die Frage aufgeworfen, wo Berufspendler künftig noch parken können. Man müsse Gegensteuer zur Verkehrszunahme geben, zumal das Sisslerfeld dereinst überbaut werden solle, sagte Ballmer.

Das Problem müsse auf verschiedenen Ebenen angegangen werden, zum Beispiel mit Carpooling und Busverbindungen. Die Gemeinde wolle auch ein Umdenken erreichen und die Leute zum Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel bewegen, erklärte Bühler. Über kurz oder lang ausgebaut wird laut Bühler die überlastete Park-and-Ride-Anlage beim Bahnhof.

Auch der Kanton und die SBB hätten das Problem erkannt. Wenn das Reglement eingeführt werde, müssten auch die Kontrollen verstärkt werden, sagte Bühler. Dabei könnten neben der Regionalpolizei auch private Dienste beigezogen werden.