Herznach

Berufsmaturanden vermessen Bergwerkstollen millimetergenau

Kevin Bucheli (l.) und Simon Deiss präsentieren im Bergwerkstollen ihr 3-D-Modell. Geri Hirt

Kevin Bucheli (l.) und Simon Deiss präsentieren im Bergwerkstollen ihr 3-D-Modell. Geri Hirt

Zwei Schüler haben für ihre Berufsmaturität rund 300 Meter des ehemaligen Bergwerkstollen in Herznach mit modernsten Methoden vermessen und ein 3-D-Modell erstellt.

Im Rahmen ihrer Berufsmatura haben Simon Deiss aus Herznach und Kevin Bucheli aus Wohlen den Eingangsbereich des Bergwerks Herznach mit neusten Methoden vermessen. Entstanden ist ein dreidimensionales Modell im Massstab 1:300.

«Für die Abschlussarbeit suchten wir etwas Aussergewöhnliches», sagt Simon Deiss, der nach der Maurerlehre eine Zweitausbildung mit Berufsmatura als Geomatiker absolviert. Als Herznacher war es für ihn naheliegend, das ehemalige Bergwerk als Übungsobjekt auszuwählen. In Kevin Bucheli fand er einen begeisterten Mitschüler. «Wir konnten nicht nur eine Schulaufgabe erledigen, sondern etwas Nützliches für die Praxis schaffen, das nachhaltig ist», ergänzt Kevin Bucheli.

Die beiden lagen insofern goldrichtig, als der Verein Eisen und Bergwerke (VEB), der sich für die Aufarbeitung der Geschichte dieses in der Nordwestschweiz einzigartigen Industriezeugen und den Ausbau zum Schaubergwerk einsetzt, an der Sicherung eines Teilbereichs des Hauptstollens arbeitete.

300 Meter Stollen vermessen

Ausgerüstet mit modernster Technik aus den Lehrbetrieben machten sich die beiden an die Vermessung des Stollens mit Schwergewicht Eingangsbereich, weil dort die entsprechenden Abschnitte in Bezug auf die Sicherheit keine grösseren Probleme darstellten. Mit einem Scanner wurde jeder Quadratzentimeter mit Millionen von Punkten vermessen.

Dadurch entstand ein feines Netz von Abermillionen von Messpunkten und eine enorme Datenmenge in der Grössenordnung von zehn Giga. Aus den rund 300 Meter vermessenen Stollengängen resultierte ein detailliertes digitales Modell im Massstab 1:300 mit exakter Darstellung des Stolleninnern. Diese Arbeit bildet die Grundlage für die weitere Vermessung des einst 32 Kilometer umfassenden Stollensystems.

Die Messdaten sind dem VEB, der das Projekt beratend unterstützt hat, zur Verfügung gestellt worden. Sie bildeten für Geologen und Ingenieure eine der vielen Grundlagen bei der Sicherung des Stollendaches. «Es ist eine wertvolle Arbeit, die wir für unser Projekt heranziehen konnten und deren Resultate auch in die noch folgenden Ausbauetappen einfliessen werden», sagt VEB-Präsident Stefan Schraner.

Gesteinsproben untersucht

Das PSI in Villigen stellte Labor und eine Fachkraft für die Untersuchung von Gesteinsproben zur Verfügung. «Ohne das grosszügige Entgegenkommen seitens des PSI hätten wir dies gar nicht machen können», erklärt Simon Deiss. So entstand eine abgerundete Arbeit, die den beiden Autoren zum Abschluss der Maturaarbeit die gute Note 5,5 eintrug.

Das Eisenbergwerk Herznach, das 1937 den Betrieb aufnahm und 30 Jahre später, also 1967, geschlossen wurde, begeht das Jubiläum mit drei besonderen Veranstaltungen. Die letzte in dieser Serie findet am Sonntag, 1. Oktober, statt. Ein Bautrupp in Kleidern und Ausrüstung wie vor 75 Jahren wird in den Stollen einmarschieren und die harte Handarbeit von damals demonstrieren.

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