Fricktal

Berufsbildungszentrum: Er kämpft mit der Region für den Erhalt ihrer Schule

«Man darf nicht einfach die Faust im Sack machen, sondern muss etwas tun»: Christoph Grenacher wehrt sich mit einer Petition gegen die Schliessung des BZF.

«Man darf nicht einfach die Faust im Sack machen, sondern muss etwas tun»: Christoph Grenacher wehrt sich mit einer Petition gegen die Schliessung des BZF.

Der Unternehmer Christoph Grenacher setzt sich mit einer Petition für den Erhalt des Berufsbildungszentrums ein – weitere 250 Unternehmer mit ihm. Mit seinem Einsatz will er den Unternehmen eine Stimme geben. Denn für ihn gilt: Gut ausgebildete Mitarbeiter sind der wertvollste Rohstoff der Region.

Einmal mehr: Das Fricktal steht zusammen und kämpft. Diesmal um den Erhalt des Berufsbildungszentrums Fricktal (BZF) in Rheinfelden. Dieses ist in Gefahr, denn der Kanton will die Sekundarstufe II, also die Berufsbildung, neu organisieren. Dazu hat er drei Standortkonzepte ausgearbeitet und in die Vernehmlassung geschickt. Nur in einem Szenario bleibt das BZF als eigenständige Berufsschule erhalten. Im zweiten wird es zum Aussenstandort der Berufsfachschule Gesundheit in Brugg und im dritten verschwindet es ganz.

«Das darf nicht sein», sagte sich Christoph Grenacher, Unternehmer aus Ittenthal, und lancierte vor einem Monat eine Petition zum Erhalt des BZF. Das Echo ist gross: 250 Unternehmer, vom Einmannbetrieb bis zum Grossunternehmer, haben seine Petition bislang unterschrieben und fordern die Regierung auf, sich für die Variante «Beta» zu entscheiden. In dieser bleibt das BZF als eigenständige Schule erhalten. Was Grenacher besonders freut: Die Unterschriften stammen aus dem ganzen Fricktal, «von Kaiseraugst bis Schwaderloch».
Grenacher, der lange Jahre Chefredaktor von grossen Zeitungstiteln war und seit zehn Jahren eine Kommunikationsagentur führt, ist mit dem Rücklauf sehr zufrieden. «Es zeigt, dass das Fricktal hinter dem Berufsbildungszentrum steht.»

Nicht im Bildungsbereich sparen


Anders als Herbert Lützelschwab, der mit seiner Petition vor eineinhalb Jahren wesentlich dazu beitrug, dass der Kanton den Beitrag an den Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) nicht strich, sammelt Grenacher die Unterschriften nicht auf der Strasse, sondern hat gezielt Gewerbetreibende und Unternehmen angeschrieben. «Ich will den Unternehmen eine Stimme geben. Sie sind direkt betroffen, denn sie sind auf gut ausgebildete Mitarbeiter und auf eine Berufsschule in der Nähe angewiesen.»

Politiker und Gemeinden hätten andere Möglichkeiten, sich Gehör zu verschaffen, sagt Grenacher. Wobei: «Ihre Stimme habe ich beim Kampf um den Erhalt des Berufsbildungszentrums bislang kaum wahrgenommen.» Er hofft, dass dies sich noch ändert, «denn die Ausgangslage für Rheinfelden ist nicht sehr ermutigend».

Grenacher nippt an seinem Espresso, redet sich in Fahrt. Er verstehe nicht, dass man ausgerechnet im Bildungsbereich sparen wolle. «Hier geht es doch um die Ressourcenschöpfung für die Zukunft.» Bildung sei der wertvollste Rohstoff, ist er überzeugt, «die Lehrlinge sind das Kapital der Zukunft».

Zudem: Das Fricktal sei im Kanton eine Randregion und habe schon keine Mittelschule. «Wenn nun auch noch das Berufsbildungszentrum geschlossen wird, geht ein weiterer Eckpfeiler der Standortfähigkeit verloren.» Das gefährde das Wachstum und das Unternehmertum der ganzen Region – einer Region, notabene, die zu den prosperierendsten im Kanton zählt.
Grenacher und Lützelschwab. Zwei Menschen. Zwei Anliegen. Ein Weg.

Beide eint das Motiv, weshalb sie aktiv wurden: «Man darf nicht einfach die Faust im Sack machen, sondern muss etwas tun», sagt Grenacher. Er versteht sein Engagement als «meinen Dienst an der Allgemeinheit». Ein Dienst, der einiges an Zeit erfordert. «Ich habe den Aufwand schon etwas unterschätzt», gesteht Grenacher, der erstmals eine Petition lanciert hat. Dennoch ist er froh, den Schritt gemacht zu haben. «Es ist eine gute Erfahrung.»

Die Petition wird er nach Ostern abschliessen und die gesammelten Unterschriften in Aarau dem Regierungsrat übergeben. Ob das Ergebnis ähnlich gut ausfallen wird wie beim TNW – hier setzte sich das Fricktal durch – kann Grenacher nicht abschätzen. Er wünscht es sich natürlich. «Ich hoffe, dass die Politik ein Sensorium für die Stimme der Unternehmer hat und das Zeichen ernst nimmt.»

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