Video-Reportage
Bergwerk Herznach: Wir wagten uns in den neu begehbaren Stollen – und noch etwas weiter

Nach Jahrzehnten ist ein Teil des Eisenerz-Bergwerks in Herznach wieder zugänglich. Rund 80 Meter Stollen sind gesichert – danach wird es abenteuerlich.

Simone Morger
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Es ist staubig, laut, dunkel, feucht und kalt. Staubig und laut, weil die beiden Arbeiter gerade daran sind, die letzten Bereiche des Stolleneingangs mit Spritzbeton und Armierungen zu sichern.

Kilometerlang bohren sich die Gänge am Herznacher Hübstel in den Untergrund. Hier haben Bergwerksarbeiter in den Jahren 1937 bis 1967 Eisenerz abgebaut (siehe Box unten).

Ab dem 3. September ist der Eingangsbereich des Hauptstollens für die Öffentlichkeit begehbar. Bis zur feierlichen Eröffnung sollte es auch hell und zumindest am Boden nicht mehr so feucht sein. Kühl wird es aber bleiben – konstant 13 Grad Celsius.

Auf 80 Metern können sich die Besucher künftig in den Stollen wagen. Zu verdanken ist das dem Verein Eisen und Bergwerke, der in der Region aktiv ist. Und es sich zum Ziel gemacht hat, «die Geschichte des Eisenerzabbaus im oberen Fricktal im Zusammenhang mit der Geologie und der Landschaft bewusster zu machen», wie es auf der Vereins-Webseite heisst. Das Bergwerk sei dabei «ein bedeutendes und faszinierendes Zeitfenster der Erdgeschichte».

Stollenplan des Bergwerks Herznach: Der neu begehbare Bereich («Stollenprojekt») ist nur ein Bruchteil des einstigen unterirdischen Abbaugebiets.

Stollenplan des Bergwerks Herznach: Der neu begehbare Bereich («Stollenprojekt») ist nur ein Bruchteil des einstigen unterirdischen Abbaugebiets.

Peter Diebold

Von den ursprünglichen Wänden und Decken sehen die Besucher aus Sicherheitsgründen nicht mehr viel. Ausser an jenen Stellen, wo etwa Versteinerungen oder Inschriften freigelegt worden sind.

Über die Sargdeckel

Dort, wo der begehbare Bereich aufhört, ist kurz vor der Eröffnung noch ein grosser, matschiger Tümpel.

Der Verein und das Stollenfest

Der 2004 gegründete Verein Eisen und Bergwerke (VEB) betreibt die Ausstellung beim Bergwerk Herznach und hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, das ehemalige Eisenbergwerk als bedeutender Industriezeuge der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Er zählt inzwischen rund 200 Mitglieder. Der VEB ist auch Organisator des Bergwerkfestes vom 3. und 4. September in Herznach rund den Eingangsstollen. Dieser wird feierlich eingeweiht, dazu gibt es Festbeizen, einen regionalen Markt, freie Fahrt mit der Bergwerkbahn oder einen Fossilien-Klopfplatz für Kinder. (az)

Mehr Informationen zu Verein, Fest und Bergwerk hier.

Stefan Schraner, Präsident des Vereins Eisen und Bergwerke, geht trotzdem weiter. Er kennt sich aus. Mit Gummistiefeln stapft er durch das Wasser und klettert auf der anderen Seite über das Geröll.

Es ist Gestein, das sich von der Decke gelöst hat. «Sargdeckel» nennt man in der Bergmannssprache diese Gesteinsmassen, die auch mal einen Arbeiter unter sich begraben.

160 Millionen alte Fossilien

Etwas unheimlich ist es schon. Aber die Neugier siegt. Und wird belohnt: Einige Meter weiter hinten kann Stefan Schraner die Ammoniten nur so aus den Steinen schlagen – hier wimmelt es von Fossilien.

Das ist denn auch der Wunsch der Vereinsmitglieder – dass die Besucher einst noch weiter in den Stollen vordringen können und dort entdecken können, was das Jurameer vor 160 Millionen Jahren in den Sedimentsgesteinen hinterlassen hat. Der Eingang ist erst der Anfang.

Bergwerk Herznach
19 Bilder
Die Bergwerkbahn ist wieder intakt.
Im Bergkwerk Herznach stehen Stefan Schraner (links) und Geri Hirt (rechts) mit den Schaufeln posierend. Sie sind beide im Vorstand des Vereins Eisen und Bergwerk.
Die Bergwerkbahn ist wieder intakt.
Blick auf Herznach von dem Aussenbereich des Silos.
Geri Hirt ist im Vorstand des Vereins Eisen und Bergwerk. Er ist unter anderem zustaendig fuer die Restaurierung des Bergwerks in Herznach.
Übersichtskarte des alten Bergwerks von Herznach.
Aussenaufnahme vom Bergwerk Silo Herznach.
Im Bergkwerk Herznach stehen Stefan Schraner (links) und Geri Hirt (rechts) mit den Schaufeln posierend. Sie sind beide im Vorstand des Vereins Eisen und Bergwerk.
Inschriften von Bergwerk Arbeiter.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten..
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.
Einblick in das Museum des Bergwerk Herznach. Es wurde 2013 eroeffnet und bietet eine grosse Ausstellung an Ammoniten.

Bergwerk Herznach

Mario Heller

Herznacher Erz und wie daraus Eisen wurde

Bei geologischen Untersuchungen stiess man 1919 oberhalb von Herznach in einem Steinbruch auf Eisenoolith. Im gleichen Jahr erteilte der Kanton Aargau der «Studiengesellschaft für die Nutzbarmachung schweizerischer Erdlagerstätten» die Konzession für ein Erzbergwerk bei Herznach.

1920 wurde ein Versuchsstollen angelegt. Weitere Untersuchungen ergaben zwischen Herznach und Wölflinswil einen abbauwürdigen Erzvorrat von rund 30 Millionen Tonnen mit einem Eisengerhalt zwischen 28 und 33 Prozent.

1937 nahm das Bergwerk seinen Betrieb auf. Die jährliche Fördermenge betrug im ersten Jahr 33 329 Tonnen Erz. Weil es in der Schweiz keinen Hochofen gab, wurde das Erz ins deutsche Ruhrgebiet verfrachtet und dort verhüttet.

Eisenerz gegen Stahl

1941 kam es zur Gründung der Jura-Bergwerke AG, die nun das Bergwerk betrieb. Hauptaktionärin war die Ludwig von Roll’schen Eisenwerke AG. Im gleichen Jahr förderten 139 Beschäftigte im Dreischichtbetrieb 211 783 Tonnen Erz. Dies war die grösste Abbaumenge in der Geschichte der Mine.

Anfänglich wurde das Erz auf Lastwagen zum Bahnhof Frick geführt. 1942 konnte der heute noch stehende Betonsilo mit einem Fassungsvermögen von 1000 Tonnen in Betrieb genommen werden. Vom Silo aus führte eine 4,2 Kilometer lange Seilbahn das Erz nach Frick, von dort gelangte es mit der Bahn nach Basel und mit dem Schiff ins Ruhrgebiet.

Für das nach Deutschland gelieferte Erz erhielt die Schweiz Rohstahl und andere dringend benötigte Güter. Somit spielte der Erzexport aus Herznach für die schweizerische Kriegswirtschaft eine wichtige Rolle. Die während des Krieges in der Schweiz geförderte Mengen an Eisen und Kohle deckten gegen 30 Prozent des Inlandbedarfs.

1967 kam das Aus

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Abbau praktisch zum Erliegen. 1946 kümmerten sich noch fünf Arbeiter hauptsächlich um den Unterhalt der Grubenanlagen. Bald setzte der Export nach Deutschland wieder ein; 1955 erreichten 36 Arbeiter mit 56 664 Tonnen die höchste Erzfördermenge der Nachkriegszeit.

Doch bald zeigte sich, dass die Transportkosten für den Export des Erzes mit seinem verhältnismässig niederen Eisengehalt zu hoch waren, um das Überleben des Bergwerkes zu garantieren. Auf dem Weltmarkt gab es besseres und billigeres Eisenerz. 1967 stellte die Jura-Bergwerke AG den Betrieb ein. In den 30 Betriebsjahren lieferte das Bergwerk Herznach 1,7 Millionen Tonnen Erz, ein Bruchteil der 30 Millionen, die möglich gewesen wären. (az)