Wenn es draussen sommerlich heiss ist, bietet der Stollen des Herznacher Bergwerks eine willkommene Abkühlung. Jahrein, jahraus beträgt die Temperatur hier nämlich 12 bis 14 Grad. Doch der Stollen bietet viel mehr als kühle Temperaturen: Er bietet Einblicke in ein Stück Schweizer Industriegeschichte. Eine Reise zurück in die Jahre 1937 bis 1967, als in Herznach Erz abgebaut wurde. Waren es im ersten Betriebsjahr noch gut 33 000 Tonnen, die zur Verhüttung ins Ruhrgebiet gebracht wurden, förderten die Arbeiter 1941 im Dreischichtbetrieb fast 212 000 Tonnen Erz. Nach dem Krieg wurde 1956 mit 56 664 Tonnen die höchste Fördermenge erreicht. Insgesamt war das verzweigte Stollensystem damals rund 32 Kilometer lang. Ein Grossteil der Stollen ist jedoch heute eingestürzt.

Meeresboden entdeckt

Die Reise in die Vergangenheit wird mit Bildern und Informationen untermalt – und sie führt sogar noch deutlich weiter zurück als nur bis 1937. Wie im Frühling bekannt wurde, wurde nämlich in einem Seitenstollen ein Stück versteinerter Meeresboden entdeckt (die AZ berichtete). Auf einer Fläche von 20 Quadratmetern liegen zahlreiche rund 165 Millionen Jahre alte Fossilien nahe zusammen. Es ist ein eigentlicher Ammoniten-Friedhof. «Dieser Fund ist einzigartig», betonen Stefan Schraner, Präsident des Vereins Eisen und Bergwerke (VEB), und sein Vize Geri Hirt unisono. Freiwillige des Vereins haben das Stück Meeresboden sorgfältig freigelegt und die Fossilien mit Feuerwehrschlauch und Bürsten sichtbar gemacht.

Die Freiwilligen des VEB sind es auch, die mit ihrem unermüdlichen Einsatz überhaupt erst ermöglicht haben, dass der Stollen heute für die Öffentlichkeit zugänglich ist. 2004 wurde der Verein gegründet und er machte es sich zum Ziel, die Geschichte des Eisenerzabbaus im oberen Fricktal und die Bedeutung der Eisenerzgewinnung für die umliegenden Gemeinden bewusster zu machen. Heute hat der Verein rund 200 Mitglieder, 30 bis 50 leisten regelmässig freiwillige Einsätze. «Wir haben einmal monatlich einen Arbeitstag», sagt Geri Hirt. So wurde seit 2004 der Eisenweg weiterentwickelt, ein Museum beim Bergwerk-Silo eingerichtet und die Bergwerkbahn verlängert.

100 Führungen im Sommer

Stets hatte der Verein jedoch das Ziel «Zurück in den Stollen» vor Augen. Vor knapp zwei Jahren war es dann so weit: Der 80 Meter lange Hauptstollen wurde für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auch hier war im Vorfeld viel «Fronarbeit» nötig. «Bis auf eine Höhe von 1,5 Metern war der Gang mit Gestein und Schlamm gefüllt», sagt Stefan Schraner. Geräumt wurde der Stollen durch die Vereinsmitglieder. Einzig für die Sicherung der Kaverne im Eingangsbereich mit armiertem Beton standen Fachleute im Einsatz. Die Kosten für die Stollenöffnung beliefen sich inklusive der Planungsarbeiten auf rund 250 000 Franken. Sie wurden hauptsächlich durch den Verein, Sponsoren und Spenden finanziert.

Die Arbeiten hätten sich gelohnt, bilanzieren Schraner und Hirt. «Von April bis Oktober kommen wir auf mehr als 100 Führungen», so Hirt. Auch die Führungen und die zugehörigen Fahrten mit der Bergwerkbahn werden von Freiwilligen durchgeführt. Von Kindergärtlern bis zum Seniorenverein, von Geologen bis zum Firmenausflug – das Interesse am Herznacher Bergwerksstollen ist breit. Auch spezielle Anlässe wie «Folklore im Stollen» mit Jodlern und Alphornbläsern oder «Arbeiten wie vor 70 Jahren» wurden im Bergwerk Herznach bereits durchgeführt.

Bahn soll verlängert werden

Nun planen die Verantwortlichen einen weiteren Ausbau. Die Bergwerkbahn soll bis an den Stollen heran oder sogar bis in den Stollen hinein verlängert werden. «Wir sind derzeit daran, das Baugesuch zu erarbeiten», so Geri Hirt. Ziel ist es, dass die Bahn beim Bergwerkfest Ende August 2019 bereits bis zum Stollen fährt. Zudem sollen weitere rund 50 Meter eines Seitenstollens geräumt werden. So könnte ein Rundgang erstellt werden, und der Seitenstollen würde sich als Veranstaltungsort eignen. «Er wäre dann unser Ballsaal», sagt Stefan Schraner mit einem Schmunzeln. Auch dieser Teil des Stollens müsste wohl von einer Spezialfirma gesichert werden. Ein Steg beim versteinerten Meeresboden wird ebenfalls diskutiert.

Die neuen Pläne kosten gemäss Schätzungen rund 630 000 Franken. «Wir haben bereits ein Gesuch beim Swisslos-Fonds eingereicht», sagt Hirt. Dieses deckt jedoch maximal die Hälfte der Kosten. «Daneben hoffen wir auf Unterstützung von Stiftungen oder Sponsoren.» Das Bergwerkfest, das in gut einem Jahr stattfindet, werde hoffentlich ebenfalls Gewinn abwerfen, so Hirt.