Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses macht das Tanken in der Schweiz unattraktiv – vor allem für Ausländer. Dadurch klafft in der Kasse des Bundes allein im Februar ein Loch von über 30 Millionen Franken, weil die Mineralsteuereinnahmen sinken. Dies berichtet die «NZZ». Auch im Fricktal wirkt sich die Frankenstärke negativ auf die Bilanz vieler Tankstellen aus.

Noch nicht all zu lange ist es her, da stauten sich vor der etwas versteckten Tankstelle der Energiedienst AG in Laufenburg die Autos. Als eine der billigsten Tankstelle in der Region war die Zapfsäule am Kraftwerk bekannt. Seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar hat sich hier das Bild geändert. «Die Schlange ist deutlich kürzer geworden», sagt Energiedienst-Mediensprecher Alexander Lennemann.

Nur hier ists noch billiger: An einer Tankstelle in Wollishofen (ZH) kostete der Liter Benzin am Donnerstag für kurze Zeit statt 1.50 Franken läppische 15 Rappen. Als eine Kundin sogar Pet-Falschen füllen will, wirds dem Tankstellen-Besitzer zu viel.

Nur das ist noch billiger: An einer Tankstelle in Wollishofen (ZH) kostete der Liter Benzin am Donnerstag für kurze Zeit statt 1.50 Franken läppische 15 Rappen. Als eine Kundin sogar Pet-Falschen füllen will, wirds dem Tankstellen-Besitzer zu viel.

50 Prozent Einbusse

«Vor allem die deutschen Kunden fehlen uns», sagt Hanspeter Müller, Filialleiter bei der Ernst Buser AG, welche die Avia-Tankstelle an der Zürcherstrasse in Stein betreibt. Die Schweizer hingegen würden erst im nahen Ausland tanken, wenn der Preis-Unterschied mehr als zehn Rappen ausmacht, sagt Müller. Aber auch so hat die Tankstelle noch immer 50 Prozent Einbussen zu verzeichnen.

Der Tankstelle an der Zürcherstrasse komme entgegen, dass viele Angestellte der Pharmakonzerne von ihren Arbeitgebern Reka-Checks erhalten, sagt Hanspeter. Diese können sie an der Avia-Tankstelle in Stein einlösen. «Das verhindert noch grössere Einbussen», sagt Müller. Auch passt die Tankstelle in Stein drei bis vier Mal in der Woche die Preise an. Dabei orientiert sie sich an den grossen Konkurrenten in der Umgebung. «Wir dürfen sicher nicht teurer, sondern müssen billiger sein als sie», sagt Hanspeter Müller.

Gar noch schlimmer sieht es in Laufenburg aus. Kurt Schärer von der Oil-Tankstelle in Laufenburg fällt es zunehmend schwer, die Hoffnung zu behalten. «Es läuft ganz schlecht», sagt er. Auf ein Drittel sei der Absatz mit dem Entscheid der Nationalbank zusammengebrochen. «Und erholt hat sich seither gar nichts», sagt Schärer. Mittlerweile macht er sich gar schon ernsthafte Gedanken über die Zukunft und allfällige Konsequenzen. «Mitte Juli ziehe ich eine Halbjahresbilanz, dann schaue ich weiter», sagt Schärer. Eine Option: den Shop in Laufenburg zu schliessen und die Tankstelle zur Selbstbedienung umzufunktionieren.

So dramatisch ist die Lage nicht bei allen Tankstellen. Marcus Hasler, Geschäftsleiter der Opel-Garage in Hellikon, versucht als Vertretung von Ruedi Rüssel, immer «drei bis vier Rappen günstiger zu sein als die grossen Ketten». Damit fährt er bis jetzt gut, die Einbussen seien klein bis nicht vorhanden, so Hasler.

Allerdings hat er dafür auch noch eine andere Begründung als den Preis: Mit ihrer Lage in Hellikon im Wegenstettertal ist die Tankstelle nicht direkt von ausländischen Kunden abhängig. «Das ist etwas anders, als in Stein oder Laufenburg. Bezüglich der Lage haben wir sicher einen Vorteil», sagt Hasler.

Abgelegene Lage ein Vorteil

Das bestätigt Martin Müller, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Landi Frila und Bereichsleiter Agrola. Die Tankstellen, die weiter von der Grenze entfernt liegen, seien tendenziell weniger von der Frankenstärke betroffen. In Rheinfelden sei der Einbruch am deutlichsten, sagt Müller. «Grundsätzlich kommt es auf die Pendlerwege an. Je näher an der Grenze eine Tankstelle liegt, desto mehr fehlen die Pendler.»

Immerhin: Die Umsätze im Detailhandel der Landi Frila seien stabil geblieben. «Auch, wenn sie nicht mehr tanken – ihr Znüni kaufen die Pendler trotzdem noch», sagt Müller. Vor einer vorschnellen Reaktion wolle man nun die weitere Entwicklung abwarten, was den Eurokurs betrifft. «Wir hoffen, dass er sich langfristig erholt», so Müller.

Hoffnung geben könnte ihm Jakob Müller von der Garage Jakob Müller in Etzgen – zumindest, was die Pendler angeht. Er hat eine Tankstelle in Etzgen verpachtet. «Kein deutsches Nummernschild» habe man da im Februar gesehen, sagt Müller. Mittlerweile habe sich das Ganze aber auf einem leicht tieferen Niveau eingependelt. «Viele Kunden haben im ersten Moment auf die Frankenstärke reagiert und sind jetzt wieder zur Gewohnheit zurückgekehrt», so Müller.