Auf das Klingeln – der Knopf dafür befindet sich zirka 20 Meter von der eigentlichen Haustür entfernt an einem Hofgatter – folgt ein mehrstimmiges Bellen. Die Vögel in den Volieren stimmen einen Pfeif-Schnatter-Wettkampf mit den Gänsen im Teichgehege an. Aus dem Stall ertönt ein Wiehern, auf der Weide blöken die Schafe, die Geissen meckern.

Der Kaister Tierlignadenhof befindet sich inmitten eines Einfamilienhausquartiers, das in den letzten Jahrzehnten an der Oberkaistenstrasse entstanden ist. Als der Bauernhof vor 200 Jahren errichtet wurde, gab es nicht viele direkte Nachbarn. Heute schon. Dass nicht alle die gleiche Begeisterung für Tiere aufbringen können wie die Betreiber und Helfer, versteht sich von selbst.

Sammlung gegen den Hof?

«Wir wissen das, versuchen auch, so gut es geht, Rücksicht zu nehmen», sagt Betreiberin Monika Spoerlé. Als kürzlich einige der Geissen ausgebüxt und von Nachbarn zurückgebracht worden sind – hier zeigt sich auch die gute Gesinnung gegenüber dem Hof – erfuhr die Kaisterin, dass angeblich eine Unterschriftensammlung gegen den Hof mit seinen rund 150 Tieren im Gange sei.

Auf Nachfrage der az bei einigen Nachbarn konnte das nicht bestätigt werden. Auch auf der Gemeindeverwaltung weiss man nichts von einer Unterschriftensammlung. Gleichwohl ist sich das Gnadenhof-Team bewusst, dass Geräusche, Gerüche – «Der Miststock zieht halt auch Fliegen an» (Monika Spoerlé) – und die nicht immer einfache Verkehrssituation rund um die Liegenschaft zu einem Ärgernis für die Nachbarschaft werden können.

Verkehrssituation ein Problem

Der Tierlignadenhof ist ein Publikumsmagnet. Um den Alltag mit den vielen Tieren – das geht vom Füttern, Pflegen, Reinigen der Ställe bis hin Tierarztbesuchen – bewältigen zu können, sind fixe Besucherzeiten, und dies auch nur nach telefonischer Absprache definiert. Gleichwohl gibt es kaum einen Tag, in dem nicht ein Tier abgegeben, ein Rat abgeholt oder schnell etwas vorbeigebracht wird. Das führt teilweise auch zu wildem Parkieren entlang der Strasse oder auf Privatplätzen der Nachbarn. «Obwohl Schilder angebracht sind, werden diese nicht von allen beachtet», so Stefanie Sutter, Stiftungsratspräsidentin. Sie und ihre Zwillingsschwester helfen schon viele Jahre intensiv auf dem Tierlignadenhof mit.

Wenn auch stets der Auftrag zum Wohl des Tieres für sie an oberster Stelle steht, so ist es ihnen wichtig, ein gutes Auskommen mit den Nachbarn zu haben. «Ich möchte nicht gehemmt sein, wenn ich für eine unserer Sachen bei den Leuten klingeln muss, um etwas zu fragen», sagt Stefanie Sutter. Solche Situationen gibt es immer wieder.

Aktuell, weil mehrere Katzen verschwunden sind und das Hof-Team bei der Suche nach den Samtpfoten auch auf die Beobachtungen der Nachbarn angewiesen ist.

Die Parkplatzsituation wird sich im kommenden Jahr ändern. «Wir haben von der Gemeinde die Auflage, Parkplätze zu realisieren», erklärt Stefanie Sutter. Sie rechnen damit, dass diese im Frühjahr 2016 realisiert werden können. Dazu die Stiftungsratspräsidentin: «Wir werden die Volieren entlang der Strassen abreissen und sie weiter hinten wieder aufbauen. Anstelle der Volieren kommen die Parkplätze.»

Gemeindeschreiber Manuel Corpataux bestätigt, dass die Bauvorhaben für den Bachdurchlass Leimgrund und die Oberkaistenstrasse im Laufe des nächsten Jahres ausgeführt werden sollen. «Geplant ist ein Baubeginn im Frühjahr 2016.» Derzeit liegt der Bachdurchlass noch öffentlich auf. Die Auflage des Bauprojekts Oberkaistenstrasse erfolgt nächstens.

Ruhe in der Harmonie

Wirklich ruhig wird es auf dem Tierlignadenhof mit Garantie auch nach Ausführung der Bauarbeiten und dem Bereitstellen der Parkplätze nicht werden. Die Aufgabe, heimatlosen, ausgesetzten, alten und auch kranken Tieren ein Zuhause auf Lebzeiten zu geben, ist ein 24-Stunden-Job, 7 Tage die Woche. Das und auch die vielen Besucher, welche die aussergewöhnliche Tiergemeinschaft sehen und erleben möchten, sorgen dafür, dass hier eine stete Betriebsamkeit herrscht. Für Monika Spoerlé ist die Stille und Ruhe immer wieder im Frieden der harmonisch zusammenlebenden Tiere zu finden.