Sulz

Beim Pfingstsprützlig landet die Laubgestalt mehrmals im Brunnen

Wie es der Brauch will, wurde beim traditionellen Anlass in Sulz nicht mit Wasser gespart. Auch in Gansingen musste der Sprützlig dran glauben und landete im kühlen Nass.

Schon im Wald oberhalb von Sulz ging es sehr lustig zu, als die drei Pfingstsprützlige hergerichtet wurden. Bündel um Bündel von Buchenlaubzweigen wurden von den Jugendlichen des Dorfes an sie angebunden, sodass aus ihnen recht unbeholfene Gesellen wurden. Obenauf noch zwei Fähnchen und ein Wiesenblumenstrauss und auf gings auf einem Anhänger liegend zum Ausgangspunkt der Brunnenwanderung.

Am Parkplatz Cheisacher Turm wurde der Eine bereits erwartet von Fahnenträgern, lautem Kuhglockengeläut, Blumenmädchen und natürlich jeder Menge Zuschauern. Auf seinem Umzug von Brunnen zu Brunnen musste die tapsige Laubgestalt an einer Holzstange von zwei Helfern geführt werden, 20 Kilogramm hingen schwer an ihm und sehen konnte er auch nichts.

Kleines Malheur im Brunnen

Im Oberdorf warteten vier Brunnen auf den Sprützlig, in denen das Wasser möglichst hoch aufgeschlagen werden sollte. Und das machte er mit seinen zwei Assistenten grossartig. Für die Gäste jedoch bedeutete das, sich das Gaudi aus respektvoller Entfernung anzuschauen. Je höher das Wasser spritzte, umso lauter das Läuten der Glocken und umso begeisterter der Beifall.

Am dritten Brunnen dann geschah das kleine Malheur, beim vollem Einsatz machte sich das Oberteil der Laubverkleidung des Pfingstsprützlig selbstständig. Für die geistergegenwärtigen Helfer kein Problem, flink schoben sie die Teile wieder zusammen, bevor das Geheimnis vorzeitig gelüftet wurde, wer im Laubkleid steckt. Sprützlig wie Helfer schlugen das Wasser in den vier Brunnen, was das Zeug nur hergab, stiegen selbst in die Brunnentröge, wurden natürlich tropfnass. Machte aber nichts bei dem herrlichen Wetter.

Nachdem vom Ober- bis zum Unterdorf alle Brunnen besucht waren, trafen sich die drei Sprützlige im sternenförmigen Umzug auf dem Sportplatz. Und sogar ein vierter Minisprützlig hatte sich dazugesellt, der in nichts seinen grossen Brüdern nachstand.

Wettstreit auf dem Sportplatz

Am Schluss stellten sich alle vier noch einem Wettstreit im extra herantransportierten Brunnen auf den Sportplatz. Wer spritzt die höchste Fontäne? Und wieder wurde alles gegeben, darum gab es auch nur Sieger. Dann endlich kam der Moment, als die Sprützlige aus ihrer Laubverhüllung stiegen und sich ihrem Publikum zeigten. Es waren Ramon Weiss, Joel Stäuble, Sven Benz und der 10-jährige Janis Stäuble. Ein Dorffest rundete den Tag ab.

Das Treiben des Pfingstsprützlig geht zurück auf einen alten Fruchtbarkeitsbrauch, der wahrscheinlich an vorchristliche Zeiten anknüpft. Er soll den Landwirten Regen zur rechten Zeit bringen und Trockenheit im Sommer vermeiden. Neben Sulz pflegt im Fricktal auch Gansingen diesen Brauch. Auch dort wurden am Wochenende die Sprützlige nass.

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