Jurapark Aargau
Beim Glögglifrosch zu Hause

«Beim Entdecken staunen die Kinder, die Erwachsenen lernen vom Staunen der Kinder.» Auch das ist Teil des neuen Pilotprojektes «parkstark» vom Jurapark Aargau.

Susanne Hörth
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In Schupfart erfahren die Schüler der 5. Klasse viel über den Lebensraum der Geburtshelferkröte.

In Schupfart erfahren die Schüler der 5. Klasse viel über den Lebensraum der Geburtshelferkröte.

zvg

Das sechs Monate dauernde Pilotprojekt, das in dieser Woche mit einer von fünf Schulklassen in der Fricktaler Parkgemeinde Schupfart in den praktischen Exkursionsteil gestartet ist, hat insbesondere zum Ziel, das Band Natur-Kind wieder zu stärken und das Bewusstsein der Mädchen und Buben für die Umwelt jetzt wie auch für die Zukunft zu sensibilisieren. Mit diesem Projekt nehmen die Verantwortlichen zudem ihren Auftrag «Umweltbildung durch den Jurapark» ein weiteres Mal wahr.

Grundlage für andere Pärke

«parkstark» wurde gemeinsam mit der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz und dem Jurapark Aargau ins Leben gerufen. Anhand des Projektes, bei dem sich fünf Mittelstufenklassen aus Schupfart, Frick, Zeiningen und Effingen beteiligen, soll ein Beispiel für eine Lernumgebung erarbeitet werden, die danach auch weiteren Schweizer Pärken als Grundlage zur Erarbeitung von lehrplankonformen Modulen dienen kann.

«Wir haben uns für das Pilotprojekt für ein Artenförderungs-Thema aus dem Jurapark entschieden. Den Glögglifrosch», so Lea Reusser, Projektleiterin Umweltbildung & Natur beim Jurapark. Sie führt weiter aus, dass die teilnehmenden Klassen in insgesamt 30 Lektionen – 20 davon im Schulzimmer, 10 in Exkursionen – viel Wissenswertes zum Glögglifrosch und seinem Lebensraum erfahren. Die Lektionen im Schulzimmer werden von der pädagogischen Hochschule zuhanden der Lehrer vorbereitet.

Insgesamt drei Exkursionen finden während des halbjährigen «parkstark»-Projektes statt. Sicher die ersten beiden werden von Fachfrau Lea Reusser begleitet. Vom ersten Anlass in Schupfart zeigt sie sich vollends zufrieden. Bereits im Schulzimmer hatten die Mädchen und Buben ein erstes Wissen über den Frosch mit seinem speziellen Übernamen – er verdankt diesen seinem Glöggliklang ähnelnden Ruf – erfahren. So etwa über den Metamorphose-Prozess – vom Laich zur Kaulquappe und dann zum Frosch.

Bei der ersten Exkursion beim Weiher im Gebiet Schönebüel in Schupfart erfuhren die Kinder, wie wichtig neben dem Vorhandensein des Gewässers auch die Umgebung für den Glögglifrosch ist. Ist er doch einer, der sich viel auf Land aufhält. Speziell an dieser Amphibienart ist, dass das Weibchen den Laich nicht in ein Gewässer ablegt.

Gleich nach der Paarung befestigt das Männchen die Eier an seinen Hinterbeinen. Es trägt sie solange mit sich herum, bis die darin wachsenden Kaulquappen zum Schlüpfen – das geschieht selbstverständlich im Wasser – bereit sind. Diese besondere Art der Nachwuchsaustragung beschert dem Frosch, der eigentlich eine Kröte ist, seinen wirklichen Namen: Geburtshelferkröte.

Lebensraum und Nahrungskette

Zwar bekamen die Kinder am Dienstag in Schupfart weder den Glöggliruf zu hören noch ein Exemplar der Geburtshelferkröte zu sehen. Dennoch erfuhren sie bei ihren Erkundungsgängen doch einiges über die Kröte und ihren Lebensraum. Unter anderem, dass die Geburtshelferkröte Wärme schätzt. Und die findet sie beispielsweise in Trockensteinmauern. Beim genaueren Hinschauen entdeckten die Schüler in diesen Mauern neben zwei Erdkröten auch noch andere Lebewesen wie Insekten und Käfer. Damit ging es auch über zur Nahrungskette, die im Überleben eines jeden Tieres eine wichtige Rolle spielt.

Bei der zweiten Exkursion, die Ende Mai stattfindet, werden die Schüler erfahren, wie sich der Lebensraum für den Glögglifrosch im Laufe der letzten Jahrzehnte verändert hat. Dazu gehört auch die Bewirtschaftung des Landes durch die Bauern. Welche Folgen hat die intensive Landwirtschaft, was kann heute mit der nötigen Naturbegeisterung für den Artenerhalt gemacht werden? Darauf und auf vieles weitere gibt es an der zweiten Exkursion Antworten. Bei ihrem letzten Einsatz gilt es für die Mädchen und Buben, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. Sie werden im Juni einen Naturschutzeinsatz für den Glögglifrosch leisten.

Und wer weiss, vielleicht kann schon bald einmal einer der teilnehmenden Schüler bei Vernehmen des Glögglirufes stolz sagen: «Diese Kröte kenne ich. Ich weiss, was sie und ihre Artgenossen brauchen, damit es sie weiterhin gibt.»

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