Haarwachs, Müsli, Tee – seit einer Woche bietet Stevens Senn, Inhaber der Pure Productions AG, legale Hanfprodukte über seinen Online-Shop an. Die Nachfrage an den THC-armen Produkten ist gross. Bei der Abwicklung des Online-Handels muss Senn jedoch auf die grossen Kreditkartenanbieter Visa und Mastercard verzichten. Dies daher, weil die beiden amerikanischen Firmen auf das in den USA geltende Recht setzen.

Dass die beiden Grosskonzerne sich weigern, seine Hanf-Produkte abzurechnen und sämtliche CBD-Produkte auf eine Blacklist gesetzt haben, tangiert Senn kaum: «Die Kunden können bei uns Bestellungen bis zu 100 Franken auf Rechnung bezahlen. Über 100 Franken per Vorauskasse.» Kundenanfragen nach anderen Zahlungsmöglichkeiten habe es noch keine gegeben.

Pay-Pal wurde entfernt

Einerseits findet es der Hanf-Produzent schade, dass die beiden Unternehmen ihm die Abwicklung via Kreditkartententransfer nicht erlauben: «Wir vertreiben schliesslich Produkte, die alle vom Bundesamt für Gesundheit zugelassen sind.» Andererseits kann er die Argumentation nachvollziehen: «Für Visa und Mastercard wäre es ein gewaltiger Aufwand, wenn sie für jedes Land zunächst abklären müssten, ob und für welche Hanf-Produkte der Handel erlaubt ist.» Weil Senn davon ausgeht, dass auch demnächst Pay-Pal – ebenfalls mit Firmensitz in den USA – sich weigern wird, THC-haltige Produkte abzurechnen, hat er das Online-Bezahlungssystem gestern aus seinem Online-Shop entfernt.

Doch nicht nur die beiden Kreditkartenfirmen, sondern auch andere US-Konzerne wollen mit den legalen, THC-armen Produkten nichts zu tun haben: So erzählt Senn von einem Bekannten, der von Facebook eine Werbekampagne für 2000 Franken erstellen liess: «Nach der Bezahlung wurde die Werbekampagne nach wenigen Tagen von Facebook wieder gelöscht», sagt Senn, der die schwammige Richtlinien-Umsetzung des Unternehmens bemängelt.

Undurchsichtiges Vorgehen

Ebenso undurchsichtig findet Senn das Vorgehen von Google: «Wir wollten dort eine Anzeige schalten. Man hat uns aber erklärt, dass unsere CBD-Produkte gegen die ethischen Richtlinien des Unternehmens verstossen würden.» Gibt man jedoch den Suchbegriff «CBD» in die Suchmaske von Google ein, findet man gleich auf der ersten Seite drei Anzeigen von Online-Shops, die für ihre Hanf-Produkte werben.

Anfragen von Kunden nach Marihuana, um sich zu berauschen, habe Senn bisher noch keine erhalten. Dies liegt unter anderem auch daran, dass Senn für Bauarbeiten auf seiner Plantage auf die Handwerker im Dorf zurückgreift: «Sie reden natürlich am Stammtisch auch über meinen Betrieb. So hat sich im Dorf sehr schnell herumgesprochen, dass ich nichts Illegales mache und nur THC-armen Hanf produziere», sagt er. Zudem ist er bemüht, den Besuchern aufzuzeigen, zu welchen vielfältigen Zwecken – ausser zur Berauschung – Hanf verwendet werden kann. «Wenn mich einer nach Marihuana zum Rauchen fragen würde, dann ist er bei mir an der falschen Adresse», sagt Senn.