Prozess

Beim Expertenstreit wegen kranken Fischen kam es zur Eskalation

Eine zweijährige Bachforelle. (Symbolbild)

Eine zweijährige Bachforelle. (Symbolbild)

Zwei Forscher wollen kranken Fischen helfen – und landen nach Experimenten vor Gericht. Wie ein Streit mit dem Kanton ausarten konnte.

Ein pflanzliches Mittel gegen Fischerkrankungen – das ist es, was zwei Wissenschafter eines Aargauer Forschungsinstituts suchen. Mit ihren Experimenten wollen sie der Umwelt Gutes tun – sollen ihr dabei allerdings geschadet haben. Das jedenfalls findet die zuständige kantonale Stelle und zeigt die Forscher an. Nun sitzen sie vor dem Bezirksgericht Laufenburg, nebeneinander am gleichen Tisch, an ihrer Seite der gemeinsame Anwalt.

Der Vorwurf: Sie haben nach Experimenten mit Forellen Wasser mit krankheitserregenden Organismen ohne Bewilligung ins Abwasser geleitet und damit die Umwelt gefährdet. Stimmt nicht, sagen die Beschuldigten. Zu keinem Zeitpunkt sei kontaminiertes Wasser abgelassen worden.

Vielmehr sei dieses zuvor unschädlich gemacht worden: Werde die Flüssigkeit ausreichend lange stehen gelassen, würden die Sporen absterben. Ihr Verteidiger sagt über seine Mandanten: «Sie sind ausgewiesene Fachleute und verstehen ihr Handwerk.»

Dem Gerichtsprozess vorangegangen war ein Streit zwischen der zuständigen Abteilung Umwelt des Kantons Aargau und dem Forschungsinstitut. Die Kantonsmitarbeiter teilten den Beschuldigten per Mail mit, dass sie die Abwasser nach dem Experiment auf keinen Fall unbehandelt entsorgen dürfen. Sie warnten davor, dass die Sporen mehrere Tage überlebensfähig seien und auch Kläranlagen passieren könnten. Die Sporen der Krankheit werden im Wasser übertragen.

Die angesteckten Fische leiden unter schwerem Pilzbefall, der meist zum Tod führt. Ein Jahr nach der Ermahnung erkundigten sich die Verantwortlichen der Abteilung Umwelt nach dem Stand der Experimente. Dabei erfuhren sie, dass diese bereits durchgeführt worden sind – ohne vorgängig eine Bewilligung einzuholen, ohne die kontaminierte Flüssigkeit nachträglich speziell zu behandeln. Die Folgen: Strafanzeige gegen die Forscher, Befragungen durch Spezialisten der Kantonspolizei, Prozess.

Fachleute auf beiden Seiten

Der Verteidiger sagt dazu vor Gericht: «Ein wissenschaftlicher Streit, der sich um die Gefährlichkeit des Erregers dreht. Fachleute auf der einen Seite, Fachleute auf der anderen Seite.» Er spricht von einem «hochkomplexen Sachverhalt», versichert aber, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung für die Umwelt bestanden habe. Für seine beiden Mandanten fordert der Verteidiger einen Freispruch in allen Punkten.

Seinem Plädoyer lauschen die Wissenschafter in identischer Pose mit gefalteten Händen und aufgestütztem Kopf. Um ihren Job müssten die beiden Biologen auch bei einer Verurteilung nicht fürchten, antworten sie auf eine entsprechende Frage des Gerichtspräsidenten. Und ihr Ruf als Forscher? «Ich glaube, die Reputation würde darunter nicht leiden», sagt einer der Beschuldigten.

Die Forschung am Heilmittel für kranke Fische läuft im Labor trotz dem Gerichtsverfahren weiter. «Wir haben ein äusserst vielversprechendes Pflanzenextrakt gefunden», kündigen die Wissenschafter an. Wann dieses marktreif sein wird, steht noch nicht fest. Auf Nachfrage des Gerichtspräsidenten schätzt einer der Wissenschafter die noch benötigte Zeit auf fünf Jahre.

Das Interesse am Pflanzenextrakt sei gross. Denn: «Weltweit gibt es einen Behandlungsnotstand.» Beide Beschuldigte betonten vor Gericht, dass für die künftige Forschungsarbeit eine Einigung mit dem Kanton wichtig sei. Ein Schritt in diese Richtung ist bereits gemacht: Am Forschungsinstitut soll eine Anlage installiert werden, die kontaminiertes Wasser künftig mithilfe von UV-Licht von sämtlichen Krankheitserregern befreien soll.

Den Prozess vermochte diese Massnahme nicht mehr abzuwenden. Die Staatsanwaltschaft beantragt bedingte Geldstrafen (30 Tagessätze à 140 bzw. 120 Franken) sowie Bussen von 1500 bzw. 1400 Franken. Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

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