Dieser Fund hat sogar die Archäologinnen und Archäologen überrascht. Seit dem Abschluss der Ausgrabung beim Bolingerhaus in Kaiseraugst Ende April begleitet ein Team der Kantonsarchäologie Aargau noch Werkleitungsarbeiten im näheren Umfeld. Dabei stiess man im Mai auf bisher unbekannte Reste der Kastellmauer sowie das Fundament eines Turmes des «Castrum Rauracense». Das heisst es in einer Mitteilung der Kantonsarchäologie. Der Turm war demnach einst Bestandteil des Osttores der Befestigungsanlage aus der Spätantike.

Grenzübergang gesichert

Das Kastell von Kaiseraugst, von dem noch weite Teile bis heute oberirdisch sichtbar sind, ist ein Kulturerbe von internationaler Bedeutung, gehört es doch «zu den am besten erhaltenen spätantiken Festungsbauten nördlich der Alpen», wie es in der Mitteilung weiter heisst. Das Kastell prägt das Ortsbild von Kaiseraugst bis zum heutigen Tag. Deshalb stehen auch seine Baureste unter Bundesschutz und kantonalem Denkmalschutz.

Erbaut zwischen 290 und 300 nach Christus im Rahmen des umfassenden Grenzschutzprogramms des römischen Kaisers Diokletian, sicherte das Castrum den strategisch wichtigen Rheinübergang bei Kaiseraugst. Militärangehörige und Zivilbevölkerung lebten im Schutz der Festung. Das Kastell wurde um 351 von Germanen zerstört und später von den Römern wieder aufgebaut.

Kaum erforscht

Während im Westen und Süden der Verlauf der Mauer aufgrund der guten Erhaltung bekannt ist, war die archäologische Situation im Bereich der durch das Bauvorhaben tangierten Ostflanke des Kastells kaum erforscht. «Deshalb war es auch für die Archäologinnen und Archäologen überraschend, als die Kastellmauer und das Turmfundament unmittelbar unter dem Asphalt zum Vorschein kamen», schreibt die Kantonsarchäologie weiter. Dank der Zusammenarbeit mit der Bauherrschaft und der Gemeinde sei es gelungen, eine alternative Leitungsführung seitlich der Mauer entlang und über die Turmfundamente hinweg zu realisieren. Die archäologischen Hinterlassenschaften würden durch die Werkleitungssanierung nicht beeinträchtigt. «So bleibt das einzigartige Kulturerbe in Kaiseraugst unversehrt erhalten.» (az)