Laufenburg
«Bei Endlagern geht es vor allem um die Sicherheit»

An der 12. Regionalkonferenz Jura Ost informierten in der Stadthalle Laufenburg Experten über die Risiken von geologischen Tiefenlagern.

Peter Schütz
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«Es gibt gestaffelte Sicherheitsbarrieren»: Simon Löw in Laufenburg.

«Es gibt gestaffelte Sicherheitsbarrieren»: Simon Löw in Laufenburg.

Peter Schütz

An der 12. Regionalkonferenz Jura Ost in der Laufenburger Stadthalle hatten die Experten das Wort. Philip Birkhäuser, Projektleiter Seismik bei der Nagra, berichtete über die Ergebnisse von Untersuchungen in der Nordschweiz aus den Jahren 2011 und 2012. Danach ging Professor Dr. Simon Löw von der ETH Zürich und Präsident der Expertengruppe Geologische Tiefenlagerung (EGT) auf die bautechnischen Risiken sowie die Sicherheit von geologischen Tiefenlagern in der Nordschweiz ein.

2015 erste Vorschläge

Die Referate erfolgten am selben Tag, an dem das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) in einem Schreiben an das Bundesamt für Energie (BFE) bestätigt hat, dass die Nagra die Themen der 41 Ensi-Forderungen aus dem Jahr 2011 ausreichend behandelt hat. Die Nagra kann deshalb ihre geologischen Untersuchungen für Etappe 2 des Auswahlverfahrens für geologische Tiefenlager abschliessen. «Der geologische Kenntnisstand ist ausreichend, damit die Nagra ihre Vorschläge für mindestens zwei Standorte pro Lagertyp (Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle sowie Lager für hoch radioaktive Abfälle) beim BFE einreichen kann», heisst es in einer Medienmitteilung vom BFE. Mit der Bekanntgabe der Vorschläge sei Anfang 2015 zu rechnen.

In seinem Referat in der Laufenburger Stadthalle ging Seismologe Philip Birkhäuser detailliert ein auf das, was sich in bis zu einem Kilometer tiefen Gesteinsschichten unter unseren Füssen tut. Die von Oktober 2011 bis März 2012 durchgeführten seismischen Untersuchungen in den vorgeschlagenen Standortgebieten Südranden, Nördlich Lägern, Jura Ost und Jura-Südfuss hatten zum Ziel, geologische Informationen für den Sicherheitsvergleich zu erbringen.

Das Ergebnis ist bekannt: Die beiden geologischen Standortgebiete Nördlich Lägern und Jura Ost sind sowohl für die Lagerung von schwach- und mittelaktiven Abfällen als auch für jene von hochaktiven Abfällen geeignet. Birkhäuser peilt jetzt für die Bewertung der Standorte eine sogenannte 3-D-Seismik an – ein Verfahren, mit dem die ermittelten Daten räumlich abgebildet werden können. In der Diskussion mit Konferenzteilnehmern bezeichnete Birkhäuser den Opalinuston als mögliches Wirtgestein für Tiefenlager als «eine sehr gut abdichtende Schicht». Über Grundwasserströme konnte er hingegen keine Angaben machen.

Bau für Sicherheit wichtig

Bei aller Exaktheit der geologischen Untersuchungen: Es kann trotzdem immer etwas schiefgehen. Zwar sind Bau, Betrieb und Verschluss eines Tiefenlagers im zeitlichen Vergleich zur Entstehung der Gesteinsschichten sehr kurz, «aber hinsichtlich der Risiken sehr wichtig», sagte Löw. Die tektonischen Verhältnisse in allen möglichen Standortgebieten seien gut bekannt, so Löw, mögliche Gefahren müssen jedoch beachtet werden. Dazu zählte er Tagbrüche, Versagen der Tunnelbrust, Wassereinbrüche, Auftreten von Gas, Stabilitätsprobleme aufgrund von tektonischen Brüchen, druckhaftes Gebirge oder quellendes Gebirge.

Gestaffelte Sicherheitsbarrieren

Aus diesen Gefährdungsbildern werden mögliche Risiken abgeleitet – auch aus Erfahrungen von Tunnelbauten. «Es gibt Massnahmen zur Risikominderung», berichtete Löw. Die seien zwar «aufwendig und teuer, aber bei einem Endlager geht es hauptsächlich um die Sicherheit». Die Risiken durch Ausdehnung und Wasserzirkulation könnten zum Beispiel mit Spritzbeton reduziert werden. Klar war für ihn: Eine grosse Tiefenlage unterstütze den Schutz vor langfristiger Erosion, erzeuge aber gleichzeitig eine grosse Ausdehnung der Auflockerungszone (Beeinträchtigung des Tongesteins beim Ausbruch eines Stollens).

Diese negativen Auswirkungen nehmen mit zunehmender Tiefe des Endlagers zu, können aber mit Gegenmassnahmen eingedämmt werden. Den Vorwurf von Hans-Eugen Tritschler, es sei fahrlässig, auf nur ein Bauwerk anstatt – zwecks Risikominderung – auf zwei zu setzen, wies Löw zurück. «Es gibt gestaffelte Sicherheitsbarrieren», erklärte er, «man braucht die Abfälle nicht auf zwei Standorte zu verteilen.»