Wittnau
Bei diesem Festival verwandelt sich das Schulzimmer in ein Filmstudio

Primarschüler drehen einen Film über die Geschichte des Gotthards – und siegen am Lernfilmfestival gleich doppelt.

Mira Güntert
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Die Veranstalter interviewten die Schüler an der Prämierung im Planetarium in Luzern.

Die Veranstalter interviewten die Schüler an der Prämierung im Planetarium in Luzern.

Mahler Silvan;zvg;

«Vor langer Zeit war es äusserst gefährlich, den Gotthard zu überqueren, weil es durch die riskante Schöllenenschlucht ging», hört man eine Mädchenstimme sagen, während sich eine Animation aus Papier und anderen Bastelmaterialien zu einem imposanten Berg formt. Es ist eine der ersten Szenen, die im Film «Mythos Gotthard» einer Wittnauer Primarschulklasse zu sehen sind.

Der Animationsfilm der vierten bis sechsten Klasse B von Lehrer Daniel Jeseneg war der grosse Abräumer an der Prämierung des diesjährigen Lernfilmfestivals in Luzern. Neben dem Sieg in der Kategorie Primarschule gewann die dreiminütige Sequenz auch den Publikumspreis.

Der Gotthard als Semesterthema

Der Weg auf die Bühne des Planetariums im Verkehrshaus in Luzern, wo die 15 Kinder mit ihrem Lehrer ausgezeichnet wurden, begann schon vor über einem halben Jahr. Im letzten Sommer nahm die Klasse den Gotthard als Semesterthema auf. «Wir behandelten die Mobilität am Gotthard im Verlauf der Zeit im Realienunterricht», sagt Jeseneg. Von der mittelalterlichen Säumerei bis zum Jahrhundertbauwerk, dem Gotthard-Basistunnel.

Fast 300 Klassen

Zum sechsten Mal veranstaltete Lernetz – eine Organisation, die mit verschiedenen Projekten das medienbasierte Lernen fördern will – das Lernfilmfestival in Luzern. Fast 300 Schulklassen reichten in drei Kategorien (1. bis 6. Klasse, 7. bis 9. Klasse und 10. bis 12. Klasse) ihre Filme ein. Eine Jury prämierte die einzelnen Gewinner und zeichnete diese im Planetarium des Verkehrshauses aus. Zudem wurde von den Zuschauern einem Film der Publikumspreis verliehen.

«Die Kinder wurden ans Thema herangeführt und wurden bis zu den Herbstferien zu Experten», sagt Jeseneg. Da er eine Filmausbildung absolviert hat, konnte er den Kindern nun das Handwerk der Filmproduktion aus erster Hand beibringen.

«Zuerst ging es darum, sich die Animationstechniken anzueignen», sagt Jeseneg. Die Kinder teilten sich danach in Gruppen auf. Jede war für eine Epoche zuständig. Noch vor Weihnachten ging es dann ans Fotografieren. In Filmboxen lichteten die Kinder alle gebastelten Szenen in grosser Fleissarbeit ab, sodass schliesslich im Film zwölf Fotos pro Sekunde zu sehen sind.

Der Unterricht rund um den Film wurde fächerübergreifend durchgeführt. Deutsch wurde mit dem Schreiben des Drehbuchs integriert, Bildnerisches Gestalten mit dem Basteln der Kulissen und Mathematik mit dem Berechnen der einzelnen Szenen, die in die Zeitvorgabe passen mussten.

Dass es die Klasse mit ihrem Film gleich zu zwei Preisen gebracht hat, freut nicht nur den Klassenlehrer. «Für Primarschüler ist so etwas das Grösste. Es war nicht nur der Sieg, sondern der ganze Tag, den wir im Verkehrshaus verbrachten», sagt Jeseneg. Die Kinder hätten sich wie kleine Filmstars gefühlt, als sie auf der Bühne von den Veranstaltern interviewt wurden.

Sogar Bundesrätin Doris Leuthard gratulierte der Klasse in einem E-Mail. Nur etwas fand die Verkehrs- und Umweltpolitikerin nicht so gelungen: Die Idee der Schüler am Schluss des Films, den Gotthard zu sprengen, «damit es noch schneller vom Norden in den Süden geht».

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