Rheinfelden
Bei Barbara Böhme hält der Zug direkt vor der Haustüre

Für viele ist der Bahnhof ein Ort des Ein- und Aussteigens, für einzelne hingegen ist es ein Ort des steten Seins. Barbara Böhme tut das, was sich nur wenige vorstellen können: Sie lebt im Bahnhofshäuschen Rheinfelden, direkt über der Schalterhalle.

Sandra Bös
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Barbara Böhme auf der Terrasse ihrer Bahnhofswohnung. sbö

Barbara Böhme auf der Terrasse ihrer Bahnhofswohnung. sbö

Vor 18 Jahren wurde Barbara Böhme von der SBB angefragt, ob sie in die 6-Zimmer-Wohnung im Bahnhof einziehen möchte. Zuvor wohnte hier noch der Vorstand der SBB, doch als dessen Stelle abgeschafft wurde, suchte man einen neuen Mieter für die riesige Wohnung.

«Damals arbeitete ich als Rottenköchin für den Bahndienst. Als ich angefragt wurde, war ich gerade frisch mit meinem zweiten Ehemann zusammen. Es traf sich wirklich gut, da wir sowieso auf der Suche nach einer grösseren Wohnung waren», erzählt die 67-Jährige.

Inzwischen lebt die Rentnerin allein in der grossen Wohnung. Hier fühlt sie sich gut. Gemeinsam mit ihren beiden Katzen Mike und Nina geniesst sie den Ausblick von der grossen Terrasse.

«Ich denke, dass fast keinem bewusst ist, dass hier jemand wohnt. Als ich damals von der Terrasse aus noch die Veloständer im Blick hatte, konnte ich nachts immer wieder beobachten, wie Jugendliche versuchten, Fahrräder zu klauen.

Ich habe mir einen Spass daraus gemacht, sie mit lauten Ausrufen zu erschrecken und zu sehen, wie sie zusammenzuckten und nicht wussten, woher die Rufe kommen», erinnert sich Barbara Böhme und muss lachen. Auch die vielen Züge, die immer wieder vorbei fahren, hört sie schon lange nicht mehr.

Signaltöne für Blinde noch hörbar

Einzig die lauten Signaltöne, die für Blinde ertönen, wenn die Zugtüren aufgehen, hört sie noch. «Das stört milch aber auch nicht weiter» so die Rentnerin.

Mit den Angestellten der SBB pflege sie guten Kontakt. Ab und an werde sie von ihnen gefragt, ob sie mit ihnen die Mittagspause verbringen wolle. «Das mache ich natürlich sehr gerne.»

Ausserdem hätten die SBB-Mitarbeiter, falls ihr etwas zustossen sollte, einen Schlüssel zu ihrer Wohnung, was ihr ein angenehmes Sicherheitsgefühl gebe.

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