Wegenstetten / Wittnau
Begeisterte Kinder und vom Bully präparierte Pisten: Im Fricktal war der Andrang der Schneefans gross

Die Schweiz hat einen Winterbeinbrich mit Schneemassen zu verzeichnen wie seit 15 Jahren nicht mehr. Unfälle, umgestürzte Bäume, gesperrte Strassen und Einsatzkräfte im Dauereinsatz. Die weisse Pracht lockt am Wochenende andererseits viele Schnee- und Bewegungshungrige in die Natur. Der Wunsch nach körperlicher Betätigung liess die Corona bedingt angemahnte Zurückhaltung in den Hintergrund treten. So auch am Samstag am Skilift Föhrlimatt in Wegenstetten.

Hrvoje Miloslavic
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Viele Fahrzeuge blieben im tiefen und rutschigen Schnee liegen.
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Familien hatten am Wochenende am Hang in Wegenstetten am Schlitteln ihre Freude.
Timo Septinus und Luisa schlittelten am Hang in Wegenstetten.
Reger Betrieb herrschte am Samstag am Skilift Föhrlimatt in Wegenstetten.
Um Fahrzeuge aus dem Schnee zu bekommen, musste oft die Schaufel her.
Reger Betrieb herrschte am Samstag am Skilift Föhrlimatt in Wegenstetten
Stefan Tuchschmid und Monika Hediger genossen den Spaziergang auf dem Bifangwäg in Wittnau.
Besonders jüngere Spaziergänger unternahmen gerne Ausflüge in den Tiefschnee.
Die Buschbergkapelle in Wittnau im winterlichen Gewand.
Baum am Martinsweg in Wittnau.
Wegekreuz am Martinsweg in Wittnau.

Viele Fahrzeuge blieben im tiefen und rutschigen Schnee liegen.

Hrvoje Miloslavic

In Betrieb war der Skilift nicht. Das gesetzlich vorgeschriebene Corona-Schutzkonzept des Liftbetreibers, des Spiel- und Turnvereines (STV) Wegenstetten, liegt derzeit noch beim Kanton zur Genehmigung. Immerhin hatte der STV seine Ankündigung wahr gemacht und den Skihang mit einem Pistenbully präpariert. Sehr zur Freude der zahlreichen Besucher mit Kindern, die sich am Samstagnachmittag mit ihren Schlitten am Skihang tummelten.

Gute Stimmung und ein bisschen Kritik

Ein hohes Besucher- und Verkehrsaufkommen, Unmengen von Schnee, eine schmale und vereiste Strasse sowie ungenügend vorhandene Parkmöglichkeiten – das Verkehrschaos ließ am Skilift Föhrlimatt nicht lange auf sich warten. Während die Kinder am Schlitteln ihre Freude hatten, waren so manche Eltern damit beschäftigt, Schnee zu schaufeln, Schneeketten anzulegen oder festsitzende Fahrzeuge anzuschieben. An gegenseitiger Rücksichtnahme mangelte es nicht, und gegenseitige Hilfe wurde gerne geboten.

Die Stimmung war und blieb gut. Das angedeutete Chaos liess aber auch leichte Kritik laut werden. «Ich wäre ja nicht hier hochgefahren, wenn ich das gewusst hätte», erklärte etwa Teresa Aktepe im Gespräch mit der Aargauer Zeitung. So hätte sich die Baslerin etwa Hinweisschilder zu fehlenden Wende- und Parkmöglichkeiten oder eine Fußwegebeschilderung gewünscht. Letztlich blieb sie aber gelassen: «So viel Schnee wie seit Jahren nicht mehr – natürlich wollen das jetzt alle geniessen.»

Dank Mund-zu-Mund-Propaganda dabei

Ein Genuss, dem auch Corona an diesem Nachmittag keinen Abbruch tat. Das erste Mal am Lift in Wegenstetten war Timo Septinus, der mit seiner siebenjährigen Tochter Luise schlittelte. Er habe durch Mund-zu-Mund-Propaganda von der Aktion in Wegenstetten gehört. Ihm gefalle das sehr gut. Beschränkungen wegen Corona seien natürlich gegeben. «Das wichtigste ist, mit den gegebenen Möglichkeiten das Beste daraus zu machen», sagte Timo Septinus.

Für Gelassenheit plädierte auch Barbara Martin. Die Wegenstetterin unternahm mit ihrem Tibet-Terrier Muffin einen Spaziergang und betrachtet das bunte Treiben am Skilift. Hier im Freien sei es wenigstens möglich, die Abstandsregeln einzuhalten, gab sie zu bedenken. Sie bedauerte, dass die Skihütte mit dem «gemütlichen» Schankbetrieb nicht mehr öffnen darf und der Betreiber die Kosten für den Liftunterhalt nicht decken kann. Was die Corona-Massnahme angeht, plädiert die Wegenstetter Seniorin für eine konsequente Linie. «Lieber strenger, und dafür kürzer», sagte sie.

Aber auch abseits der Menschenansammlungen suchten am Wochenende die Menschen die Nähe zur winterlichen Natur. Monika Hediger und Stefan Tuchschmid hatten sich den einsam gelegenen, verschneiten Bifangwäg nahe der Buschbergkapelle in Wittnau ausgesucht. Dem starken Wintereinbruch konnte das Paar aus Gelterkinden viel Gutes abgewinnen. Die vielen Corona bedingten Probleme und Einschränkungen seien das Eine, sagt Monika Hediger. «Mit dem Schnee und der schönen Winterlandschaft bietet der Himmel den Menschen aber eine schöne Entschädigung», fügte sie hinzu.