Es ist ein trauriges Bild: Dutzende Holzstämme sind neben dem Forstwerkhof in Möhlin aufgeschichtet, daneben liegt ein Berg mit Ästen und Baumkronen. Es ist Käferholz, das in den vergangenen Wochen in einer sogenannten Zwangsnutzung aus dem Möhliner Forst geholt werden musste. Grund ist der Borkenkäfer. «Unsere Befürchtungen sind voll eingetroffen – wir haben Schäden in einem unglaublichen Ausmass», sagt Urs Steck, Abteilungsleiter Wald und Landschaft in Möhlin.

2000 Kubikmeter Holz mussten bisher aus dem Wald geschafft werden. Steck rechnet damit, dass in den nächsten Tagen noch einmal mindestens 1000 Kubikmeter dazukommen. «Das ist mehr als die halbe Jahresnutzung», sagt Steck.

In anderen Forstgebieten im Fricktal sieht es ähnlich aus. Im Forstbetrieb Rheinfelden-Magden-Wallbach etwa sind dem Borkenkäfer in den letzten Wochen rund 3500 Kubikmeter Holz zum Opfer gefallen. Derzeit laufe ein Kontrollgang, sagt Forstbetriebsleiter Bruno Staudacher. Ziel ist es, möglichst alle befallenen Bäume aus dem Wald zu schaffen. Auch in Kaisten werden heute die Maschinen auffahren. Gegen 1000 Kubikmeter Holz müssen hier laut Förster Oliver Eichenberger gefällt werden.

Kaum Abnehmer

Die Förster nennen zwei Hauptgründe für die starke Ausbreitung des Schädlings in diesem Jahr. Zum einen den Wintersturm «Burglind», der Anfang Jahr viele Bäume beschädigte und dadurch schwächte – ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Zum anderen die lange Trockenperiode diesen Sommer und die ebenfalls eher trockenen Vorjahre. Gerade die Fichten befinden sich dadurch im Trockenstress, was sie anfälliger für Schädlinge macht.

Schon im Sommer zeichnete sich daher ein weiteres Problem für die Forstbetriebe ab: Die Sägereien sind mit Sturmholz ausgelastet, für das Käferholz sind kaum Abnehmer zu finden – und wenn, dann nur zu einem niedrigen Preis. Weil in der Schweiz der Absatz fehlt, hat sich Eichenberger gar entschlossen, einen Teil des Holzes nach Italien und Österreich zu exportieren. «Schweren Herzens», wie er sagt. Ähnlich tönt es in Möhlin und Rheinfelden. Dort wird das Käferholz derzeit ausserhalb des Waldes gelagert und teilweise der energetischen Nutzung zugeführt. Will heissen: Es wird zu Hackschnitzeln verarbeitet und verbrannt. «Das tut weh, aber es bleibt uns fast nichts anderes übrig», sagt Steck.

«Katastrophe» im Frühling?

Immerhin finanziell kriegen die Forstbetriebe nun Unterstützung. Der Kanton Aargau hat vor kurzem beschlossen, die intensive Überwachung des Waldes sowie den Abtransport des befallenen Holzes mit Beiträgen zu unterstützen. «Das hilft bei der Deckung unseres Mehraufwands», sagt Bruno Staudacher.

Die kommenden Monate dürften temperaturbedingt nun etwas ruhiger werden. Der «Buchdrucker» – die im Moment aktivste Borkenkäfer-Art – schwärmt meist erst ab Mitte April wieder aus den Winterquartieren aus. Trotzdem gibt es auch für das kommende Jahr bereits Befürchtungen. Denn: Die Kälte verhindert im Winter zwar den Käferflug, schadet dem Schädling selber allerdings nicht.

«Ältere Larven, Puppen und Käfer können auch lange Kälteperioden ohne grosse Verluste überstehen», sagt Urs Steck. Den Förstern bleibt deshalb nur eine Hoffnung: ein möglichst nasser Frühling. Dann würde die Käferpopulation durch Pilzbefall eingedämmt. «Wird der nächste Frühling aber wie der letzte – nämlich warm und trocken –, dann droht im nächsten Jahre die noch grössere Katastrophe», so Steck.