Frick

Bedürfnis nach Ökumene

Gelebte Ökumene fördert rege Diskussion – Vertreter der römisch-katholischen und der reformierten Kirche Frick mit Wolfgang Müller (2. v. r.).

Gelebte Ökumene fördert rege Diskussion – Vertreter der römisch-katholischen und der reformierten Kirche Frick mit Wolfgang Müller (2. v. r.).

Ein Vortrag des Leiters des Ökumenischen Institutes an der Universität Luzern, Wolfgang Müller, gab in Frick Einblicke in Vergangenheit und Zukunft der Ökumene.

Im Rahmen des 300-Jahr-Jubiläums lud die römisch-katholische Kirche Frick zu einem Diskussionsabend zum Thema «Unsere Zukunft ist ökumenisch – oder?» ein. Zu Gast war mit Wolfgang Müller ein profunder Kenner der Materie.

Die Entwicklung der konfessionellen Ausprägung kennt man seit frühester Zeit und die Ost- und Westkirche haben sich eine eigene Mentalität aufgebaut. Ein Fortschritt aus ökumenischer Sicht ist laut Wolfgang Müller, dass man «die Anderen» nicht mehr als «Mindere» ansieht.

Er stellte während seines Vortrages anschaulich die geschichtliche Entwicklung der Ökumene dar und es zeigte sich früh, dass der ökumenische Gedanke immer wieder überdeckt wurde von der politischen Situation. Doch es fanden stets neue Bestrebungen und Zusammenkünfte für das ökumenische Miteinander statt.

Gemeinsame Vergangenheit

Einen grossen Paradigmenwechsel gab es mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) und dem Beschluss, dass das Ziel der Ökumene das Streben nach Einheit sei. Mit der Charta Oecumenica (2001) legten die Kirchen Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit unter den Kirchen in Europa fest mit dem Ziel, das ökumenische Miteinander zu intensivieren, indem sie gemeinsame Regeln für die Praxis verfassten.

Doch in den Formulierungen zeigt sich, dass man nur einen Minimalkonsens gemacht hat. Wolfgang Müller betonte, dass die Konfessionen sich bislang durch Abgrenzung definiert haben, aber Abgrenzung ist nicht ökumenisch. Natürlich sei ein Teil des religiösen Lebens, in einer Tradition beheimatet zu sein. Man wechselt seine Religion nicht so einfach wie seine Kleidung.

Aber er gibt zu bedenken, dass man Abgrenzung auch als Verständigung verstehen muss, denn blickt man zurück, haben alle Kirchen ihren Ursprung in Christus und eine lange gemeinsame Vergangenheit. Für ein verständnisvolles Miteinander ist das Suchen und Leben des Gemeinsamen ein Ziel, wobei das Eigene durchaus bestehen bleibt.

In den Ausführungen des Referenten und in der anschliessenden Diskussion wurde deutlich, dass von der Basis her ein grosses Bedürfnis vorhanden ist, auf ökumenischem Wege weiterzugehen. Doch oft verhindern die institutionellen Vorgaben eine Umsetzung. Aber es gibt durchaus Mittel, vor Ort ökumenische Begegnungen zu ermöglichen. Wolfgang Müller verwies dabei auf die «Lima-Liturgie», die auf der LimaErklärung (1982) des Ökumenischen Rates der Kirchen beruht. Sie gibt eine Anleitung, das Abendmahl bewusst ökumenisch zu feiern.

Fazit des Abends: Die Zukunft wird ökumenisch sein, denn wir haben viele Aufgaben, die nur gemeinsam gestemmt werden können und wichtig ist es, die Ökumene dort zu leben, wo sie gewünscht wird. Ganz praktisch und nicht theoretisch.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1