88 Prozent der Bauzonen der 213 Gemeinden im Aargau sind überbaut. Nur in neun Gemeinden des Kantons umfasst das überbaute Bauland weniger als 75 Prozent der gesamten Bauzone. Dies zeigte die az gestern mit der Auswertung der Bauzonenstatistik. Mit Münchwilen, Obermumpf und Sisseln finden sich gleich drei dieser neun Gemeinden im Fricktal – Stein liegt mit 75,5 Prozent nur knapp über diesem Schwellenwert. Auffällig ist dabei auch die geografische Lage: Die vier Gemeinden grenzen aneinander an. Damit drängt sich die Frage auf, ob ein gemeindeübergreifender geografischer Faktor existiert, der das Phänomen der überdurchschnittlich vorhanden Baulandreserven erklären kann.

Sisslerfeld beeinflusst die Statistik

«Ja», sagt Bernhard Fischer, Sektionsleiter der Abteilung Raumentwicklung des Kantons Aargau, und führt die Industriebrache Sisslerfeld, die sich auf die Gemeinden Sisseln, Eiken, Münchwilen und Stein verteilt, als geografischen Erklärungsfaktor an: «Die freien Bauzonen im Sisslerfeld liegen in einem Entwicklungsschwerpunkt von kantonalem Interesse und werden nach und nach für den industriellen Ausbau genutzt», erklärt Fischer. Gleichzeitig würden jedoch auch diese Industriezonen in die Statistik der ungenutzten Bauzonen der entsprechenden Gemeinden fliessen. «Diese grossen, noch ungenutzten Industriezonen können gerade bei kleinflächigen Gemeinden die Statistik der Bauzonenauslastung stark beeinflussen», erklärt Fischer.

In Münchwilen kommt noch ein weiterer Grund für den hohen Anteil ungenutzter Baulandreserven hinzu: «Wir haben relativ viele Einfamilienhausquartiere, die sich im Familienbesitz befinden und mit viel Land rundherum ausgestattet sind. Auf diesen Freiflächen haben die Hausbesitzer aber keinen Anreiz zu bauen», sagt Gemeindeammann Will Schürch, der dies jedoch mit Gelassenheit sieht: «Wir wollen nichts forcieren», sagt er und fügt hinzu, dass Münchwilen vor drei bis vier Jahren durch mehrere Überbauungen einen Bevölkerungszuwachs von rund 150 Personen generiert habe. Von 76,5 Hektaren Bauland sind mit 49,8 Hektaren derzeit nur 65,1 Prozent überbaut.

Dahinter befindet sich nur noch Sisseln mit 59,2 Prozent genutzter Baufläche. Grund dafür ist, dass 61,9 Prozent der Baufläche eine Industriezone einnimmt. Damit haben die beiden Fricktaler Gemeinden die geringste Bauzonenauslastung im Aargau. In der gestrigen Ausgabe waren dies noch Full-Reuenthal und Hallwil, weil Sisseln und Münchwilen in der Auswertung der Bauzonenstatistik übersehen wurden.

Am wenigsten überbaute Gemeinden

Am stärksten überbaute Gemeinden

Einzig für Obermumpf greift das Sisslerfeld als Erklärungsfaktor nicht. Hier hat die Ursache eine andere Natur, wie Gemeindeschreiber Marco Treier erklärt: «Wir haben einen der ältesten Zonenpläne im ganzen Kanton.» Die Gemeinde befände sich deshalb in den Anfängen einer Zonenplanrevision, da sich viele Flächen, die damals einer Bauzone zugewiesen wurden, nicht für eine Überbauung eigneten. Von 39 Hektaren Bauland sind mit 28,8 Hektaren derzeit nur 73,8 Prozent überbaut.