Jurapark Aargau

Bauern zwischen Huhn und Ei: Zuletzt zählt die Finanzierung

Thomas Vetter, Präsident Jurapark Aargau, präsentierte diese Woche in Biberstein die neue Hinweistafel zum Erlebniswanderweg an der Gisliflue. Kel

Thomas Vetter, Präsident Jurapark Aargau, präsentierte diese Woche in Biberstein die neue Hinweistafel zum Erlebniswanderweg an der Gisliflue. Kel

Landwirte sollen Projekte planen, um 2015 Landschaftsqualitätsbeiträge zu erhalten – ohne zu wissen, ob die Gemeinden diese auch finanzieren.

Eigentlich hätten die Jurapark-Verantwortlichen nur die Massnahmen vorstellen wollen, mit denen Landwirte künftig Landschaftsqualitätsbeiträge (Kontext) einnehmen können. Über 120 Landwirte und Gemeindevertreter aus den Jurapark-Gemeinden waren dafür nach Gipf-Oberfrick gekommen – und rasch wurde klar, was sie an diesem Informationsabend wirklich beschäftigte: Nicht die möglichen Massnahmen für Landschaftsqualitätsbeiträge, sondern die Finanzierung der Projekte, die zu einem Teil bei den Gemeinden liegt.

Niedrige Einstiegskriterien

Einen über 20-seitigen Katalog mit verschiedenen Massnahmen hat die Landschaftskommission des Juraparks ausgearbeitet. Die Landschaftsqualitätsbeiträge sind ein Ersatz für frühere Allgemeinzahlungen. Das Grundziel: Die Qualität der Kulturlandschaft zu erhalten und zu fördern. Zur Auswahl stehen Dutzende Massnahmen. Um Landschaftsqualitätsbeiträge zu erhalten, müssen Betriebe drei davon umsetzen, auch bereits bestehende Objekte zählen.

Die Einstiegskriterien seien bewusst nieder, sagte Landschaftsarchitekt Victor Condrau. «Wir wollen niemandem Steine in den Weg legen. Schliesslich kommen die Massnahmen hauptsächlich zum Tragen, wenn möglichst viele Landwirte mitmachen.» Für die Projekte werden Verträge mit einer Laufzeit von acht Jahren abgeschlossen. Einnahmen von jährlich 4000 bis 15 000 Franken seien so möglich, rechnete Condrau vor.

Sportlicher Zeitplan

Im September werde der Jurapark Aargau den ausgearbeiteten Massnahmenkatalog beim Kanton einreichen, sagte Jurapark-Geschäftsleiterin Christine Neff zum Zeitplan. Folgt im Frühling die Bewilligung des Bundesamts für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) könnten die Landwirte im November 2015 die Landschaftsqualitätsbeiträge erhalten.

Auf welch wackligen Beinen diese Umsetzung steht, zeigte sich in der abschliessenden Diskussion. Drei Hüte habe sie an, sagte Kathrin Hasler. Sie ist Landwirtin, Grossrätin und Gemeindeammann von Hellikon – einer finanzschwachen Gemeinde, wie sie betonte. 100 000 Franken würden die Beiträge Hellikon kosten. Es sei «nur schwer vorstellbar», dass das an einer Gemeindeversammlung bewilligt würde, so Hasler. «Wenn meine Gemeinde nicht mitmacht, kann ich jetzt nach Hause gehen und vergessen, was gesagt wurde», erwiderte darauf ein Landwirt. Ob er jetzt etwa die Gemeinderäte anrufen und lobbyieren müsse?

Besorgte Landwirte

«Es ist wie die Diskussion mit dem Huhn und dem Ei», sagte Christine Neff. Die Landwirte stünden vor einer schwierigen Frage: Sollen sie ein Projekt planen, ohne zu wissen, ob die Gemeinde die Beiträge finanziert? «Ein unschönes Szenario» wäre es, wenn ein Landwirt ein Projekt starten wollte, aber nicht dürfte, weil die Gemeinde nicht mitmacht, sagt Neff. Sie betonte, dass die Steuereinnahmen die Ausgaben für die Beiträge ausgleichen würden.

Beim Kanton sei die Tür für eine Finanzierung ausserdem noch nicht zu: Eine Motion fordert, dass statt der Gemeinden der Kanton die Beiträge mitfinanzieren soll. «Zumindest bis das Geschäft behandelt ist, müssen die Gemeinden einspringen – sonst fehlt den Landwirten das Geld», so Neff.

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