«Rettet die jungen Wildtiere» ist die neue Aktion der Stiftung Wildtiere Aargau. «Jährlich erliegen 1500 Rehkitze dem Tod durch Vermähen. Und die Dunkelziffer ist vermutlich gross», sagte der Stiftungsrat Roland Hunziker am Freitag in Herznach.

Dort trafen sich Landwirte, Tierschützer, Naturschützer und Jäger, um zu zeigen, wie diese Zahl gesenkt werden kann. Sie demonstrierten, wie mit einem Hund ein Feld vor dem Mähen abgesucht wird, mit welchen reflektierenden Mitteln ein Feld verblendet werden kann und was ausser Rehkitzen noch so alles in einer Naturwiese lebt.

«Die kostengünstigste Variante ist das Verblenden. Der Bauer kann den Jäger anrufen oder auch selber alte, weisse Leintücher aufhängen, oder einen alten Düngersack. Etwas teurer geht es mit Baulampen oder speziellen Ballonen», erklärt Roland Hunziker. Den Rehen ist das Blenden unangenehm und sie holen ihre Kitze aus dem Feld heraus.

Schwierig zu erschnüffeln

Auch mit dem Hund das Feld abzugehen, ist eine Option. Das demonstrierte der Jäger Thomas Laube mit seiner Hündin Angi. Doch die elf-jährige Hündin hat keinen einfachen Job. «Junge Rehkitze haben noch keine Ausdünstung und sind deswegen schwierig zu riechen», sagt Roland Hunziker.

Am Freitag Nachmittag fand Angi kein Rehkitz, denn die Wiese, die zur Demonstration zur Verfügung stand, wurde im Voraus bereits verblendet. Man habe laut Thomas Laube aber klar sehen können, wo zuvor noch Rehkitze lagen.

Rund 1500 Tiere sterben jedes Jahr auf Schweizer Feldern wegen den Mähmaschinen. Die Stiftung Wildtier Aargau wirken dem nun gemeinsam mit Bauern und Jägern entgegen.

Der Beitrag von TeleM1

Ein Rehkitz verfügt in seinen ersten drei Lebenswochen über kein Fluchtverhalten. Anstatt wegzurennen, duckt es sich im Gras und erstarrt vor Angst. Deshalb muss vor dem Mähen gehandelt werden. Alois Huber vom Aargauer Bauernverband sagt: «Beim Mähen sehen wir das Kitz nicht im Gras liegen.» Auf der Maschine sitze man zu weit weg vom Feld.

Neben Rehkitzen, fallen auch kleinere Tiere den Mähmaschinen zum Opfer. Eine Wiese bietet für Insekten ein optimales zu Hause. Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura, schwingt zur Veranschaulichung ein Insektennetz durch die Wiese. Bereits nach einer Minute ist es gut gefüllt mit Wanzen, Spinnen, Bienen, Wespen, Heuschrecken und anderem Getier. «Sie sind die Nahrung für Eidechsen.» Diese sind dann wiederum ein weiteres Opfer der Mähmaschinen.

Finanzielle Motivation

«Kein Bauer will ein Kitz vermähen. Wenn es doch passiert, tut das wahnsinnig weh», sagt Alois Huber. Umso mehr schätze er die angenehme Zusammenarbeit mit den Jägern, die präventive Massnahmen unterstützen. «Wenn wir einen Weg finden, zusammenzuarbeiten, können wir sehr viel erreichen.»

Die Bauern werden finanziell dafür entschädigt, dass sie ein Feld tierfreundlich mähen. Wie das geht, führte der Bauer Arno Wernle vor. Alle paar Meter liess er einen Rückzugsstreifen ungemäht stehen. Ebenfalls ist es wichtig, dass er nicht zu tief schneidet.

«Grosse Mähmaschinen saugen das Gras ein. Wenn sie zu tief schneiden, haben kleinere Tiere wie Eidechsen oder Blindschleichen keine Chance, diesem Sog zu entkommen», erklärt Johannes Jenny.