Wegenstetten
Bauer-Power von exotischen Bäuerinnen im Fricktal

Sie stammen aus unterschiedlichen Kulturen und arbeiten auf verschiedenen Kontinenten – und doch haben sie vieles gemeinsam: Bäuerinnen traten auf dem Wegenstetter Gründelematthof in einen internationalen Dialog.

Hans Christof Wagner
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Auf dem Gründelematthof in Wegenstetten präsentiert Dorcas Ndigueroim, hier im Gespräch mit einer Besucherin, landwirtschaftliche Produkte aus dem Tschad. – Foto: hcw

Auf dem Gründelematthof in Wegenstetten präsentiert Dorcas Ndigueroim, hier im Gespräch mit einer Besucherin, landwirtschaftliche Produkte aus dem Tschad. – Foto: hcw

Ob in der Schweiz, in Kolumbien oder Myanmar – ohne Frauen geht in der Landwirtschaft gar nichts. Das nahmen die mehr als 50 Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung von Swissaid als bleibenden Eindruck mit nach Hause. Denn Bäuerinnen bilden das Rückgrat einer familiär betriebenen Produktion von Lebensmitteln, wie sie bis heute prägend ist. «Zwei Milliarden Hektaren landwirtschaftlicher Fläche weltweit werden von einer Milliarde bäuerlicher Betriebe bewirtschaftet», rechnete Maya Graf vor, Grüne Nationalrätin und selbst Mitbetreiberin eines Biohofes in Sissach BL. Entsprechend gering sind die jeweiligen Produktionsflächen – im Schnitt nur je rund zwei Hektare.

Übersetzung ins Spanische durch Dolmetscherin Margrit Pfister (links), daneben Martha Pinto Senejoa und Yaini Contreras Jiménez.
12 Bilder
Schweiz trifft auf Myanmar, von links Helen, Stefan und Jasmin Schreiber hören San Wai aus Myanmar zu, Renate Zauner (rechts) übersetzt.
Rundgang durch den Gründelematthof in Wegenstetten
Jasmin Schreiber (links) führt die Besucher auf dem Hof herum
Mehr als 50 Besucher auf dem Hof von Stefan Schreiber (links), der seinen Bio-Betrieb erläuterte
Landwirtschaftliche Produkte aus dem Tschad präsentierte Dorcas Ndigueroim
Maya Graf, Nationalrätin der Grünen und Mitbetreiberin eines Biohofes in Sissach BL plädiert für die Umstellung auf Bio.
Dorcas Ndigueroim aus dem Tschad in Wegenstetten
Aufmerksame Zuhörer auf dem Gründelematthof in Wegenstetten, von links Dorcas Ndigueroim (Tschad), Lar Mya Mee (Myanmar), San Wai (Myanmar) und Dolmetscherin Renate Zauner.
Die ganz jungen Kälber wohnen bei den Schreibers in so genannten Iglus
Diese Produkte stammen aus dem Tschad (Afrika)
Der Pferdestall auf dem Gründelematthof ist hell und geräumig

Übersetzung ins Spanische durch Dolmetscherin Margrit Pfister (links), daneben Martha Pinto Senejoa und Yaini Contreras Jiménez.

Hans Christof Wagner

Noch weniger bewirtschaften die Bäuerinnen, die derzeit durch die Schweiz touren und am Wochenende in Wegenstetten Station machten: Lar Mya Mee aus Myanmar und ihre Familie nennen einen 0,8-Hektaren-Hof im Norden des südostasiatischen Landes ihr Eigen. Ähnlich klein sind die Betriebe von Martha Pinto Senejoa und Yaini Contreras Jiménez aus Kolumbien. Sie benutzen Kompost als Dünger und Pflanzen zur Schädlingsbekämpfung. Sie arbeiten mit der Hand, weil sie sich keine Maschinen leisten können. Sie versorgen sich oft nur selbst oder beliefern den Markt in der nächstgrösseren Stadt. Sie rekultivieren alte Sorten, weil sie sonst nicht an Saatgut herankommen. Die Bäuerinnen sprachen über Gemüse, Vieh, Familien und Ökologie – in der Wüste, den Tropen, den Anden und den Alpen.

Globale Landwirtschaft könnte besser sein

«Bioanbau und Regionalität liegen in den Ländern des Südens oft in der Natur der Sache, sind die beste Überlebensstrategie», sagte Fabio Leippert, Experte der Entwicklungsorganisation Swissaid, mit dem Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband Organisator des Treffens. Er zitierte eine Studie, wonach die globale landwirtschaftliche Produktion zwischen 20 und 30 Prozent höher sein könnte, wenn Frauen besser ausgebildet wären und leichteren Zugang zu Kapital hätten.

«Unsere Universität ist es, in eine bäuerliche Familie hineingeboren zu werden», sagte Martha Pinto Senejoa, die mit der Reise in die Schweiz das erste Mal ausserhalb von Kolumbien war. Doch sie trat in der von Swissaid-Geschäftsleiterin Caroline Morel moderierten Diskussionsrunde so selbstbewusst auf wie San Wai aus Myanmar, die aus ihrem Schweiz-Trip die Erkenntnis mitnahm: Bauern sind stärker, wenn sie sich vernetzen und Interessenverbände gründen.

«Für uns Vorbild und Ansporn»

Mit dem Bäuerinnen- und Landfrauenverband gibt es diesen Interessenverband in der Schweiz. Dessen Präsidentin im Aargau, Helen Schreiber, mit Ehemann Stefan und Tochter Jasmin Gastgeber des Bäuerinnen-Dialogs auf ihrem Biobetrieb in Wegenstetten, zog ihr persönliches Fazit: «Wir haben den grössten Respekt vor den Frauen, die uns heute besucht haben. Ihr Kampf für biologischen Anbau ist für uns Vorbild und Ansporn.»

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