Hottwil
Bauer droht: «Nimm deine Hunde an die Leine!» – dann fallen zwei Schüsse

Erst rastete im letzten Sommer ein Landwirt wegen der freilaufenden Hunde von Ruedi Tanner aus. Nun eskalierte der Dauerstreit: Ein Jungbauer soll auf den Hundehalter geschossen haben.

Silvan Hartmann
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Ruedi Tanner mit Elena (l.) und Dodger (re.) will die Attacken nicht einfach hinnehmen

Ruedi Tanner mit Elena (l.) und Dodger (re.) will die Attacken nicht einfach hinnehmen

Ruedi Tanner spaziert in Hottwil jeden Morgen gegen acht Uhr mit seinen beiden Hunden Elena und Dodger durch den örtlichen Rebberg. Die ersten 200 Meter durch das Dorf hält Tanner die Hunde jeweils an der Leine, im Grünen lässt er sie dann freilaufen. Doch Letzteres passt vor allem zwei Bauern nicht.

Am Morgen des 14. März hört Tanner auf dem Spaziergang plötzlich eine Stimme: «Nimm deine Kampfhunde an die Leine!» Daraufhin knallts, es fallen zwei Schüsse. Tanner kommt mit dem Schrecken davon.

Wurde auf ihn gezielt? Oder wollte jemand die Hunde töten? «Ich war völlig aus dem Häuschen, ich hatte Todesangst», erinnert sich Tanner. Er weiss in diesem Moment nicht, wohin gezielt wurde und wer die Schüsse abgegeben hat. Er ruft seine Hunde, eine Mischlingshündin und ein Dobermann zu sich, nimmt sie an die Leine und zieht schockiert von dannen.

Nur Warnschüsse abgegeben?

Später reicht er Strafanzeige ein. Die Kantonspolizei Aargau ermittelt den 20-jährigen Jungbauern Benjamin L.

Auf Anfrage der az Aargauer Zeitung bestätigt L. den Vorfall. Er habe zwei Mal mit seiner eigenen, legal gehaltenen, Flinte geschossen. «Aber ich habe niemals auf den Halter oder auf ein Tier gezielt. Ich schoss in einen Dreckhaufen vor mir», sagt L. Er habe die Schüsse nur als Warnung abgegeben.

Denn: «Ruedi Tanner hat seine Kampfhunde überhaupt nicht im Griff. Teilweise laufen die Hunde drei Kilometer vorne weg oder greifen auf dem Rebberg wehrlose Katzen an», sagt L.

Tanner dazu: «Meine Hunde haben noch nie jemandem Leid angetan. Hätte ich gefährliche Hunde, wären sie die ganze Zeit an der Leine», sagt Tanner und ergänzt: «Und auch wenn meine Hunde aggressiv wären - es rechtfertigt noch lange keinen Schusswaffengebrauch.» Das Strafverfahren ist im Gange.

Hundehalter von Bauer verprügelt

Dem jüngsten Vorfall geht bereits ein Eklat im Juli 2011 voraus (wir berichteten). Auf einem Spaziergang warnte Bauer W. Hundehalter Tanner mehrmals, die Hunde zu sich zu nehmen.

Als er dies nicht tat, wurde der 67-jährige Bauer gewalttätig. Nach einer verbalen Auseinandersetzung packte der Bauer erst Hündin Elena am Balg, drückte sie mit dem Knie auf den Boden und schlug sie mit voller Wucht.

Tanner forderte den Beschuldigten auf, los zu lassen. In der Folge stand W. auf und versetzte Tanner einen Fusstritt. Auch hier reichte der Hundehalter Strafanzeige ein.

Anfang März wurde Bauer W. vom Bezirksgericht Laufenburg der Tätlichkeit schuldig gesprochen und zu einer Busse verurteilt. Noch steht aus, ob dieser das Urteil ans Obergericht weiterzieht.

Trotz der Vorfälle will Tanner weiterhin dort spazieren gehen. «Ich lebe hier und dieser Weg ist prädestiniert für Hundehalter. Es ist doch mein gutes Recht, dort durchzulaufen, wo ich will. Ausserdem besteht hier kein gesetzliches Verbot, Hunde frei herumlaufen zu lassen. Ich will mich nicht vertreiben lassen.»

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