Die Wortwahl ist markig: «Es wird also ohne weiteres die Gefahr bestehen, dass beispielsweise unser Schwimmbad zu einer Art ‹Schönwetter-Filiale› für die Asylunterkunft im Werkhof werden kann», schreibt Adrian Speckert, Präsident der SVP-Ortspartei Frick, in einer Mitteilung. Aufgeschreckt hat ihn und die SVP Frick ein Rechtsgutachten der Universität Zürich, wonach präventiv ausgesprochene Rayonverbote – zum Beispiel für die Badi oder das Schulareal – rechtlich problematisch sind.

Die SVP erwartet von Gemeinde und Kanton, eine «saubere und tragbare Lösung» zu finden, damit das Szenario «Schönwetter-Filiale» nicht eintritt – und zwar «noch vor Bezug der Unterkunft». Wie diese Lösung aussieht, lässt die SVP offen; ein Rayonverbot muss es laut Adrian Speckert nicht sein.

Unterstützung bekommt Speckert von Roger Fricker. Fricker ist Gemeindeammann von Oberhof und Mitglied der Geschäftsleitung der SVP Aargau. Er verweist darauf, dass in der Asylunterkunft bis zu 180 alleinreisende, vorab junge Männer untergebracht werden. «Ich verstehe, wenn dies beim einen oder anderen ungute Gefühle auslöst.»

Auch SVP-Grossrat Christoph Riner stört es, dass in der Asylunterkunft Frick nur alleinreisende Männer leben werden. Er hätte es begrüsst, wenn auch Familien im ehemaligen Werkhof untergebracht werden – so, wie es ursprünglich angedacht war. «Es braucht ein anderes Dispositiv, ob 180 Männer oder ob Familien hier leben.»

Fricker für Rayonverbot

Ein Rayonverbot mag Riner aber nicht per se fordern. «Oberstes Ziel muss es sein, dass die Bevölkerung in Frick und in der Region ohne Angst leben kann.» Wie das sichergestellt werde, «ist Aufgabe von Kanton und Gemeinde». Ein Rayonverbot dürfe man dabei nicht zum Vornherein ausschliessen. «Es muss eine Option sein.»

Roger Fricker geht einen Schritt weiter: Er würde ein Rayonverbot begrüssen. «Ein Solches zeigt klar auf: Bis hierher und nicht weiter.» Mit einem Rayonverbot belegt gehört für Fricker die Schulanlage. «Zudem sollte man schauen, dass die Asylsuchenden nicht in allzu grossen Gruppen im Dorf unterwegs sind.»

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Auch der Eintritt in die Badi gehört für den langjährigen, inzwischen ehemaligen SVP-Grossrat eingeschränkt. «Ein alleiniges Besuchsrecht sollte untersagt werden», sagt Fricker. Das heisst: Asylsuchende sollten das Freibad nur mit einer Aufsichtsperson besuchen dürfen. «Diese kann den Asylsuchenden die Regeln aufzeigen, wie sie bei uns herrschen.» Fricker denkt da insbesondere an das Frauenbild, das in anderen Kulturen doch ganz anders sei als bei uns. «Es gibt Länder, in denen Männer Frauen praktisch als Freiwild betrachten.» Es müsse sichergestellt werden, dass Frauen und Kinder ohne Angst die Badi besuchen können.

«Absolut unhaltbar», entgegnet Gertrud Häseli. Die Grossrätin der Grünen ärgert sich hörbar über das vorab von rechts bewirtschaftete Vorurteil, dass dunkelhäutige Männer Frauen als Freiwild betrachten. «Dem ist nicht so. Ein Afghane begegnet einer Frau nicht mit weniger Respekt», ist Häseli überzeugt. Sie versteht zwar, dass Menschen aus fremden Kulturen Ängste auslösen können. «Diese können aber nicht mit Rayonverboten abgebaut werden, sondern einzig mit Begegnung.»

Häseli hält Rayonverbote zudem für «rechtlich nicht haltbar». Für sie sind private Initiativen, um die Asylsuchenden zu betreuen und ihnen Deutsch zu lernen, der richtige Weg, um Barrieren abzubauen. Und sie sagt: «Der Fricker Gemeinderat macht hier einen guten Job.» Eine Ansicht, die Elisabeth Burgener teilt. «Der Gemeinderat agiert ruhig und sachlich», lobt die Grossrätin und Co-Präsidentin der SP Aargau. Rayonverbote sind auch für sie der falsche Weg. Sie hält sie nicht nur für rechtlich problematisch, sondern auch für unmenschlich. «Wir dürfen diese Menschen nicht ausgrenzen, denn genau das löst Aggressionen aus.» Sie weiss auch, dass das Zusammenleben nicht nur einfach ist. «Es ist eine Herausforderung, der wir uns stellen müssen.»

Tagesstrukturen schaffen

Burgener verhehlt dabei nicht: «Es wird wohl auch in Frick Einzelfälle geben, bei denen es nicht gut läuft.» Aber eben: «Es sind Einzelfälle und als solche zu regeln.» Wichtig sei, für die Asylsuchenden Strukturen zu schaffen, damit sie nicht den ganzen Tag herumhängen müssen, sondern eine Beschäftigung haben. «Die IG Asyl in Laufenburg hat vorgelebt, dass es funktioniert.»

Die Terminologie «Schönwetter-Filiale Badi» hält Burgener zudem für zugespitzt. Davon ist auch SP-Grossrätin Colette Basler überzeugt. Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Badi zu einer «Schönwetter-Filiale» für Asylsuchende wird. In Villmergen, wo Basler unterrichtet, gebe es sowohl ein Freibad als auch eine Asylunterkunft mit Asylsuchenden aus Eritrea.

«Beim Badibesuch mit meinen Schülern habe ich noch nie Asylsuchende angetroffen.» Denn Badibesuche und Schwimmen kenne man in diesen Kulturkreisen nicht. «Da viele dieser Menschen auf dem Wasserweg nach Europa gelangten, ist Wasser für sie tabu.» Sie seien von ihren Erlebnissen traumatisiert und hielten sich fern von allem, was mit Wasser zu tun habe. «Zudem bin ich sicher, dass sich Asylsuchende, die mit neun Franken pro Tag haushalten müssen, einen Badibesuch für sechs Franken schlicht und ergreifend nicht leisten können.»
Christoph Riner hält die von der SVP Frick angestossene Diskussion um die Asylunterkunft, die im April eröffnet wird, für wichtig – und zeitlich richtig. «Man darf sich nicht erst Gedanken machen, wenn etwas passiert ist.» Die Ängste seien vorhanden «und die Behörden müssen aufzeigen, wie sie diesen begegnen». Mit oder ohne Rayonverbot.