Weihnachten ist nicht immer das Fest der Liebe und Glückseligkeit. Dies verdeutlicht eine neue Sonderausstellung im Stadtmuseum Haus Salmegg auf der badischen Rheinseite neben der alten Stadtbrücke: «Weihnachten 1914 – Krieg und kein Ende in Sicht».

Stadtarchivarin Sabine Diezinger hofft erneut erwartungsvoll auf Interessierte aus der Schweizer Nachbarschaft und berichtet sichtlich stolz: «Schon die erste Ausstellung zum Ersten Weltkrieg brachte uns viele Gäste aus der Schweiz, darunter auch zahlreiche Schulklassen.»

Fotos aus dem Frontlazarett

Träume von weissen Weihnachten gibt es nicht, aber eindrucksvolle Präsentationen, wie die Advents- und Weihnachtszeit damals an der Kriegsfront ausgesehen haben muss. Markant in der Ausstellung ist das nur aus zwei robusten Planen gebildete Soldatenzelt als zweifellos nur notdürftige Unterkunft. Bereichert wird dieses «Lager» mit Verpflegungsutensilien, vor allem aber mit «Kampfgeräten» wie Gewehren, Gasmasken und Handgranaten.

Die Exponate stammen grösstenteils aus einer Sammlung von Dieter Käsinger aus Schwörstadt und konnten wegen Platzmangels nicht an der diesjährigen zentralen Ausstellung «Mit Gott für Kaiser und Reich» gezeigt werden. Was nun nachgeholt wird, um realitätsbezogen die fürchterliche Zeit des Ersten Weltkriegs in Erinnerung zu rufen, aber wahrlich nicht für stille Weihnachten in jener Zeit werbend.

Weihnachten im Krieg dokumentieren im Stadtmuseum beispielsweise Fotografien aus einem Frontlazarett oder in beeindruckend sauberer Handschrift verfasste Feldpostbriefe an Angehörige im fernen Zuhause. Militärisches Kriegsspielzeug wie Dragoner auf Pferden oder ein Bilderbuch «Vater im Krieg» signalisieren viel Emotionales – aber sicherlich wenig Trost für die Soldaten an der Front.

Weihnachten ist halt anders, wie wir es uns heutzutage kaum noch vorstellen können. Aber die Ausstellung sendet auch Botschaften aus: Militarismus bringt letztendlich keinen wirtschaftlichen Aufschwung, stellt wachsendes Nationalbewusstsein der Bevölkerung infrage und weckt einmal mehr die Zweifel «an einem siegreichen Ausgang» des Krieges.

Die Sonderausstellung «Weihnachten 1914 – Krieg und kein Ende in Sicht» regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern beweist auch das Engagement des Stadtarchivs, bedeutungsvolle Geschichte aus der Region in die Gegenwart zu transportieren. Mit Ausnahme von Heiligabend und Silvester ist das Stadtmuseum samstags sowie sonn- und feiertags von 12 bis 17 Uhr geöffnet.