Laufenburg

Ausstellung im Museum Schiff: Diese Arbeit steckt hinter den Landkarten

Vor dem nordwestlichen Blatt der Scheuchzer-Karte des Jahres 1712: Franz Schwendemann (links) und Alois Schmelzer. Richard Kaiser

Vor dem nordwestlichen Blatt der Scheuchzer-Karte des Jahres 1712: Franz Schwendemann (links) und Alois Schmelzer. Richard Kaiser

Alois Schmelzer und Franz Schwendemann zeigen im Museum Schiff die Geschichte der Kartografie auf.

Jede Karte, die wir in der Hand haben, könnte uns ihre eigene Geschichte erzählen. Einen Teil dieser Geschichten erzählt die Ausstellung «Die Hochrheinregion in historischen Landkarten» im Museum Schiff in Laufenburg. Einen anderen Teil brachten Alois Schmelzer und Franz Schwendemann den Besuchern in Kurzvorträgen näher.

Schmelzer befasste sich mit dem Schweizer Universalgelehrten, Arzt, Naturforscher und -theologen sowie Kartografen Johann Jakob Scheuchzer (1672 bis 1733). Dessen 1712 erschienene Landkarte «Nova Helvetiae Tabula Geographica» war etliche Jahrzehnte die massgebliche Schweizer Landeskarte.

Erste barometrische Messungen

Schon 1694 hatte er die Rigi, den Pilatus und andere Voralpengipfel bestiegen und dabei als erster Wissenschaftler barometrische Höhenmessungen – also über Messungen über Luftdruck – vorgenommen. Seine Handzeichnungen dienten als Vorlage für den Kupferstich der «Nova Helvetiae Tabula Geographica».

In der Folgezeit kam es immer wieder zu verbesserten Neuauflagen. So ist am Beispiel Bad Säckingen zu erkennen, dass die Fridolinstadt in der Erstausgabe von 1712 nur rechtsrheinisch und in der Fassung von 1765 auf der damaligen Rheininsel lag. Auch der Brückenübergang von der Schweiz her wurde dargestellt.

Vier Generationen

Franz Schwendemann befasste sich in seinem Vortrag mit dem Wettlauf europäischer Mathematiker und Astronomen des 18. Jahrhunderts bei den Vermessungen für exakte Landkarten. Zwei gebürtige Italiener stehen für einen bedeutenden Schritt zur heutigen Kartografie: Der Astronom Giovanni Domenico Cassini (1625 bis 1712) und der Mathematiker Giovanni Jacobo de Marinoni (1676 bis 1755).

Cassini wurde vom französischen König Ludwig XIV beauftragt, erste Vermessungen für die Herstellung einer Landeskarte in die Wege zu leiten. Wegen zahlreicher Kriege wurde das gigantische Projekt mehrfach unterbrochen, und erst 1744 konnte mit César François Cassini de Thury die Frankreichkarte seines Grossvaters und seines Vaters ergänzen und verbessern. Jean Dominique Compte de Cassini, Sohn von César François, vervollständigte 1748 die auf einer Triangulation beruhende Landesvermessung, die zur ersten wissenschaftlich vermessenen genauen Landeskarte führte. Doch erstreckte sich die Erstellung und Veröffentlichung der Einzelblätter bis 1818.

Karte für Steuererhebung

Anders entwickelte sich das Habsburg-Österreichische Vermessungswesen, das den Franzosen ob des mathematischen und astronomischen Wissens von Giovanni Jacobo de Marinoni zeitlich voraus war. Marinoni promovierte an der Universität Wien und wurde dort zum Hofmathematiker ernannt. Mit kaiserlichem Patent vom 24. Dezember 1717 bewilligte Karl VI auf Vorschlag Marinonis die Errichtung der ersten Akademie für militärische und zivile Ingenieure in den Erblanden und ernannte ihn zum Direktor der Akademie.

1719 berief der Gouverneur des damals österreichischen Mailands Marinoni in die Lombardei, um dort zur Steuererhebung ein Liegenschaftskataster einzurichten, für das ein topografisches Kartenwerk benötigt wurde. Die Vermessungsarbeiten begannen 1721. Zahlreiche Männer hatten mehr als 19000 Quadratkilometer zu vermessen. 1729 war die Karte des Staates Mailand, bestehend aus 16 grossen Blättern und im Massstab 1:72000 fertig.

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