Körperkult

Aussehen wie Ronaldo? Jugendliche pumpen im Fitness Center in Frick

Matthias Brüderlin und Dennis Moser trainieren im Vitamare in Frick regelmässig. Die Masse eines Bodybuilders wollen sie aber nicht.

Matthias Brüderlin und Dennis Moser trainieren im Vitamare in Frick regelmässig. Die Masse eines Bodybuilders wollen sie aber nicht.

Über drei Viertel der jungen Männer wollen ihren Körper stählen. Grund dafür sei auch die Flut an Bildern von durchtrainierten Körpern in den Medien und im Internet. Zwei Teenager sagen, warum sie nicht wegen Cristiano Ronaldo ins Fitness gehen.

An den Geräten nebenan schwitzen sie. Männer mit Kopfhörern in den Ohren an der Hantelbank. Frauen in Shirts in Neonfarben auf dem Crosstrainer. Ein junges Pärchen an der Beinpresse, das keine Übung machen kann, ohne sich anzuhimmeln. Dennis Moser aus Magden und Matthias Brüderlin aus Bözen lehnen sich auf ihren Sesseln im Fitness Center Vitamare in Frick zurück. Die Teenager sollen erklären, was junge Männer dazu treibt, ihre Körper zu stählen.

Athletisch ja, Bodybuilder nein

Vor einigen Wochen machte eine unveröffentlichte Studie der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz Schlagzeilen. 56 Prozent der männlichen Teenager sind demnach mit ihrer Figur zufrieden. Über drei Viertel der jungen Männer wollen ihren Körper stählen. Grund dafür sei auch die Flut an Bildern von durchtrainierten Körpern in den Medien und im Internet. Etwa von Fussballer Cristiano Ronaldo, der mit nacktem Oberkörper jubelt.

Dennis Moser und Matthias Brüderlin können es nicht verbergen: Auch sie treiben Sport und zwar viel. Unter Shirt und Kapuzenjacke zeichnen sich breite Schultern, Sixpack und Bizeps ab. Gehören sie also zu jenen Jugendlichen, die ihre Körper aufpumpen, um einem Ideal – wie Fussballer Cristiano Ronaldo – zu entsprechen? Beide wiegeln ab, zucken mit den Schultern. Sportlich wollen sie aussehen, athletisch, das schon, aber es gibt eine Grenze. «Aussehen wie ein Bodybuilder? Nein, das will ich nicht», sagt der 16-jährige Moser. Und auch Brüderlin (19) schüttelt den Kopf.

Als Kind zum Sport

Beide kamen sie schon in der Kindheit zum Sport. Dennis Moser spielt Handball, seit er sechs Jahre alt ist. «Die ganze Familie ist handballverrückt», sagt er, der heute in der Junioren-Nationalmannschaft spielt. Vier Mal in der Woche trainiert er mit den Teamkollegen, zweimal im Vitamare Fitness Center in Frick für sich allein. Matthias Brüderlin ist seit über zehn Jahren im Turnverein Bözen. Neben dem wöchentlichen Training geht er vier Mal ins Fitness in Frick. Das macht er seit zwei Jahren, als Ausgleich zur Schule. «Und, weil ich sonst einfach zu viel Energie hätte», sagt er und lacht.

Für beide Teenager ist der Sport mehr, als nur der Weg zum idealen Körper. Genau das sehen sie aber teilweise im Freundeskreis: Jungs, die täglich im Fitness Center die Bank drücken und Gewichte stemmen, und dann Fotos – oben ohne – auf Facebook stellen. «Ihr Körper wird zum Status. Sie sind stolz darauf und wollen ihn präsentieren», sagt Moser.

Dass die jungen Männer auf dem Weg zu ihrem Idealkörper oft auf zweifelhafte Methoden setzen, weiss Fitness-Trainerin Yvonne Kasper. Wer im Vitamare in Frick ein Jahres-Abonnement löst, wird zunächst beraten und kann je nach Wunsch ein Programm mit geeigneten Übungen ausarbeiten lassen. Aber: «Im Internet gibt es zuhauf Anleitungen zum schnellen Muskelaufbau», sagt Kasper. Den Fitness-Trainern bleibt beim Rundgang durch das Center nur der aufmerksame Blick. «Wir achten darauf, dass wenigstens die Ausführung der Übung richtig ist», so Kasper.

Mädchen und Burger

Der Trend zum durchtrainierten Körper bei Jugendlichen ist ihr nicht neu. «Viele Jungs merken, dass die Mädchen das toll finden», sagt Kasper. So hätten Mädchen nicht mehr nur den Anspruch an sich selber, schlank zu sein, sondern auch an die Jungs, definierte Muskeln zu haben. Dennis Moser und Matthias Brüderlin grinsen, als sie das hören. «Mag sein. Für mich ist das aber nicht das Hauptargument», sagt Brüderlin. Die beiden Teenager beteuern, dass es ihnen neben dem Spass auch um die Gesundheit gehe. Deshalb gehört für sie eine ausgewogene Ernährung dazu. «Ich esse viel Gemüse. Wenn ich unterwegs bin, liegt aber auch mal ein Burger drin», sagt Moser.

Ausserdem helfe das Training, den eigenen Körper zu kennen, ergänzt Matthias Brüderlin. «Heute spüre ich, wenn etwas nicht stimmt und weiss, wie ich reagieren muss.» Dann legt er auch mal eine Pause ein. Den Sport ganz aufzugeben, kommt aber nicht infrage. «Im Moment macht es mir viel zu viel Spass», sagt Brüderlin. Und Dennis Moser hat im vergangenen Sommer im Fricker Vitamare eine Ausbildung begonnen. Er wird Fachmann Bewegungs- und Gesundheitsförderung.

Meistgesehen

Artboard 1