Über neueste Erkenntnisse zur Baugeschichte der Schlossanlage von Beuggen sprachen im Kornhauskeller Luisa Galioto, Leiterin Ausgrabungen im Kanton Aargau, sowie Matthias Reinauer, archäologischer Projektleiter beim Landesdenkmalamt Baden-Württemberg im Rahmen der Wintervortragsreihe der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde.

Durch den neuen Kraftwerksbau in Rheinfelden und die dazugehörige Staumauer stieg im Bereich des Schlosses Beuggen das Wasser um 1,5 Meter, bauliche Sicherheits-und Sanierungsmassnahmen der Schlossanlage standen an. In diesem Zusammenhang konnten Archäologen das kleine Zeitfenster 2008/2009 nutzen, um sich ein neues Bild von der ursprünglichen Burganlage zu machen. Dabei ergaben sich hochinteressante Erkenntnisse und Informationen. Gegenstand der Untersuchungen waren der Schlossbau, das Pfarrhaus und die Mühle.

Äussere Mauern freigelegt

Entlang der durch fünf Meter tiefe Gräben freigelegten äusseren Mauern hatten die Archäologen freie Sicht auf die 800-jährige Entstehungsgeschichte der ganzen Anlage. 1218 wurde die Burg Buckelem erstmalig erwähnt, 1246 dann fertiggestellt. Zu diesem Zeitpunkt schenkte der Reichsministeriale Ulrich von Liebenberg den Bau dem Deutschen Ritterorden. Es folgte eine recht wechselvolle Geschichte. 1443 wurde die Burg eingegliedert ins vorderösterreichische Territorium, wegen Plünderungen im Bauerkrieg 1525 mussten die Befestigungsanlagen verstärkt werden. Im 16. Jahrhundert kam das neue Schloss hinzu, 1757 der im barocken Stil angelegte Schlossgarten sowie die Orangerie. Im 30-jährigen Krieg kam es erneut zu heftigen Plünderungen.

1806 dann erfolgte die Enteignung der Schlossanlage. Sie ging in den Besitz der katholischen Pfarrgemeinde Karsau und der Grossherzoglichen Badischen Domänenverwaltung über. Von 1820 bis 1980 war in den Häusern ein Kinderheim untergebracht, heute ist die Anlage eine Tagungs-und Begegnungsstätte. Beide Referenten führten aus, dass sie bei ihren Ausgrabungen Hinweise auf die alte Burganlage nicht gefunden haben, jedoch Fundamente und Hangmauern des alten Schlosses und Mauerreste des zweiten Turmes, der 1279 hinzukam. Weiter konnten eine Rampe sichtbar gemacht werden, die gegen den Rhein schützen sollte, sowie in nördlicher Richtung vor den alten Gebäuden zwei Gräben und eine Wallanlage.

1290 kamen weitere Bauwerke ganz in der Nähe der alten hinzu. Es konnten des Weiteren ein Zugangsportal aus dem 13. Jahrhundert sowie ein zusätzlich geschaffenes Kellergeschoss entdeckt werden. 400 Jahre später entstand zum Schutz eine Ringmauer mit Zugbrücke und Wassergräben.

Aufschlussreicher Schutt

Die alten Schutzgräben wurden verfüllt und als Baufläche genutzt. Aus dieser Zeit stammen sehr schöne Funde von Gläsern und Flaschen, die auf Festlichkeiten hochgestellter Personen hindeuten. Neu hinzu kamen damals Pfarrhaus und Mühle, in denen ein Küchenbereich und eine Waschanlage freigelegt werden konnten. Ein markanter Einschnitt war die Errichtung des neuen Renaissanceschlosses als direkter Anbau an das alte Schloss auf der Fläche der alten Wallgrabenanlage.

Nach der Sanierung von 1772 bis 1777 bekam das ganze Areal ein geschlossenes Bild. All die vorgestellten Untersuchungen und Funde, so betonten die beiden Wissenschaftler zum Schluss, konnten sich natürlich nur auf die Gebäude erstrecken, die 2008/2009 saniert wurden.