Nächste Ausfahrt – Oeschgen? Möhlin? Die Frage, ob das Fricktal eine zusätzliche Autobahnausfahrt braucht – und vor allem: ob es auch eine bekommt, taucht alle paar Jahre auf. Die Ausfahrtsfrage beschäftigt seit längerem auch den Planungsverband Fricktal Regio. In Gesprächen mit dem Kanton werden Möglichkeiten und Grenzen erörtert. Das letzte Gespräch fand Ende März statt.

Waren bislang vor allem zwei Varianten öffentlich im Gespräch – eine zusätzliche Ausfahrt zwischen Eiken und Rheinfelden, also voraussichtlich auf Höhe Möhliner Feld, oder ein Ausbau des Halbanschlusses in Effingen – so ist nun eine dritte Variante im (Gedanken-)Spiel hinzugekommen: eine Ausfahrt auf Höhe von Oeschgen. Diese hätte allerdings «nur einen reduzierten Ausbau», schränkt Christian Fricker, Präsident von Fricktal Regio, ein. Das heisst: Sie würde als Viertel- oder höchstens Halbanschluss konzipiert. Zudem: «Aus Sicht des Kantons müsste die Autobahnausfahrt einen zusätzlichen Nutzen im Gesamtverkehrskonzept bringen», sagt Fricker.

Ein solcher Zusatznutzen könnte laut Fricker, der zugleich Vizeammann von Frick ist, eine Entlastung einer künftigen Nordumfahrung von Frick sein. Die Umfahrung soll den Verkehr aus dem Benkental und aus Gipf-Oberfrick, der Richtung Basel will, vor der Bahnunterführung abfangen und auf der Rückseite des Bahnhofs – auf der Seite der Tonwerke Keller AG also – zum Bölli-Kreisel nach Oeschgen führen. Von hier rollt der Verkehr dann weiter auf der heutigen Strecke nach Eiken, das schon lange stark unter dem Durchgangsverkehr und dem Verkehr vom und zum Autobahnanschluss leidet – oder eben auf den neuen Autobahn-Teilanschluss.

Eiken würde profitieren

Eiken wäre somit einer der Profiteure eines Autobahnanschlusses in Oeschgen. Auch in Frick dürften sich mit einem Anschluss in Oeschgen die Verkehrsflüsse verlagern, was zu einer Entspannung der Situation auf der Hauptstrasse beitragen könnte. Insgesamt rollen – oder besser: stauen sich pro Tag über 16 000 Fahrzeuge durch das Dorf. Hier erhofft sich die Gemeinde aber vor allem einen Effekt von der geplanten Nordumfahrung. Sie soll die Hauptstrasse spürbar entlasten – und sie soll Gipf-Oberfrick gleichzeitig besser an den Bahnhof anbinden sowie den Fussgängern und Velofahrern eine sicherere und schnellere Verbindung an den Bahnhof bringen.

Die Umfahrung von Frick, die Gipf-Oberfrick «Norderschliessung» nennt, ist derzeit allerdings noch in weiter Ferne. Denn bislang fehlt eine realisierbare Linienführung in Gipf-Oberfrick. Die Gemeinde prüfte zwar mehrere Varianten und hatte auch bereits einen klaren Favoriten auserkoren. Diese Variante «Mitte» blieb dann aber (vorerst) auf der Strecke, da die Familie Hinden, durch deren Hof die Strasse führen sollte, ihre anfängliche Zusage zurückzog.

Auch die zweite Variante, eine Ausfahrt zwischen Eiken und Rheinfelden, fliegt erst im Ideenstadium umher. Die Ausfahrten Eiken und Rheinfelden lägen für Schweizer Verhältnisse doch weit auseinander, sagt Fricker. Wo die Ausfahrt genau zu liegen käme, ist denn auch noch unklar. «Auf halben Weg zwischen den Ausfahrten Eiken und Rheinfelden», so Fricker, und «somit in der Region Zeiningen/Möhliner Feld».

Realisierbarkeit ist offen

Eine zentrale Frage bleibt: Ist ein zusätzlicher Anschluss überhaupt realistisch? Die Antwort fällt, je nach Befragten, unterschiedlich aus. Fricker selber hält eine zusätzliche Ausfahrt «durchaus für realistisch», allerdings «nur mit zusätzlichem Nutzen». Ein solcher Mehrwert kann aus seiner Sicht eine Entlastung von Hauptstrassen, Verkürzungen der Zufahrtswege und somit eine Verminderung der Emissionen sein.

Ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat bei der Frage, ob eine zusätzliche Ausfahrt gebaut wird, der Bund. Dieser ist neuen Autobahnanschlüssen gegenüber wegen der räumlichen Zersiedelungswirkung kritisch eingestellt, wie Andreas Rüegger, Bereichsleiter Support beim Bundesamt für Strassen, im Herbst 2016 gegenüber der AZ sagte. Dies auch, weil neue Autobahnanschlüsse unerwünschte Wirkungen auf das Strassennetz haben und mehr Verkehr anziehen können. Theoretisch, das sagte Rüegger aber auch, sei eine zusätzliche Ausfahrt zwischen Frick und Rheinfelden möglich.

Doch selbst wenn sie kommt – schnell wird dies nicht der Fall sein. «Im Moment wartet der Kanton Aargau die Planungen im Bundesland Baden-Württemberg ab», sagt Fricker. Dort würden umfassende Planungen in Auftrag gegeben. «Es ist dem Kanton und auch Fricktal Regio wichtig, grenzüberschreitend zu denken und zu planen.» Deshalb sei man auch in Gremien wie der Hochrheinkommission oder dem Trinationalen Eurodistrict Basel TEB aktiv.

Konkret heisst das: Baden-Württemberg wird seine Planungen frühestens im Jahr 2019 präsentieren. Vorher geht also in Sachen Autobahnanschluss sicher nichts. Zudem stehen auch noch weitere Verkehrsfragen an, etwa jene nach einer weiteren Brücke über den Rhein bei Sisseln. «Aktivismus Einzelner ist nicht angesagt», ist Fricker überzeugt. «Gut Ding will eindeutig Weile haben.»