«Ich habe sogar einen eigenen Berg», sagt die kleine Kaisten stolz. «Den Kaistenberg.» Mutter Tara lacht, nachdem sie die Worte ihrer bald vierjährigen Tochter vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt hat. Gemeinsam mit Ehemann Todd und dem zweijährigen Brewer sitzt sie im Wintergarten von Monique und Urs Müller in Kaisten.

Kaisten – das ist für die Familie Feiter aus Oshkosh im US-Bundesstaat Wisconsin viel mehr als nur eine Ortsbezeichnung. Es ist eine zweite Heimat, hier leben lieb gewonnene Menschen. Kein Zufall also, dass ihre Tochter Kaisten heisst.

Erste Satz: «Auf Wiedersehen»

«Im August 1991, also genau vor 20 Jahren, bin ich als Austauschschülerin nach Kaisten gekommen. Vom ersten Moment an hat mich meine Gastfamilie Monique und Urs Müller herzlich bei sich aufgenommen», so Tara Feiter. Monique Müller bestätigt: «Von nun an hatten wir vier Kinder.» Nach einem Sprachkurs bei der Migros-Klubschule – «ich kannte bei meiner Ankunft gerade einmal sechs deutsche Begriffe» – besuchte die junge Tara die Neuen Kantonsschule in Aarau.

Der erste Sprachschatz bestand übrigens aus «ja», «nein», «Danke», «auf Wiedersehen», «Gesundheit» und «das ist alles». Die Liebe zur Schweiz ist quasi ein Erbstück, welches Tara von der Grossmutter wie auch der Mutter übernommen hat. Weil sich diese so sehr in der Schweiz zu Hause fühlten, entschied sie sich vor 20 Jahren, ihren elf Monate dauernden Schüleraustausch in der Schweiz zu verbringen, mehr über das kleine Land zu erfahren.

Eine perfekte Gastfamilie

1991 weilten 104 Austauschschülerinnen und -schüler in der Schweiz. «Bei den regelmässigen Treffen winkten sie mit der Zeit ab, wenn ich von meiner Gastfamilie zu erzählen begann. Zu genau wussten sie, dass bei dieser einfach alles stimmt», erinnert sich Kaistens Mutter. Auch heute noch bewohnt sie bei ihren Besuchen «Taras Room».

Jenes Zimmer, in dem sie sich 1991 ihr eigenes kleines Schweizer Reich einrichten durfte. Nach ihrer Rückkehr in die Staaten und der nachfolgenden Lehrerausbildung blieben die Kontakte zwischen Müllers und der Amerikanerin sowie deren späterem Ehemann Todd sehr eng. Gross war auch die gemeinsame Freude, als sich der erste Nachwuchs ankündigte.

Tochter liess sich Tattoo stechen

«Schon während der Schwangerschaft wussten wir, dass wenn es ein Mädchen wird, wir es Kaisten nennen werden», erklärt Tara. Es sei aber nicht nur die Liebe zum Dorf und zur Familie Müller, die zu dieser Namenswahl geführt habe. «Todd fand von Anfang an, dass Kaisten einen wunderschönen Klang hat.»

Damit aber noch lange nicht genug. Einige Monate nach der Geburt seiner Tochter liess sich Todd ein Tattoo stechen: Gross und deutlich prangt das Kaister Wappen – ein rotes Rebenblatt auf gelben Grund – auf dem linken Oberarm des Amerikaners. Einfach, weil es so schön ist.

Den Besuch in Kaisten nutzt die Familie für viele Unternehmungen. «Ausserdem will ich noch besser Schwyzerdütsch lernen», erklärt Tara, die seit 14 Jahren als Deutschlehrerin unterrichtet. «Schwyzerdütsch ist so schön, klingt wie Musik.» Der kleine Brewer, er verdankt seinen Namen übrigens einer Baseballmannschaft, kann es schon ein bisschen. «Grüezi» verabschiedet er die Schreibende freundlich.