Im Herbst nahmen die Möhlinerinnen und Möhliner Abschied von der «Rösslischüüre». Die Ausstellung des einheimischen Künstlers Kurt Böni war nach Fasnachtspartys und Theatern die letzte kulturelle Veranstaltung im Gebäude an der Hauptstrasse. Nun ist klar, dass es sich damals nur um einen Abschied auf Zeit gehandelt hat. Denn die Rösslischüüre wird der Öffentlichkeit zugänglich bleiben – als Restaurant mit Hotelzimmern und Saal.

Auf der Gemeinde liegt seit dem 24. Dezember das Baugesuch für die Umgestaltung des Areals an der Ecke Hauptstrasse/Brunngasse auf. Die Scheune – ein Hochstudhaus mit hohem Giebel, wie sie im 16. und 17. Jahrhundert gebaut wurden – steht unter Substanzschutz. Der Umbau erfolgt so, dass dessen Vorgaben erfüllt werden.

Bereits ein Pächter gefunden

Im Erdgeschoss der Scheune entsteht ein Restaurant, im ersten Stock werden Hotelzimmer eingerichtet und im Dachgeschoss soll ein grosser Saal mit rund 120 Quadratmetern Fläche Platz finden. «Es war immer mein Wunsch, dass die Rösslischüüre für die Bevölkerung offen bleibt», sagt Besitzerin und Architektin Marina Zimmermann Maiorano.

Für das Restaurant hat sie bereits einen Pächter gefunden: die Trinamo AG, welche in Möhlin den Mittagstisch betreibt und im Salmenpark in Rheinfelden demnächst das Bistro «Joe Pepper» eröffnet. Das Sozialunternehmen bietet Beschäftigungsprogramme. Hier bekommen etwa Sozialhilfebezüger, IV-Rentner und Ausgesteuerte Arbeit, Referenzen und eine Tagesstruktur.

Der Umbau auf dem Areal umfasst allerdings nicht nur die Rösslischüüre. Verschwinden wird das ehemalige Restaurant Rössli und das Wohnhaus. Geplant ist hier ein zweistöckiges Mehrfamilienhaus, vom Volumen her ähnlich wie die heutigen Gebäude. Sechs Wohnungen und Gewerbeflächen im Erdgeschoss sollen darin entstehen. Auf dem freien Areal auf der Seite Brunngasse ist ausserdem ein zweites, dreistöckiges Mehrfamilienhaus geplant. Dieses mit acht Wohnungen und ebenfalls Gewerbeflächen. Die Gebäude verfügen über eine gemeinsame Einstellhalle.

Vorplatz als Begegnungsort

«Das Ziel ist es, mit dem Restaurant, dem Hotel und den Gewerbeflächen auf dem Areal Leben entstehen zu lassen», sagt Marina Zimmermann Maiorano. Entsprechend soll auch der Vorplatz der Scheune als Begegnungsort gestaltet werden. «Besucher des Restaurants und der Geschäfte treffen sich hier», sagt Zimmermann.

Die drei Baugesuche – je eines für die Scheune und die beiden Mehrfamilienhäuser – liegen noch bis zum 25. Januar auf der Bauverwaltung auf. Zimmermann hat «das erste Quartal 2016» im Zeitplan für das Bewilligungsverfahren vorgesehen. Ob eine allfällige Einsprache gegen eines der Baugesuche einen Einfluss auf das gesamte Projekt hat, könne nicht pauschal beurteilt werden. «Das kommt darauf an, ob die Einsprache im Zusammenhang mit dem gesamten Vorhaben steht», erklärt sie.

Baubeginn im Sommer

«Wenn alles optimal läuft, beginnen wir im Sommer kommenden Jahres mit den Bauarbeiten», so Zimmermann. Ein Kriterium ist dabei auch der Verkauf der entstehenden Eigentumswohnungen. Vor einigen Tagen wurden sie ausgeschrieben. Bereits gibt es Interessenten. «Wenn die Hälfte der Wohnungen verkauft ist, starten wir mit dem Projekt», sagt Zimmermann. Die Kosten für das gesamte Bauvorhaben betragen rund 12 Millionen Franken.