Nach Razzia
Aus der Messie-Hölle befreit und jetzt entlaufen: Wo ist Wuschel?

Seit 16 Tagen ist der kleine Mischlingshund Wuschel alleine im Fricktal unterwegs. Der weisse Rüde ist einer der 23 Hunde, die von der Polizei und dem Aargauer Veterinäramt in Gränichen beschlagnahmt wurden. Seine neue Besitzerin ist verzweifelt.

Susanne Hörth
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Wuschel ist einer der beschlagnahmten Gränicher Hunde. Bei einem Probeaufenthalt im Fricktal ist er ausgebüxt und wird seither viel gesichtet. Einfangen lässt sich der kleine Kerl aber nicht.

Wuschel ist einer der beschlagnahmten Gränicher Hunde. Bei einem Probeaufenthalt im Fricktal ist er ausgebüxt und wird seither viel gesichtet. Einfangen lässt sich der kleine Kerl aber nicht.

Daniela Waldmeier

Daniela Waldmeier ist verzweifelt. Die Frickerin hat seit nunmehr 16 Tagen keine ruhige Minute mehr. Arbeitet sie nicht, so ist sie Tag und Nacht unterwegs und sucht Wuschel. Der kleine, weisse Rüde mit den grossen schwarzen Augen ist einer der 23 Hunde, die im Februar von der Polizei und dem Aargauer Veterinäramt in Gränichen beschlagnahmt wurden (az berichtete).

Der kleine Hund befand sich am 8. Mai in einem Probeaufenthalt bei Daniela Waldmeier. An diesem Tag ist der Begleiterin von Daniela Waldmeier bei einem Spaziergang am Laufenburger Waldrand die Leine aus den Händen geglitten. Trotz schneller Reaktion reichte es nicht, die Leine wieder zu fassen und den Hund am Davonlaufen zu hindern.

Daniela Waldmeier erzählt, dass umgehend eine grosse Suche – mit umfassender Unterstützung durch den Aargauer Tierschutzverein – nach dem Ausreisser eingesetzt hatte. Leider vergebens. Wenn auch immer wieder Sichtkontakt zu dem Vierbeiner hergestellt werden konnte, so reichte es nicht, um den Fremden gegenüber sehr unsicheren Hund in greifbare Nähe locken zu können.

Im ganzen Fricktal wurden unzählige Vermisst-Plakate – auch von der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) – aufgehängt. «Die Reaktionen sind unglaublich. So viele Leute helfen, rufen an, schreiben», ist Daniela Waldmeier überwältigt.

Trotz der deutlichen Niedergeschlagenheit ist die Frickerin voller Dankbarkeit über dieses Mithelfen und Mitfühlen. Sie spürt, dass bei allen Kontakten das Schicksal des kleinen Ausreissers niemanden kalt lässt. «Ich werde nie allen Danke sagen können», bedauert sie. Die Hoffnung auf ein baldiges Einfangen von Wuschel gibt sie nicht auf, auch wenn sie mittlerweile vor Angst um den Mischling oft fix und fertig ist.

Bereits dreimal – einmal in Laufenburg, einmal in Sisseln und einmal in Eiken – ist sie dem Bichons-Terrier-Mischling ganz nahe gekommen. Geholt wurde sie jeweils von Personen, die den Rüden entdeckt haben. Doch jedes Mal entwischte der Kleine wieder.

Die Suche nach neuen Besitzern

Nachdem die Hunde im Februar alle im Tierheim in Untersiggenthal untergebracht worden waren, dort gepflegt und vom Tierarzt untersucht wurden, begann die Suche nach den künftigen Besitzern. Interessenten, die infrage kamen, durften die Hunde im Untersiggenthal besuchen, später dann mit ihnen auch Spaziergänge unternehmen. Daniela Waldmeier hat sich in den scheuen Wuschel verliebt. Sie freute sich, dass sie ihn nach mehreren Besuchen im Tierheim dann endlich für einen Probetag und dann vor drei Wochen sogar für einen zweiwöchigen Aufenthalt zu sich nach Hause nehmen konnte. Der Rüde knüpfte erste, noch sehr zaghafte Beziehungsbande mit seiner künftigen Besitzerin.

Er ist von seiner Vorgeschichte, von der vieles nur erahnt werden kann, sehr geprägt. Unsicherheit und Vorsicht lassen ihn nicht aus der Deckung kommen. In den letzten Tagen wurde er in Mumpf, Möhlin, Wallbach und jetzt ganz aktuell in Eiken gesehen. Auch die Grenze in das benachbarte Deutschland hat er bereits überquert.

Gefährliche Situationen

Der scheinbar unermüdliche Wanderer nimmt Fressen, das ihm von Menschen angeboten wird, gerne an, lässt sich dabei aber nicht einfangen. Gefährlich wird es für ihn, wenn er, wie leider schon mehrfach vorgekommen, auf Strassen und Bahngeleisen unterwegs ist. Auch Polizeieinsätze hat es wegen des Ausreissers mit dem gelockten Fell schon gegeben.

Isabelle Zingg vom Aargauer Tierschutzverein kennt Wuschel vom Tierheim her. Sie beschreibt einen kleinen, schlauen Kerl, der nicht bedrängt werden möchte. Gleichwohl aber auch die von seinen Menschen ausgehende Sicherheit zu schätzen weiss. Dafür braucht es Zeit, Geduld und viel Ruhe. Und genau das ist auch beim Einfangen des Rüden nötig. «Für Wuschel ist es hilfreich, dass, wenn man ihn sichtet, er nicht gejagt wird.» Natürlich kann Wuschel, falls es ohne Stress möglich ist, mit Fressen in eine Scheune oder einen sonstigen geschlossenen Bereich gelockt werden. In jedem Fall sollte Daniela Waldmeier (076 493 22 23) kontaktier werden. Diese hofft nun sehr, dass der kleine Ausreisser bald eingefangen werden kann. Dann geht es zuerst einmal zurück ins Tierheim, um sich dort wieder ein wenig von den Erlebnissen der letzten Tage erholen zu können.

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