Die Gerüchteküche brodelte seit einigen Tagen: Nach dem Volks-Nein zur Sanierung und Neugestaltung der Kaiserstrasse werde der Rheinfelder Stadtrat einen Versuchsbetrieb mit einem Kreisel beim Coop beschliessen, wurde gemunkelt. An der Gemeindeversammlung am Mittwochabend liess der Stadtrat die Katze aus dem Sack: Die Stadtregierung verzichte auf den Kreisel-Versuch bei der Coop-Kreuzung, den der Kanton vorgeschlagen hatte, erklärte Stadtrat Walter Jucker.

Stattdessen solle dort ein neue, moderne Lichtsignalanlage aufgestellt werden. Der ebenfalls umstrittene Mehrzweckstreifen zwischen dem Coop- und dem Ochsen-Knoten fällt laut Jucker «im Wesentlichen» weg. Der Kreisel beim Ochsen soll gebaut und die Fussgängerunterführung mit Rampen erhalten werden. Der Stadtrat will auch die Busbuchten beibehalten und auf die kritisierten Fahrbahnhalte der Postautos verzichten.

«Fronten sind festgefahren»

Der Vorschlag des Kantons, einen Versuchsbetrieb mit einem Kreisel beim Coop durchzuführen, sei Mitte Mai am runden Tisch mit Vertretern der Anwohner, der Ortsparteien, des Referendumskomitees und weiterer betroffener Kreise besprochen worden, erklärte Jucker. «Der Stadtrat stellte fest: Die Meinungen sind gemacht und die Fronten festgefahren.» Am runden Tisch habe sich zwar eine Mehrheit für einen Probebetrieb mit einem Kreisel beim Coop ausgesprochen, sagte Jucker.

Doch die selben Kräfteverhältnisse hätten vor zwei Jahren im Vorfeld der Referendumsabstimmung geherrscht, die dann in das klare Verdikt mit 63 Prozent Nein-Stimmen mündete. «Der Volkswille hat sich nicht verändert: Der Coop-Kreisel ist nach wie vor nicht mehrheitsfähig», folgerte Stadtrat Walter Jucker. «Wenn wir uns für den Kreisel-Versuch entschieden hätten, wäre das als Missachtung des Volkswillens und als Zwängerei ausgelegt worden.»

Der Stadtrat sei sich bewusst, dass sein Entscheid eine kontrovers Aufnahme finden wird. Die geplante Neugestaltung der Kaiserstrasse werde auch nicht als grosser Wurf in die Geschichte eingehen, doch sie bringe im Vergleich zur heutigen Situation zahlreiche Verbesserungen.

Zu Juckers Ausführungen äusserte sich an der Gemeindeversammlung nur ein Stimmberechtigter, der scharfe Kritik am Stadtrat übte. Es sei ein «Hosenscheisser-Entscheid» gewesen, auf den vorgeschlagenen Versuchsbetrieb mit einem Kreisel beim Coop zu verzichten. Der Stadtrat habe nicht den Mut aufgebracht, den rückwärtsgewandten Kräften entgegenzutreten. Dabei hätte die Bevölkerung in einem Probebetrieb von den Vorteilen dieser Lösung überzeugt werden können, meinte der Redner.

In der Versammlung erntete er verhaltenen Beifall. Stadtammann Franco Mazzi erinnerte an das deutliche Abstimmungsresultat und fügte hinzu: «Uns war klar, dass dieser Entscheid nicht allen gefällt.»