Aufreissen, abziehen, einkleben – das Panini-Sammelbild-Fieber ist ausgebrochen. Seit Ende März läuft die Jagd nach den Fussballspielern der WM 2018 in Spielkarten-Grösse. Vom Panini-Virus befallen sind auch die Brüder Elmiger aus Eiken. Der älteste Jan, 21, zeigt auf sein erstes Sammelalbum der EM 2004 in Griechenland und fängt an zu schmunzeln.

«Mit acht Jahren fing alles bei mir an. Mein Vater schenkte mir damals das Heft. Seitdem bin ich leidenschaftlicher Sammler», erzählt er. Damals, als Schüler, habe er sich sein Sackgeld mühsam zusammengespart, um sich die Bilder-Päckchen leisten zu können.

Rund fünf Wochen dauerte es, bis Jan, Lars, 19, und der jüngst Kai, 13, ihre Alben mit den 682 Aufklebern voll hatten. Ein Päckchen mit fünf Stickern kostet einen Franken. 137 Päckchen für 137 Franken hätten die drei Panini-Fans also im günstigsten Fall gebraucht, um ihre Alben vollzumachen.

Allerdings weiss Jan, dass dies unrealistisch ist. «Je mehr Päckchen man kauft, desto mehr Doppelgänger häufen sich.» Laut einer Wahrscheinlichkeitsformel, welche die doppelten Bilder berücksichtigt, bräuchten Panini-Fans 4832 Sticker – 967 Päckchen für knapp 1000 Franken – für ein volles Album. Jan benötigte lediglich 150 Franken. Mehr als 200 Franken hätte er nicht ausgegeben, denn: «Irgendwann macht das Tauschen mehr Sinn als das Kaufen.»

Die Familie hält zusammen

Nach dem Motto «die Familie hält zusammen», tauschten die Brüder ihre doppelten Bildchen untereinander, wobei die beiden ältesten Brüder Jan und Lars ausmachten, zunächst nur unter sich zu tauschen und dann erst mit dem jüngsten Kai. «Das habe ich blöd gefunden», sagt dieser, während Jan neben ihm sitzt und spitzbübisch grinst. Böse ist Kai seinen älteren Brüdern aber nicht: «Klar, es findet unter uns ja auch ein kleiner Wettbewerb statt, wer sein Album als erstes voll hat.»

Verhehlen können beide nicht, dass sie ab und an einen Blick in das Album des anderen geworfen haben, um zu sehen, wie viele Bilder diesem noch fehlen. «Lars hat sein Album kurz vor mir komplettiert», erzählt Jan und schiebt nach: «Er konnte es sich nicht nehmen lassen, deswegen ein wenig zu sticheln. Wie es halt so unter Brüdern ist.»

Als dem jüngsten Kai nur noch ein Sticker fehlte, halfen ihm Lars und Kai, das Wappen der Fussball-Equipe von Costa Rica an der Panini-Tauschbörse des FC Eiken zu suchen. «Mit den Tauschbörsen kann man die Ausgaben beim Sammeln stark reduzieren», sagt Kai, der dort auch eifrig mit rund 20 anderen Panini-Fans zwischen 8 und 60 Jahren am Tauschen war. Die meisten der Sammler erscheinen dort mit einer Liste, auf der sie die Nummern der fehlenden Bildchen notieren.

Dann wird entweder ein Bild gegen ein anderes getauscht oder «man zahlt 20 Rappen für ein Bild, wenn man selbst keines besitzt, dass der andere noch benötigt», erzählt Jan und schiebt nach: «Als ich meinen letzten Sticker einkleben konnte, war das ein super Gefühl – endlich voll.» Gleichzeitig war mit der Vervollständigung des Albums auch ein wenig Wehmut verbunden, weil die Zeit des Sammelns nun wieder für rund zwei Jahre – bis zur EM 2020 – zu Ende ist.

Auf die Frage, ob Jan seine vollen Panini-Alben hergeben würde, wenn dafür die Schweiz Fussball-Weltmeister werden würde, schüttelt er nur den Kopf: «Nein, die Alben sind für mich ein Andenken, in denen ich gerne stöbere. Sie erinnern mich an die intensive und schöne Zeit des Sammelns.»