Gansingen
Auf den Spuren von Ganso, der vor über 1000 Jahren in Gansingen gelebt hat

Über 100 Personen fanden sich zu einer äusserst informativen Besichtigung der Ausgrabungen im Dorfkern von Gansingen ein. Die Kantonsarchäologie stellte ein frühmittelalterliches Gehöft vor.

Dieter Deiss
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Auf den Spuren von Ganso
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Die Kantonsarchäologie ist Ganso auf der Spur.
Experimentalarchäologe Raimund Sättele (mit Rossschwanz) stellt alte Werkzeuge vor
Archäologin Manuela Weber erzählt über die Auswertung der Fundstücke

Auf den Spuren von Ganso

Dieter Deiss

«Eigentlich ist Gansingen nicht 775 Jahre alt, sondern rund 1200 Jahre», meinte Stephan Wyss, Ressortleiter archäologische Untersuchungen beim Kanton Aargau, bei der Begrüssung mit Blick auf die im nächsten Jahr anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten. Zweifel hegt er auch am Wappentier, der Gansinger Gans. Der Ortsname Gansingen stamme wohl eher von Ganso ab, der hier in der Zeit zwischen 700 und 1200 seine Spuren hinterlassen habe. «Wir wollen herausfinden, wann und wie dieser Ganso gelebt hat,» führte Wyss aus. Im Fricktal gebe es nur sehr wenige Dokumentationen über frühmittelalterliche Siedlungen, betonte er. Deshalb sei dieser Gansinger Fund von grosser Bedeutung für das Verstehen dieser Zeit.

Deutliche Spuren der Besiedlung

Am Rande des Grabungsfeldes erklärte Grabungsleiter David Wälchli die gemachten Funde. Im Gegensatz zu den Römern, die feste Mauern gebaut hätten, habe dieses früh- und hochmittelalterliche Gehöft aus Strohdachhäusern bestanden, so dass mit Ausnahme von ein paar verkohlten Resten kaum mehr etwas von den Aufbauten gefunden wurde.

Ausserordentlich gut erhalten sind jedoch die Steinfundamente für die Holzpfosten der Häuser. Diese lassen die ehemalige Situation des Gehöfts klar erahnen. Deutlich erkennbar sind auch Gehwege, gepflästerte Stellen vor den Häusern und Ablaufrinnen. Das Gehöft sei im Laufe der Zeit in nördlicher Richtung ausgebaut worden, erzählte Wälchli. Man gehe davon aus, dass die Besiedlung ums Jahr 700 begonnen habe und der Platz nach der Jahrtausendwende im 11. oder 12 Jahrhundert verlassen wurde.

Über das Leben der Leute in dieser Zeit wisse man recht wenig, führte der Grabungs-leiter weiter aus. Die mächtigen Strohdächer hätten nur kleine Fensterchen zugelassen, so dass man annehme, dass sich das Leben vorwiegend im Freien und unter den Vordächern abgespielt habe. Von der Auswertung der Funde erwarte man neue Hinweise. Funde zeigen, dass es eine dörfliche Bewaffnung gegeben habe. Die Leute verfügten über Spaten und Säbel. «Bei jeder Grabung finden wir wieder Neues und können uns ein genaueres Bild über diese Menschen machen», ergänzte Wälchli.

Erosionsmaterial schützte die Fundstelle

Dass der Gansinger Fundort derart gut erhalten sei, erklärte Wälchli damit, dass der Platz im Laufe der Zeit mit einer gut ein Meter dicken Erdschicht überdeckt wurde. Für die Gewinnung von Eisenerz und für die Holzköhlerei habe man sehr viel Holz benötigt und deshalb seien die Wälder praktisch restlos gerodet worden. Die dadurch entstan-dene Erosion habe das Erdmaterial ins Tal hinunter und über die ehemalige Siedlung geschwemmt. Man habe übrigens auch römische Tonscherben gefunden, was darauf schliessen lasse, dass im Mettauertal auch schon Römer lebten. Direkt bei der frühmittelalterlichen Siedlung entdeckte man zudem Überreste aus der Keltenzeit.

Zimmermann und Experimentalarchäologe Raimund Sättele präsentierte zahlreiche alte Werkzeuge, wie sie teils schon von den Römern, aber auch von den Bewohnern der Gansinger Siedlung benutzt wurden. Archäologin Manuela Weber zeigte auf, wie die gemachten Funde ausgewertet werden. Jede einzelne Scherbe werde zunächst gereinigt und beschriftet mit Fundort und Fundjahr. Aufgrund des Aussehens und der Dicke der Scherben könnten diese relativ genau datiert werden. Gefundene Tierkno-chen geben Hinweise auf die Tierhaltung und die Nahrung der damaligen Menschen.

Ein kleiner Mühlstein zeige, dass man diesen für das Mahlen von Korn und Brei verwendet habe, erzählte Weber. Erdstücke aus den Funden würden ausgewaschen. Man finde dann darin beispielsweise Überreste von verkohlten Getreidekörnern. Manuela Weber bezeichnete die Fundstelle als äusserst reichhaltig, diese sei ein grosser Glücksfall.