Die Natur ein Stückchen näherbringen sowie das faszinierende Zusammenspiel von Mensch-, Tier- und Pflanzenwelt aufzuzeigen zum einen sowie die Vermarktung eines hochwertigen einheimischen Produkts zum andern waren die Gründe zur Errichtung des 5,5 Kilometer langen Chriesiwägs, berichtet die engagierte und kompetente Gemeinderätin und Landschaftsführerin Regine Leutwyler. Sie vergass nicht jene Zeit, zu der sie selbst als Kind singend und wettpflückend auf den Kirschbäumen verbracht hatte.

Ein gutes Stück noch weiter zurück durfte beim ersten der insgesamt elf Posten des Wegs, der in Zusammenarbeit von Jurapark Aargau, dem Verband Aargauer Obstproduzenten und dank der Unterstützung vieler Sponsoren eingerichtet worden war, geblickt werden. Nämlich bis zum römischen Feldherrn Lucullus, der 70 nach Christus die verführerische süsse Versuchung aus der Stadt Kerasos (lateinisches Wort für die Kirsche ist cerasus) nach Westeuropa brachte. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hielt die saftige Frucht, die am besten in Sonnenlage und kalkhaltigem Mergelboden gedeiht, einen grossen Anteil am bäuerlichen Einkommen.

Jährlicher Beitrag für Jungbäume

Ein erster Wermutstropfen stellt jedoch die Information dar, dass seither der Obstbaumbestand aus Mangel an Nachfrage und Arbeitskräften kontinuierlich abnimmt. Die Gemeinde Gipf-Oberfrick versucht, dem entgegenzuwirken, indem sie jährlich einen Geldbetrag zur Pflanzung von Jungbäumen zur Verfügung stellt.

Weitere Sensibilisierungspunkte, die auf dem Parcours thematisiert wurden und nachdenklich stimmten, ist die Tatsache, dass durch den steten Verlust von Bienenvölkern, gerade vergangenen Winter starben aufgrund der Kälte eine grosse Anzahl der fleissigen Helfer, die sage und schreibe 80 Prozent der Bestäubungsarbeit verrichten, der Obstanbau in eine äusserst unsichere Zukunft blickt.

Sorgen bereitet ferner abnehmender Baumbestand und damit weniger Vogelarten, die ihre Nester mit Vorliebe in Kirschbäumen bauen. Dies bedeutet, dass der Trend zu perfekt gestalteten Gärten auch zum Vogelsterben beiträgt. Da die Vögel ihre Nahrung aus Hagebutten-, Weissdorn oder Kopfweiden-Hecken beziehen und nicht aus Lorbeer-Anpflanzungen. Dass mit den Fricktaler Kirschen aber stets «gut Kirschen essen» ist, zeigte die Wanderung. Der Ausspruch stammt daher, dass das einfache Volk einst einen Bogen um die Wohlstandsleute machen musste, da diese sich einen Spass daraus machten, der Arbeiterschicht Kirschensteine ins Gesicht zu spucken.

Die verschiedenen Kirschsorten und ihre Verwendung sind vielfältig. Von den Chriesipralinen, Kirschschnaps, gedörrten Chriesi, Chriesikonfitüre bis hin zum Chriesisekt, Chriesiwein und vielem mehr. Die Sorten verdanken ihre Namen entweder ihren Eigenschaften oder ihrer Herkunft. Die Geschichte dieser einzigartigen Frucht ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.