Wie geht es weiter mit dem Spital Laufenburg? Diese Frage beschäftigt seit bald zwei Wochen das Fricktal. Hintergrund für die Diskussion ist die Ankündigung des Gesundheitszentrums Fricktal (GZF), welches das Spital Laufenburg betreibt, dass man die künftige Ausrichtung überprüft. Dabei stehen zwei Szenarien zur Wahl.

Beide haben erhebliche Auswirkungen auf das künftige Angebot in Laufenburg. Die Frage ist dabei nicht, ob Leistungen abgebaut werden, sondern wie viele. Man kann auch sagen: Die Frage ist, wie stark Laufenburg bluten wird.

Bis Ende Juni will das GZF wissen, wie es weitergeht. Den Vorwurf, übereilt zu handeln, kontern die Spitalverantwortlichen mit dem Verweis auf den Strukturwandel im Gesundheitswesen, den zunehmenden Kostendruck sowie die jüngsten Abgänge in Laufenburg, welche die Situation zusätzlich akzentuiert haben.

Im Februar und März haben drei Kaderärzte am Spital Laufenburg gekündigt. Das ist – abgesehen von zwei Gastroenterologen, die sowohl in Laufenburg als auch am Hauptsitz in Rheinfelden tätig sind – das gesamte auf der Website aufgelistete «Team Laufenburg» der Allgemeinen Chirurgie.

Doch was hat es mit dem Strukturwandel auf sich? Was mit den unterschiedlichen Entwicklungen in Rheinfelden und Laufenburg? Eine Antwort in 14 Zahlen.

8545 stationäre Patienten.

Auch im letzten Jahr verzeichnete das GZF wieder einen Rekord an stationären Patienten. 8545 liessen sich in Laufenburg und Rheinfelden behandeln. Zählt man die Säuglinge ab, sind es 8106 Patienten. Das sind 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr und 22,6 Prozent mehr als 2010.

Das zeigt: Das GZF ist auf Wachstumskurs – und damit auf Zukunftskurs. Das strukturelle Problem, das die Spitäler herausfordert, zeigt sich an einer anderen Zahl: Jener der Pflegetage – oder genauer: der Nächte, die die Patienten im Spital verbringen. Sie lag im letzten Jahr mit 37 021 um 1248 unter dem Wert von 2010 – trotz der massiven Zunahme an Patienten.

2460 Patienten in Laufenburg.

28,8 Prozent der stationären Patienten werden in Laufenburg behandelt. Unterschiedlich präsentiert sich auch die Dynamik: In Laufenburg stieg die Zahl der Patienten seit 2000 um 24,2 Prozent, in Rheinfelden 63,4 Prozent.

Dies liegt allerdings auch daran, dass in Laufenburg nicht das gesamte Leistungsspektrum von Rheinfelden angeboten wird. Für Geburten beispielsweise müssen die Frauen nach Rheinfelden.

4,3 Nächte.

Noch 4,3 Nächte lag ein Patient im letzten Jahr durchschnittlich im Spital. Das sind 1,2 Nächte weniger als 2010. Was den Patienten freut, ist für die Spitäler Teil der Herausforderung. Sie nehmen pro Patient zunehmend weniger ein.

Das heisst: Die beiden Entwicklungen – die Steigerung der stationären Patienten auf der einen, die kürzere Aufenthaltsdauer auf der anderen Seite heben sich in Sachen verrechenbare Pflegetage wieder auf.

Nochmals anders formuliert: Das Spital braucht das Patientenwachstum. Die offene Frage dabei ist, ob diese sich gegenseitig bedingende Dynamik in den nächsten Jahren anhält. Denn im Bestreben, die Gesundheitskosten zu senken – oder wohl realistischer: das Kostenwachstum einzudämmen, forciert der Bund die Strategie «ambulant vor stationär».

34 Akut-Betten in Laufenburg.

Das GZF betreibt in Laufenburg in den Bereichen Chirurgie und Medizin 34 Akut-Betten. Vor 14 Jahren waren es noch 43. Der Rückgang ist auf die kürzere Verweildauer zurückzuführen.

44 Prozent aus unterem Fricktal.

44 Prozent der stationären Patienten kommen aus der Spitalregion Rheinfelden. Sie stellen damit die grösste Gruppe der Patienten dar. 35 Prozent kommen aus der Spitalregion Laufenburg, sechs Prozent aus den beiden Basel und je vier Prozent aus dem Kanton Aargau und der «übrigen Schweiz».

Die restlichen sieben Prozent der Patienten kommen aus dem Ausland. Ein Vorschlag am Informationsabend am Montag war, stärker auf deutsche Patienten zu setzen und so die Auslastung in Laufenburg zu erhöhen.

Das Problem dabei: Die Tarife in Deutschland sind laut GZF-Finanzchef Marcel von Ah noch viel tiefer. Und: «Wir haben entschieden, keine Leistungen zu deutschen Tarifen anzubieten», so von Ah, sodass nur privatversicherte Patienten denkbar seien.

76 Prozent Allgemeinversicherte.

Drei Viertel der Patienten, die im GZF behandelt werden, sind allgemein versichert. Ein Viertel verfügt über eine Zusatzversicherung, sind also halbprivat oder privat versichert.

42900 ambulante Patienten.

Die Kurve der Patienten, die ambulant behandelt werden, zeigt seit Jahren steil nach oben. 2010 wurden 24 634 Patienten ambulant behandelt (inklusive Rettungsdienst), im letzten Jahr waren es 42 900. Das entspricht einem Wachstum von 74,1 Prozent innerhalb von acht Jahren. Allein im letzten Jahr stieg die Zahl der ambulanten Patienten um 7,4 Prozent.

1130 Operationen.

In Laufenburg wurden im letzten Jahr 1130 Operationen durchgeführt, davon 250 ambulant. In Rheinfelden waren es 4205 Operationen, 915 davon ambulant. Die Zahl der Operationen ist damit in Laufenburg gleich hoch wie 2008. In Rheinfelden stieg die Zahl seither um 1665 oder 66 Prozent.

4421 Notfälle in Laufenburg.

Seit dem Jahr 2000 nahm die Zahl der Notfälle, die nach Laufenburg kamen oder gebracht wurden, um 71 Prozent zu. Im Schnitt sind es pro Tag 12 Notfälle. Das sind knapp halb so viele wie in Rheinfelden (27).

Hier betrug das Wachstum in den letzten 18 Jahren sogar 91 Prozent auf 10 023 Notfälle. Vor allem nachts sei die Zahl der Notfallpatienten in Laufenburg «verschwindend klein», sagte die Spitalleitung am Infoabend. Zwischen 22 und 8 Uhr suchen im Schnitt rund zwei Patienten den Notfall in Laufenburg auf.

Wobei es diese Zahl zu relativeren gilt: Braucht ein Patient, der mit der Ambulanz abgeholt wird, ein bildgebendes Verfahren – etwa ein Röntgenbild – oder einen chirurgischen Eingriff, steuert die Ambulanz in der Nacht automatisch Rheinfelden an.

5,9 bei der ärztlichen Betreuung.

Spitzenwerte erreicht das GZF bei der Patientenzufriedenheit. Dies zumindest zeigen die Befragungen, welche das Unternehmen selber durchführt. Beide Spitäler, also Laufenburg wie Rheinfelden, kommen in allen abgefragten Kriterien auf Werte über 5,4. 6,0 ist dabei der höchste Wert.

Tendenziell schneidet Rheinfelden etwas besser ab, insbesondere bei der ärztlichen Betreuung, der Information und der Ausstattung. Bei der pflegerischen Versorgung hat Laufenburg die Nase vorne. Bei der Frage, ob man erneut kommen würde, liegt der Wert für Rheinfelden bei 5,7, jener für Laufenburg bei 5,62.

66 Prozent der Einnahmen.

66 Prozent der Einnahmen generiert das GZF im stationären Bereich, also in dem Bereich, in dem die Leistungen mit Fallpauschalen abgerechnet werden. Nur 17 Prozent sind es im ambulanten Bereich. Die restlichen 17 Prozent verteilen sich auf Pflegeheime, Rettungsdienst und Restaurationsbetriebe.

16000 Franken Gewinn.

Der Jahresgewinn lag im letzten Jahr bei gerade einmal 16 000 Franken. Dies sei auf die zahlreichen Investitionen zurückzuführen, sagt GZF-Mediensprecherin Miriam Crespo. In den beiden Vorjahren lag der Betriebsgewinn bei 0,5 (2016) respektive 3,1 Millionen Franken (2015).

Gesteigert werden konnte allerdings, wie schon in den Vorjahren, der Betriebsertrag. Er lag 2017 bei 114,8 Millionen Franken – und damit 3,2 Prozent über dem Vorjahr. Ein zentraler Wert ist die sogenannte Ebitda-Marge. Sie lag im letzten Jahr bei sechs Prozent und damit gleich hoch wie beispielsweise beim Kantonsspital Aarau.

Der Ebitda müsse «längerfristig weiterentwickelt werden», sagt Crespo. Im Jahresbericht 2015 findet sich dazu eine klare Zielsetzung: «So verfolgt das GZF mittelfristig das Ziel, den Ebitda auf rund zehn Prozent zu entwickeln.» Nur so werde das GZF nachhaltig in der Lage sein, die hohen Abschreibungen zu tragen sowie die notwendigen Amortisationen für die finanziellen Verbindlichkeiten zu leisten.

970 Mitarbeitende.

Insgesamt teilen sich 970 Mitarbeitende 730 Vollzeitstellen. 292 arbeiten in Laufenburg, der Rest in Rheinfelden. Das GZF ist damit in den letzten Jahren auch personell gewachsen; 2015 beispielsweise teilten sich 850 Personen 677 Vollzeitäquivalente. Dabei werden auch rund 120 Studierende und Lernende pro Jahr in 15 verschiedenen Berufen ausgebildet.

0,5 Millionen Einsparungen.

Das GZF rechnet, bei gleichbleibender Leistung, allein aufgrund von Tarifsenkungen und weiteren «ambulant vor stationär»-Verschiebungen mit jährlichen Mindereinnahmen von zwei Millionen Franken.

Wenn, wie im Szenario 2 vorgesehen, die stationäre Chirurgie und Medizin in Rheinfelden konzentriert werden, ergibt sich aus der Konzentration des OP-Betriebs in Rheinfelden laut GZF ein Einsparpotenzial von 500 000 bis 700 000 Franken. Eine weitere halbe Million würde die Schliessung einer separaten Privatabteilung in Laufenburg bringen.