Gipf-Oberfrick
Auf dem Pferderücken statt an Partys: 18-Jährige startete schon an zwei CSIs

Die 18-jährige Springreiterin Nicole Bruhin verzichtet für den Sport auf vieles. Doch das lohnt sich: Im Januar startete sie sowohl in Basel als auch in Zürich an einem CSI – und war erst noch erfolgreich.

Noëmi Laux
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Geballte Kraft.
6 Bilder
Nicole Bruhin
Die junge Reiterin an einem Wettkampf in Zürich.
Nicole Bruhin auf Pferd Top Shot.
Beim Sprung müssen Reiterin und Pferd eine Einheit bilden.
Am CSI in Zürich.jpg

Geballte Kraft.

Von Jean-Marc Felix

Misten, füttern, putzen – vielen Reitern mit ähnlichen Erfolgen wie Nicole Bruhin stehen für solche Arbeiten Pferdepfleger und Knechte zur Verfügung. Die 18-jährige Springreiterin aus Gipf-Oberfrick erledigt solche Sachen lieber selber.

Als die Fricktalerin Nicole Bruhin vor sieben Jahren ihren ersten Concours bestritt, hätte sie sich eine Teilnahme an einem CSI, also an einer der grössten Springkonkurrenzen weltweit, nicht in ihren kühnsten Träumen vorstellen können. Heute hat sie es geschafft: Im Januar startete sie sowohl in Basel als auch in Zürich - und noch dazu erfolgreich.

Das sind ihre grössten Erfolge

Nicole Bruhin gewann den Pony-Trophy-Final 2008 auf ihrer Ponystute Ballerina; wurde mit Ladina Aargauermeisterin 2013; CSI Basel 2014: 5. Und 9. Rang auf Ladina; Schaffte am CSI Zürich den 3. Rang mit Pferd Top Shot

In Basel belegte sie einen fünften und einen neunten Platz, letztes Wochenende in Zürich gar einen Dritten. Mit diesem Podestplatz am Freitag ermöglichte sich die 18-Jährige einen Startplatz im Equipespringen am Tag darauf. Ihr Team bestand aus einem weiteren Amateur und dem deutschen Weltklasse-Reiter Christian Ahlmann.

Während der Profi einen Null-Fehler-Ritt hinlegte, absolvierte Nicole Bruhin den gleichen Parcours mit nur einem Abwurf. Der zweite Amateur hatte grössere Probleme und brachte das Team mit drei Abwürfen um eine Platzierung.

«Ich bin mit meiner Leistung zufrieden, obwohl ich mit Ladina mehr riskiert hätte», so Nicole Bruhin, die ihre Stute zu Hause lassen musste, weil diese für die vorgesehenen Starts in Zürich zu viele Ranglistenpunkte gesammelt hatte. So bestritt sie die Prüfungen mit Top Shot, einer sechsjährigen Stute mit wenig Concours-Erfahrung.

Familiensache

Nicole Bruhin kann auf ihre Erfolge ganz besonders stolz sein, weil sie unter erschwerten Bedingungen trainiert. Ihre Stute Ladina steht in einem kleinen Privatstall, der ihrem Onkel gehört und weder über eine Reithalle noch über einen Spring- oder Dressurplatz verfügt.

Das Misten und Füttern ist Familiensache. Doch die 18-Jährige sieht darin auch Vorteile: «Ich verbringe so viel mehr Zeit mit meinem Pferd und die täglichen Geländeritte haben aus der anfänglich ängstlichen und unsicheren Ladina ein nervenstarkes Springpferd gemacht. Ausserdem hätte ich auf den Zickenkrieg, den es in grösseren Ställen manchmal gibt, sowieso keine Lust.»

Einmal pro Woche fährt Nicole Bruhin zur ehemaligen Grand-Prix-Reiterin Ariane Muff ins Springtraining. Stets begleitet wird sie dabei von ihrer Mutter Vreni, die früher selber an Turnieren startete, und, den Pferdevirus an ihre Tochter weitergegeben hat.

Bodenhaftung

Wieder zurück in Zürich: Die junge Springreiterin hält einen Moment inne. Durch die Lautsprecher wurde gerade der Start des Schweizer Olympiasiegers Steve Guerdat angekündigt. «Den muss ich sehen!» Später verrät Nicole, dass Guerdat ihr grosses Vorbild ist. «Er hat es so weit geschafft und ist trotzdem auf dem Boden geblieben und sein einfühlsamer Reitstil gefällt mir sehr.»

Nur selten findet die 18-jährige Sportlerin Zeit, um die Weltklasse-Reiter zu verfolgen, denn das Reiten nimmt in Nicole Bruhins Leben so viel Raum ein, dass sie auf vieles verzichten muss. So verbringt Nicole ihre Wochenenden statt an Partys auf dem Pferderücken. Auch das Kunstturnen musste die Jugendliche für den Reitsport aufgeben.

Zudem steckt sie momentan auch noch in den Abschlussprüfungen ihrer kaufmännischen Lehre. «Jetzt, wo die CSI vorbei sind, muss ich mit dem Reiten erst mal ein bisschen runterfahren und mich voll auf meine Prüfungen konzentrieren.»

Dafür möchte sie sich im Anschluss an die Lehre wieder voll und ganz aufs Springreiten konzentrieren. «Im Sommer überlege ich mir, für einige Monate in einen Sportstall nach Paris zu gehen. So könnte ich Training und Französischlernen kombinieren.»

Bleibt nur zu hoffen, dass Nicole dem französischen Reitercharme nicht erliegen wird, und dass sie wieder in die Schweiz zurückkommt. Aber für einen Start am CSI würde es sie auf jeden Fall wieder in die Heimat ziehen.