Es waren markige Worte, die SVP-Ortspräsident Adrian Speckert vor der Eröffnung der kantonalen Asylunterkunft im ehemaligen Autobahn-Werkhof in Frick wählte: Nachdem ein Gutachten der Universität Zürich zum Schluss gekommen war, dass präventiv ausgesprochene Rayonverbote unhaltbar sind, forderte Speckert von Gemeinde und Kanton «saubere und tragbare Lösungen», weil sonst «ohne weiteres die Gefahr besteht, dass beispielsweise unser Schwimmbad zu einer Art ‹Schönwetter-Filiale› für die Asylunterkunft im Werkhof werden kann».

Die Asylunterkunft ist seit drei Monaten in Betrieb und die Badisaison läuft auf Hochtouren. Zur «Schönwetter-Filiale» der Asylunterkunft indes ist die Badi nicht mutiert. «Es waren höchstens vereinzelt Bewohner der Asylunterkunft in der Badi», sagt Chefbademeister Paul Gürtler auf Anfrage. «Und sie haben keinerlei Probleme gemacht.»

Es steht Asylsuchenden frei, in die Badi zu gehen

Ähnlich schätzt es Gemeindeschreiber Michael Widmer ein, der selber mit seinen Kindern ab und an in die Badi geht. Es stehe den Asylsuchenden frei, die Badi zu besuchen. «Sofern dies der Fall ist, verhalten sie sich dort so, dass es nicht auffallen würde.»

Widmer glaubt nicht, dass die Asylsuchenden überhaupt das Bedürfnis haben, in die Badi zu gehen. Zum einen hätten viele Asylsuchende auf der Flucht traumatische Erlebnisse mit dem Wasser gemacht. Zum anderen sei ein Badi-Eintritt von sechs Franken bei einer Tagespauschale für den Lebensunterhalt von zehn Franken viel Geld.

Nach drei Monaten Betrieb zieht der Kanton eine positive Bilanz. «Der Betrieb läuft problemlos», sagt Anja Kopetz, Mediensprecherin im Departement Gesundheit und Soziales. Aktuell leben 145 Personen in der Asylunterkunft. Sie hat damit ihre Kapazitätsgrenze von 164 Personen beinahe erreicht. Für die Betreuung ist die ORS Service AG zuständig; sie hat 1090 Stellenprozente im Einsatz.

Hotline kaum genutzt

Auch aus Sicht der Gemeinde läuft die Unterkunft problemlos. «Wir hatten aus der Bevölkerung nicht eine Rückmeldung», sagt Widmer. Auch die Hotline, welche der Kanton für die Bevölkerung eingerichtet hat, wurde bislang keine zehnmal angerufen. Und wenn, handelte es sich laut Kopetz ausschliesslich um Personen, die ihre Hilfe anboten und beispielsweise Kleider spenden wollten.

Widmer geht aufgrund der ausbleibenden Rückmeldungen davon aus, dass sich die Asylsuchenden «im Dorf tadellos verhalten». Anders als jene vier Asylsuchenden aus Zürich, die am Montag im Coop in Frick Rasierklingen und Kosmetika im Wert von über 1000 Franken entwendet haben. Zwei konnte die Polizei stellen.

Zwischenfälle, bei denen die Polizei intervenieren musste, gab es laut Kopetz in den ersten drei Monaten deren zwei; einen wegen psychischer Probleme eines Bewohners, einen aufgrund einer Auseinandersetzung zwischen zwei Bewohnern. Dass es bislang kaum Probleme gab, liegt für Widmer auch daran, dass die Polizei Präsenz markiert. «Auf unseren Patrouillen fahren wir die Asylbewerberunterkunft regelmässig an und markieren in der Unterkunft selber uniformierte Präsenz», erklärt Werner Bertschi, Chef der Polizei Oberes Fricktal, das Dispositiv. Im Dorf sei man «im üblichen Mass» präsent und kontrolliere die bekannten Hotspots, «wozu sicherlich in erster Linie der Bahnhof Frick gehört».