Rheinfelden

Auch ohne Ja auf Schweizer Seite: Deutschland läutet Baustart für Rheinsteg ein

Zur Vergrämung der Eidechsen wurde eine Folie ausgelegt, mit schmalen Gängen, die den Eidechsen eine Abwanderung in teilweise eigens angelegte Ersatzlebensräume ermöglicht.

Zur Vergrämung der Eidechsen wurde eine Folie ausgelegt, mit schmalen Gängen, die den Eidechsen eine Abwanderung in teilweise eigens angelegte Ersatzlebensräume ermöglicht.

Auf deutscher Seite werden am badischen Rheinufer bereits Massnahmen für die Erbauung des Rheinstegs getroffen: Eine Folie zur Vergrämung von Mauereidechsen wurde ausgelegt. Ein Gegner des Stegs findet das Vorhaben unfair, zumal die Abstimmung auf Schweizer Seite noch aussteht.

Jürg Keller ist als Gegner des geplanten Rheinstegs in Rheinfelden bekannt. Nun geben ihm Arbeiten am badischen Rheinufer Anlass zur Kritik, da die Referendumsabstimmung auf Schweizer Seite erst am 20. Oktober stattfindet. Anscheinend sei Oberbürgermeister Klaus Eberhardt der Geduldsfaden gerissen, so Keller in einem Leserbrief. «Er sieht sein Denkmal in Gefahr und hat deshalb bereits jetzt mit den Bauarbeiten am deutschen Brückenkopf begonnen.»

Das sei zwar erlaubt, schliesslich sei Badisch-Rheinfelden Bauherrin bis zur Rheinmitte, aber es gehöre nicht «zu den fairen Kampfregeln». Denn der Urnengang solle Klarheit bringen. «Die Eitelkeit von Eberhardt darf dabei keine Rolle spielen.» Zudem, so ist Keller überzeugt, werde «der Schuss nach hinten losgehen». Denn: «Wenn man uns drängeln will, neigen wir zu Ungehorsam.»

Verzögerung und damit Mehrkosten verhindern

Tatsächlich stehen die Arbeiten am deutschen Rheinufer in Zusammenhang mit dem Rheinsteg. Es handelt sich um Vergrämungsmassnahmen für Mauereidechsen, wie die Pressesprecherin von Badisch-Rheinfelden, Chantal Hommes, auf Anfrage sagt. Diese müssten im Bereich der geplanten Brückenlager durchgeführt werden. Für die Vergrämung werde der Zeitraum von Mitte August bis maximal Anfang Oktober empfohlen. «Die Durchführung dieser Massnahme Ende Oktober wäre definitiv zu spät und würde einen möglichen Baubeginn des Steges aus naturschutzrechtlichen Gründen um ein Jahr verschieben», so Hommes. Daher würden die Massnahmen in enger Abstimmung mit der Naturschutzbehörde bereits jetzt durchgeführt.

Bestimmte Baumassnahmen könnten auf deutscher Seite «nur in einem bestimmten Zeitraum zum Jahresende realisiert werden», ergänzt Oberbürgermeister Klaus Eberhardt. Bei einem Ja in der Schweiz «möchten wir die Massnahmen noch in diesem Jahr beginnen, damit erwartbare Mehrkosten aufgrund des Baukostenindexes vermieden werden können». Auf dieser Grundlage habe man die laufenden Massnahmen eingeleitet – im Bewusstsein, dass sie «nicht unverborgen» bleiben würden. Den Vorwurf der Eitelkeit «empfinde ich als polemisch und unfair», so Eberhardt weiter. Er verweist darauf, dass das Projekt von Interreg und dem Land Baden-Württemberg gefördert werde und der Gemeinderat auf badischer Seite den Baubeschluss gefasst habe.

Peter Scholer von der IG pro Steg auf Schweizer Seite hat die Massnahmen am deutschen Rheinufer ebenfalls wahrgenommen. Der Zeitpunkt sei «nicht gerade glücklich», sagt er. Allzu grosse Sorgen für den Abstimmungskampf macht er sich deswegen aber nicht. «Es muss nun gut kommuniziert werden, was gemacht wird.»

Chantal Hommes verweist darauf, dass die Massnahmen unabhängig vom Ausgang der Referendumsabstimmung «naturschutzfachlich sinnvoll und nachhaltig» seien. Die Abholzung und Entfernung der invasiven Neophyten habe einen positiven Effekt. «Durch die Freistellung können sich die gewollten Weidenarten und andere heimische Gehölze wieder ausbreiten.»

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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