Einbusse
Auch Autor Christian Haller leidet unter dem starken Franken

Autoren wie Forscher werden häufig in Euros bezahlt. Mit dem Aus des Euro-Mindestkurses sinken nun auch ihre Einnahmen. Autor Christian Haller aus Laufenburg schätzt die Einbusse auf 20 Prozent bei den Buchverkäufen, seiner Haupteinnahmequelle.

Nadine Pfeifer
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«Man konnte sich überhaupt nicht schützen», sagt Autor Christian Haller besorgt.» (Archiv)

«Man konnte sich überhaupt nicht schützen», sagt Autor Christian Haller besorgt.» (Archiv)

Alex Spichale

Der Entscheid der Schweizer Nationalbank, den Euromindestkurs aufzuheben, hat nicht nur für Detailhandel oder Reisebranche Folgen. Auch andere Branchen, darunter der Buchhandel und das Forschungswesen, leiden. Christian Haller, Autor als Laufenburg, spürt es am eigenen Leib.

Christian Hallers Bücher, darunter die Werke «Der seltsame Fremde», «Die besseren Zeiten» oder «Im Park» werden vom Luchterhand Literaturverlag in München verbreitet. «Alle meine Buchgeschäfte werden in Euros abgewickelt», sagt Christian Haller. Entsprechend wirkt sich der starke Franken auf seine Einnahmen aus.

Christian Haller sagt: «Ich habe zwar auch andere Einnahmen, zum Beispiel durch die Verleihung des Aargauer Kunstpreises, aber die Buchverkäufe stellen meine Haupteinnahmequelle dar. Es ist noch nicht existenzbedrohend, aber ich mache Verluste. Mit dem Verlag ist jeweils ein Vorschuss abgemacht und davon fehlen mir nun 20 Prozent. Das ist ärgerlich, vor allem, weil es immer hiess, der Kurs von mindestens 1.20 Franken ist unantastbar. Man konnte sich überhaupt nicht schützen.»

Schweizer Verlagswüste

Seit die Buchpreisbindung in der Schweiz aufgehoben wurde, haben die Verlage ohnehin zu kämpfen. Online können Preise verglichen werden und diese variieren zum Teil gewaltig. Nun machen die Verlage auch noch Verluste beim Verkauf im Euroraum.

Haller erklärt: «Auch für meinen deutschen Verlag ist es ein Nachteil, denn ich verkaufe einen Grossteil meiner Bücher in der Schweiz, wo die Buchpreisbindung ja leider aufgehoben wurde. Aber bei meinem Absatz geht das noch. Die Schweizer Verlage, die vor allem in Euroraum verkaufen, zum Beispiel Diogenes, leiden jetzt aber stark. Das ist unbefriedigend für die ganze Branche, die sowieso grosse Probleme hat und sich im Umbruch befindet. Die Schweiz gleicht deswegen regelrecht einer Verlagswüste. Viele Verlage sind verschwunden, seit ich angefangen habe zu schreiben.»

Gute Forschernase

Häufig werden auch Forschungsgelder in Euros ausbezahlt. Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) in Frick hat jedoch nochmals Glück gehabt. Dank einer guten Nase hat das Fibl bereits Ende Dezember mehrere Millionen Euros in Schweizer Franken umgetauscht. Das Fibl übernimmt von der Schweiz aus kaum Aufträge im EU-Raum.

Dafür hat es zwei weitere Standorte in Frankfurt und Wien. Statt in Frick werden mit den Eurogeldern nun vermehrt in Frankfurt und Wien Personal aufgebaut. Grundsätzlich hat das Fibl aber nur fünf bis acht Prozent seiner Gelder in Euros angelegt. «Ich bin gerade in einem Meeting in Abu Dhabi, wo wir einen Vertrag in Franken abschliessen, nicht in Dirham», sagt Direktor Urs Niggli.

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