Region Fricktal
Auch auf das Kleinklima kommt es an: So sieht Lebensqualität im Jahr 2040 aus

Das 27. Fricktaler Gemeindeseminar weitet den Blick und fragt danach, wie Lebensqualität im Jahr 2040 aussehen kann.

Hans Christof Wagner
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Dass Bäche, wie hier die Sissle, austrocknen, wird mit der Klimaerwärmung wohl zunehmen.

Dass Bäche, wie hier die Sissle, austrocknen, wird mit der Klimaerwärmung wohl zunehmen.

nbo (Sisseln, 20. Juli 2015

Global denken – lokal handeln: Dass der Grundsatz gerade in der Klimapolitik gilt, war der Tenor der Referate, Wortmeldungen und Praxisbeispiele am zweiten Tag des Fricktaler Gemeindeseminars. Zeitweise bis zu 90 Teilnehmer hatten sich dem virtuellen Informations- und Gedankenaustausch auf der Internet-Videoplattform Zoom zugeschaltet. Traditionell Zukunftsthemen im Blick, ging es zum Abschluss der 27. Auflage des Gemeindeseminars um das Thema «Lebensqualität 2040».

«Ist in Zeiten von Corona eine Vorausschau auf die Zeit in 20 Jahren möglich und sinnvoll», fragte Regierungsrat Stephan Attiger in die Onlinerunde und beantwortete die Frage gleich selbst: «Ja, wir können auf vieles Einfluss nehmen.» Und sei Lebensqualität während einer Pandemie vielfach gleichbedeutend mit Gesundheit, umfasse es weit mehr.

Attiger: «Bin nicht grüner geworden»

Attiger ist FDP-Politiker. Und so ist sein Credo, wie er auch im Gemeindeseminar unterstrich, dass sich Ökonomie und Ökologie nicht gegenseitig ausschliessen. Klimaschutz müsse nicht Verzicht mit sich bringen, sagte der Landammann. Wachstum stehe nicht in Widerspruch zu Natur- und Ressourcenschutz. Mit Technik und Raumplanung, die für Attiger dazu beiträgt, Mobilität einzudämmen, sei Umweltpolitik auch unter «liberaler» Ausrichtung möglich. «Ich bin jedenfalls nicht grüner geworden, seit ich Regierungsrat bin, antwortete Attiger auf die Frage von Christian Fricker vom Fricktal Regio Planungsverband, Veranstalter des Gemeindeseminars.

Norbert Kräuchi, Leiter Abteilung Landschaft und Gewässer in Attigers Departement, begann seinen Vortrag mit dem Einspielen eines Lieds von Joe Cocker. Der hatte in «Summer In The City» schon 1994 das Fehlen von Schatten beklagt. Den sollte es laut Kräuchi aber mehr denn je geben – fast 30 Jahre später. «Wenn es 37 Grad heiss ist, ist es im Schatten einer Traubeneiche schon sieben Grad kühler. Gefühlt sind es sogar 15 Grad weniger», führte er aus.

Bei immer mehr Hitzetagen müssten Städte und Gemeinden in ihren Siedlungsstrukturen auf kühlende Strukturen achten und dafür Sorge tragen, dass Kaltluftströme durch Bebauungen nicht unterbrochen werden. Wo diese Ströme verlaufen, ist unter anderem in den Onlinekarten des Portals Agis verzeichnet, welche der Kanton im Internet publiziert. «Nutzen Sie die neuen Instrumente und Daten für die klimafreundliche Weiterentwicklung Ihrer Gemeinden», appellierte Kräuchi an die Teilnehmer.

Daniela Bächli, Fachberaterin Siedlungsentwicklung beim Kanton Aargau, empfahl Gemeinden, auf gute Durchlüftung, Grünflächen, unversiegelte Flächen und hitzeregulierendes Baumaterial zu setzen, um dem Trend zur Erderwärmung lokal zu begegnen. Städte und Gemeinden hätten es über die Revision ihrer Bau- und Nutzungsordnungen in der Hand. Sie könnten bei Neubauten viele ökologisch sinnvolle Massnahmen vorschreiben.

Referentin: Gemeinden müssen Vorbild sein

«Es gibt viele Ansatzpunkte», sagte Bächli. Und: «Auch schon mit dem eher symbolischen Pflanzen eines Baumes kann die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen.» Bäume wurden auch in der Schenkenbergertal-Gemeinde Thalheim jüngst gesetzt, wie Anja Trachsel, Projektleiterin beim Jurapark Aargau, berichtete.

Dort, auf dem Platz beim Dorfladen, sollen jetzt mehrere Exemplare der Elsbeere, zu einer «Baumkapelle» angeordnet, das Kleinklima verbessern helfen. Elsbeerbäume seien auch unter den 33 Arten, welche jüngst an der Kantonsstrasse zwischen Gipf-Oberfrick und Wittnau gepflanzt worden sind – für Trachsel ein gelungenes Fricktaler Beispiel.

Für gelungen, wenn auch mit einigen technischen Problemen, hielt denn auch Christian Fricker den zweiten Tag des digitalen Gemeindeseminars. Er machte aber keinen Hehl daraus, dass es ihm lieber sei, sich physisch zu begegnen: «Ich hoffe, dass dies 2022 wieder der Fall sein wird.»