Rheinfelden
Auch am Samstag gab es einen Protest

Die Demo gegen den Kraftwerkabriss erhielt neuen Aspekt - eine aus dem norddeutschen Bremen gesteuerte Zusatzdemo.

Peter Rombach
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Der Eisensteg ist zu zwei Drittel abgerissen. Zerknackt, geschreddert und somit geschrottet. Dennoch marschieren die Unentwegten auf Rheinuferwegen, haben ihre Hoffnung nicht aufgegeben, das alte Kraftwerkgebäude mit dem verbliebenen technischen Innenleben noch auf die Unesco-Weltkulturerbe-Liste hieven zu können. Unerwartet, aber nicht ungelegen, kam für die «IG pro Steg und Weltkulturerbe» am Samstag eine aus dem norddeutschen Bremen gesteuerte Zusatzdemo.

Die Aktivisten wettern deutschlandweit als «Parkschützer» gegen Stuttgart 21. Gernot-Peter Schulz erhielt als Organisator der Aktion «Schwabenstreich» nur «zufällig» Notiz von Rheinfelden. Erst auf mehrmaliges «Nachbohren» der az Aargauer Zeitung via Mail wurden Ort und Zeit für die Demo genannt. «Ich werde nicht da sein können, mein Vertreter ist Herwig Popken», so die Mitteilung. Was nur vor Ort im badischen Rheinfelden bekannt ist: Popken, Verwalter der Asylbewerberunterkunft an der Schildgasse, engagiert sich bei den Grünen. Dort hängt wegen des alten Kraftwerks ohnehin der Haussegen schief.

Konflikt zwischen Natur- und Denkmalschutz

Der Rheinfelder Grünen-Stadtrat Heiner Lohmann verlangt den Abriss des Gebäudes und beruft sich auf ein Gespräch mit der Energiedienst AG: «Das Gebäude ist mit gefährlichen Schadstoffen kontaminiert. Die Konzentrationen sind so hoch, dass ein Hochsicherheitstrakt zur Entsorgung eingerichtet werden müsste», meint Lohmann. Seine Parteifreunde aus dem Kreisverband Lörrach sehen einen «fortwährenden Konflikt zwischen Natur- und Denkmalschutz» und würden gerne ein «Kulturdenkmal» erhalten. Gebetsmühlenartig auch am Samstag vor dem alten Kraftwerk im Kreis von knapp 70 Protestierenden vorgetragen.

Der Rheinfelder Arzt und jetzt Experte für Weltkulturerbe, Kurt Beretta, geisselt wieder die Untätigkeit des Petitionsausschusses vom baden-württembergischen Landtag und einiger Schweizer Politiker mit dem einstigen Bundesrat Moritz Leuenberger an der Spitze. Beretta wirft der deutschen Seite «schwere Ermittlungsdefizite» im Planfeststellungsverfahren vor; die internationalen Unesco-nahen Denkmalorganisationen würden verhöhnt.