Möhlin

«Asylunterkunft ist kein Luxus, aber würdig und zweckmässig»

Beim Kochen in der Möhliner Asylunterkunft an der Sailistrasse müssen sich die Bewohner aufgrund des Platzes absprechen.

Beim Kochen in der Möhliner Asylunterkunft an der Sailistrasse müssen sich die Bewohner aufgrund des Platzes absprechen.

Im Möhliner Asylheim leben 28 Bewohner – sie teilen sich sieben Zimmer, sechs Nasszellen und zwei Küchen.

Am Mittwoch machte die AZ die hygienischen Missstände in der Asylunterkunft in Wegenstetten publik. In der Individualunterkunft für vorläufig Aufgenommene gibt es unter anderem Kakerlaken. Auch im Möhliner Industriegebiet gibt es eine Individualunterkunft für männliche Migranten. Ebenso wie in Wegenstetten hat die Gemeinde Möhlin den Betreuungsauftrag an die ORS Service AG mandatiert. Gemeindeschreiber Marius Fricker hat zusammen mit drei Mitarbeitern der ORS der AZ einen Einblick in den roten Container-Bau gewährt.

So sieht es in der Unterkunft in Wegenstetten aus:

Im Asylheim, das seit knapp 20 Jahren betrieben wird, leben 28 Migranten verteilt auf sieben Zimmer mit je zwei Stockbetten, einem Schreibtisch, einem Stuhl und einem Spind für die persönlichen Sachen. Die Bewohner teilen sich sechs Nasszellen, sechs Toiletten, zwei Küchen mit je einer Sitzecke und einem Fernseher. «Die Unterkunft in Möhlin ist eine, wie man sie für alleinreisende Männer so manchenorts in der Schweiz findet», sagt ORS-Sprecher Lutz Hahn. Natürlich seien der Platz und dementsprechend die Rückzugsmöglichkeiten des Einzelnen begrenzt. «Darum sind wir gerade hier in Möhlin dabei, zusätzlich in der Nähe zur Unterkunft Räume zur Verfügung zu stellen, in denen sich die Männer aufhalten und deutsch lernen können», sagt Hahn.

Zwar sei die ORS in erster Linie für die Betreuung und nicht für die Auswahl der Liegenschaft verantwortlich, sagt Hahn, dennoch sei es so, dass man auch auf die Gemeinden zuginge, wenn man fände, dass die Liegenschaft von ihrem Zustand, Alter oder Platz her einer Unterkunft unwürdig sei. «Wie die Gemeinden mit unseren Empfehlungen umgehen, liegt in deren Ermessen», so Hahn.

Gemeindeschreiber Marius Fricker (l.) und ORS-Sprecher Lutz Hahn stehen vor der Individualunterkunft, die seit fast 20 Jahren betrieben wird.

Gemeindeschreiber Marius Fricker (l.) und ORS-Sprecher Lutz Hahn stehen vor der Individualunterkunft, die seit fast 20 Jahren betrieben wird.

ORS kommt vier Mal pro Woche

Vier Mal pro Woche besucht ein Betreuerteam die Individualunterkunft in Möhlin. «Bei 28 Männern ist die Sauberkeit natürlich ein grosses Thema», sagt Hahn.
Die ORS stellt den Bewohnern Putzutensilien zur Verfügung und erklärt, wie man diese verwendet. Im wöchentlichen Turnus bestimmen die Bewohner untereinander einen Putzchef, der für die Reinigung der Gemeinschaftsräume – Bad, Küche und Flur – verantwortlich ist. Der Putzchef wird bei der Auszahlung entlohnt. «Manchmal ist die Unterkunft so sauber, dass man nur einmal die Woche kommen müsste, manchmal müsste man jeden Tag vorbeikommen», sagt Hahn.

Verhehlen kann Hahn nicht, dass das eine oder andere des Inventars schon recht mitgenommen aussieht. «Man muss sehen, dass hier Gebrauchsgegenstände einem viel grösseren Verschleiss unterliegen, als in einem Vier-Personen-Haushalt. Wir können deswegen nicht alle drei Monate zur Gemeinde gehen und einen neuen Herd beantragen.» Kleinere Reparaturarbeiten erledigt die Liegenschaftsabteilung der ORS, die Behebung grösserer Mängel fällt in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde. Erst vor einigen Monaten wurde ein hoher fünfstelliger Betrag in die Sanierung der Nasszellen investiert.

Unterkunft ist fast ausgelastet

«Es ist mit Sicherheit kein Luxus, jedoch ist die Unterkunft würdig und zweckmässig», sagt Fricker. Mit einer maximalen Auslegung für 30 Personen sei man mit der Ausnutzung fast an der Grenze angelangt. Natürlich hat die Gemeinde ein Interesse daran, die Liegenschaft so gut wie möglich auszulasten, sagt Fricker. «Ich denke, das ist legitim.» Tagsüber sei es jedoch so, dass sich nur ein kleiner Teil der Bewohner in der Unterkunft befände. «Rund 20 Bewohner besuchen Deutsch-Kurse oder andere Beschäftigungs- und Integrationsprogramme. Nur über Nacht sind alle 28 Bewohner gleichzeitig in der Unterkunft.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1