Der Kanton will im ehemaligen A3-Werkhof am Ostrand von Frick ein temporäres Asyldorf einrichten. Bis zu 300 Flüchtlinge sollen hier ab dem ersten Quartal 2016 in 60 Ikea-Häusern, die in zwei Hallen aufgebaut werden, untergebracht werden.

Die Gemeinde sei, so teilte der Kanton am Donnerstag mit, «grundsätzlich einverstanden». Das stimme, sagt Gemeindeammann Daniel Suter, fügt dann aber sogleich ein grosses Aber hinzu: «Wir stehen noch ganz am Anfang des Prozesses.» Es seien noch «sehr viele» Fragen offen. «Diese müssen zu unserer Zufriedenheit geklärt werden.»

«Es ist ja ziemlich weit weg vom Dorfzentrum»: Der Fricker Gemeindeammann ist zuversichtlich, die Anrainer des Gewerbegebiets reagieren noch etwas skeptisch auf das geplante Flüchtlingsdorf. (30.10.2015)

«Es ist ja ziemlich weit weg vom Dorfzentrum»: Der Fricker Gemeindeammann ist zuversichtlich, die Anrainer des Gewerbegebiets reagieren noch etwas skeptisch auf das geplante Flüchtlingsdorf.

Insbesondere erwartet Suter vom Kanton ein ausgereiftes Betreuungs- und Sicherheitskonzept. Es sei Aufgabe des Kantons, für die Sicherheit im und um das Asyldorf zu sorgen und die Flüchtlinge ausreichend zu beschäftigen. Überzeuge das Konzept nicht, «ist das Projekt gefährdet». Zentral ist für Suter zudem, dass das Konzept nicht in Stein gemeisselt ist, sondern bei Bedarf an die Gegebenheiten angepasst werden kann.

«Sehr sportlicher» Zeitplan

Die Gemeinde hat laut Suter zwar keinen Einfluss darauf, was der Kanton mit dem Werkhof – er gehört dem Kanton – macht, aber er kann die Baubewilligung verweigern. Ein solches Nein kann der Kanton zwar anfechten – doch das braucht Zeit und Zeit hat der Kanton im Asylbereich nicht. Als «sehr sportlich» erachtet Suter den Zeitplan, nach dem das Asyldorf im ersten Quartal 2016 bezogen werden soll. «Das funktioniert nur, wenn der Kanton 100-prozentig mit der Gemeinde zusammenarbeitet.»

Kurz und knapp: Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau in 33,33 Sekunden erklärt.

Kurz und knapp: Die Ikea-Häuser für Flüchtlinge im Aargau in 33,33 Sekunden erklärt.

Suter will seine Haltung nicht als Drohung verstanden wissen. «Doch unsere Aufgabe ist es, uns für die Bedürfnisse und Anliegen der Bevölkerung starkzumachen.» Er selbst steht dem geplanten Asyldorf offen gegenüber, «auch wenn ich keine Freudensprünge mache». Die Ängste, die in der Bevölkerung spürbar sind, versteht Suter. Diese gelte es, ernst zu nehmen. «Schon die Zahl 300 tönt erschreckend.» Diese müsse aber relativiert werden, da ein Grossteil der Plätze Familien vorbehalten sei.

In Frick entsteht ein Dorf mit 60 Ikea-Hütten für Asylbewerber. (Tele M1, 29.10.2015 )

Flüchtlingsdorf mit Ikea-Häusern in Frick

Eine abwartend-offene Haltung spürt man auch bei den Parteien. Für FDP-Präsident Rudolf Heusser ist es noch zu früh, ein Urteil zu fällen. Es gelte, das Baugesuch und die Vereinbarung, welche der Kanton mit der Gemeinde schliessen will, abzuwarten. «Wenn die Asylunterkunft sinnvoll eingerichtet wird und gut organisiert ist, kann ich sie mir in Frick durchaus vorstellen.» Denn, darin sind sich alle einig: «Irgendwo müssen die Asylbewerber untergebracht werden.»

Auch SVP-Präsident Isidor Bürgi will sich noch nicht festlegen. Es brauche nun zuerst eine fundierte Auslegeordnung. «Wenn jemand mit seinem Hund in meine Tierarztpraxis kommt, operiere ich auch nicht sofort, sondern mache zuerst eine gründliche Anamnese.»

200 Ikea-Häuser: Wieso fragte der Kanton keinen anderen Anbieter?

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Für Bürgi ist wichtig, dass der Kanton ein Konzept vorlegt, mit dem er die Betreuung, Beschäftigung und Sicherheit gewährleistet. Dann «kann es durchaus funktionieren». Zudem handle es sich ja um eine zeitlich begrenzte Nutzung als Asylunterkunft: Ab 2018 soll der ehemaligen A3-Werkhof als neuer Standort des Kantonalen Katastropheneinsatzelementes genutzt werden.

Bereicherung für das Dorf

Trotz peripherer Lage ist Daniel Suter klar, dass sich die Asylsuchenden auch die Gemeindeinfrastruktur mitbenützen werden. «Das ist selbstverständlich und bringt den Läden und Restaurants ja auch gewisse Zusatzeinkünfte.» Auch CVP-Präsident Alois Leuthard sieht das Asyldorf als Bereicherung, gerade weil viele Familien im A3-Werkhof untergebracht werden sollen. «Das führt uns die Brutalität des Krieges vor Augen: Familien müssen ihre Heimat verlassen und sich in fremden Ländern in Sicherheit bringen.»

Leuthard ist überzeugt, dass die Fricker Bevölkerung für diese Ausnahmesituation Verständnis zeigen wird. «Es ist richtig, dass der Gemeinderat seine Bereitschaft signalisiert hat, zu helfen.» Auch für Leuthard ist indes zentral: «Die Sicherheit und die Betreuung müssen vom Kanton sichergestellt sein.»